Auktion: 541 / Contemporary Art Day Sale am 09.06.2023 in München Lot 222


222
Katharina Grosse
Ohne Titel, 2010.
Acryl und Erde auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 133.350

(inklusive Aufgeld)
Ohne Titel. 2010.
Acryl und Erde auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und mit der Werknummer "2010/2017M" sowie mit den Maßangaben bezeichnet. 150 x 121 cm (59 x 47,6 in).

• Besonders reizvolle Materialästhetik durch einen in der Sonne glänzenden Schimmer und der zum Teil sandig-körnigen Oberflächenstruktur.
• Katharina Grosse zählt zu den weltweit erfolgreichsten Künstlerinnen der Gegenwart und sprengt mit ihren Arbeiten die Konventionen der Kunst.
• Die Künstlerin gehört seit 2017 zum Künstlerkader der Gagosian Gallery, New York
.

Wir danken dem Studio Grosse, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: König Galerie, Berlin.
Privatsammlung (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Deutschland.

"I think color is of course the centre, the core of my thinking, my acting, my main material. It has also been the guideline throughout all the development that I have made as an artist."

Katharina Grosse in einem Interview mit Marc-Christoph Wagner für das Louisiana Museum in Humlebæk im August 2020.

Eine der großen Malerinnen unserer Zeit und aus der internationalen Kunstwelt nicht mehr wegzudenken ist Katharina Grosse. Geboren 1962 im idyllischen Freiburg im Breisgau sind Kunst und Kultur früh ein Bestandteil ihres Alltages. Ihre Mutter ist selbst Künstlerin, ihr Vater habilitierter Germanist und später Universitätsrektor. An den Kunstakademien in Düsseldorf und Münster studiert sie unter Norbert Tadeusz sowie Gotthard Graubner, beides Künstler die sich intensiv mit Farbe als Gegenstand ihrer Malerei auseinandersetzen. Auch Grosse propagiert die maximale Freiheit und Flexibilität von Farbe. Ihre expansive Malerei lässt sich mit vielem in Verbindung bringen, ob Graffitikunst, florentinische Fresken, amerikanische Farbfeldmalerei, deutscher Expressionismus, Neoreklamen, Land Art oder digitale Ästhetik. Doch lässt sich Grosse auf keine Festlegung ein und arbeitet frei von jeglichen Konventionen. Ob sie nur eine Leinwand oder einen ganzen Raum mit ihren Farbexplosionen bespielt, besprüht, ferner in Besitz nimmt, bleiben ihre Arbeiten losgelöst und vermitteln dieses Gefühl auch an die Betrachtenden. Eine so radikale und konsequente Weiterentwicklung des Projektes Malerei hat schon lange niemand mehr vorangetrieben. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass ihre Arbeiten in den weltweit größten Sammlungen vertreten sind, etwa im Centre Pompidou in Paris, im Museum of Modern Art in New York oder in der Staatsgalerie Stuttgart, um nur einige wenige zu nennen. Im Rahmen eines Beitrages zur 11. Biennale in Sydney findet 1998 eine mit Kompressor betriebene Spritzpistole Eingang in ihr Schaffen. Seitdem entstehen unterschiedlichste Arbeiten, die durch Illusion eine Veränderung der Wirklichkeit, der zwei- oder dreidimensionalen Welt bewirken. Steht man vor unserem Gemälde von 2010, variiert der Schimmer von Gold über Bronze hin zu Rosé, je nach Lichteinfall. Die Farbe fließt über die Leinwand hinweg und scheint über die Leinwandränder wie ein Gewässer hinauszudrängen. Scheinbar schwebend liegen darüber mit der Farbpistole fein gesprühte Farbnester auf. Meisterhaft entsteht hier ein Kontrast zwischen unterschiedlichen Farben sowie Farbtönen, verschiedenen Bildebenen und einer spannenden Haptik. Wie farbige Seifenblasen von einer körnigen Sandschicht umgeben rufen diese eine ganz besondere Ästhetik hervor. Es handelt sich um scheinbar ausgebrannte Fenster, die den Blick in eine neue Bildwelt zwischen Feuer und Wasser eröffnen. Voller Leichtigkeit ist diese Arbeit erneut eine gelungene Symbiose aus Technik, Struktur, verschiedenen Bildebenen und freien Assoziationsmöglichkeiten à la Katharina Grosse. [AW]



222
Katharina Grosse
Ohne Titel, 2010.
Acryl und Erde auf Leinwand
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 133.350

(inklusive Aufgeld)