Auktion: 554 / Modern Art Day Sale am 08.06.2024 in München Lot 123002001


123002001
Christian Rohlfs
Wald, Um 1903.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Wald. Um 1903.
Öl auf Leinwand.
75 x 90 cm (29,5 x 35,4 in).
Verso auf der Leinwand und dem Keilrahmen mehrfach von den Besitzern mit einer persönlichen Widmung aus dem Jahr 1943 bezeichnet.

• Großartige Wiederentdeckung eines Rohlfs-Gemäldes.
• Direkt vom Künstler erhalten, seitdem in Familienbesitz.
• Frühe, wunderbar dicht gesetzte, pointilistische Arbeit Christian Rohlfs.
• Lebendiges Zeugnis für den ungebrochenen Drang des Künstlers, sich und seiner Malerei neue Wege zu erobern.
• Werke dieser kurzen Schaffenszeit von 1902-1904 und in dieser Qualität sind von aller größter Seltenheit auf dem internationalen Auktionsmarkt
.

Mit einer schriftlichen Bestätigung des Christian Rohlfs Archiv am Osthaus Museum, Hagen, vom 5. Oktober 2023 (bei den Maßen die Höhe fälschlicherweise mit 45 cm angegeben). Die Arbeit wurde unter der Nummer CRA 264/23 ins Archiv aufgenommen.

PROVENIENZ: Sammlung Otto Stahl, Weimar (verso auf d. Keilrahmen m. schwer erkennbarem Stempel, vom Künstler direkt erhalten, seitdem in Familienbesitz).
Privatsammlung Baden-Württemberg.

Mit seinem gut sechs Jahrzehnte umspannenden Gesamtwerk zählt Christian Rohlfs zu den wichtigsten Protagonisten der modernen Kunst in Deutschland. Heute vor allem für sein expressionistisches Spätwerk geschätzt, gilt jedoch im Hinblick auf die künstlerische Entwicklung auch die experimentierfreudige Phase um die Jahrhundertwende als entscheidend. Sie zeichnet sich durch eine hohe Innovationskraft aus und legte den Grundstein für die Neuorientierung in den darauffolgenden Jahrzehnten. Schon Ende des 19. Jahrhunderts zeigt sich in Christian Rohlfs schrittweiser Befreiung vom Realismus und Naturalismus sowie in ersten neoimpressionistischen Versuchen der große Drang nach künstlerischer Weiterentwicklung. Eine Veränderung, die, historisch gesehen, ganz im Zeichen der gesellschafltichen Aufbruchsstimmung steht und sich an seine Akademiezeit in Weimar anschließt. Ausschlaggebend für die Findung neuer Ausdrucksformen war zu dieser Zeit mit Sicherheit auch seine Übersiedlung von Weimar nach Hagen im Jahr 1901. Durch Karl Ernst Osthaus, der 1902 das Folkwang Museum eröffnet, kommt er dort mit den neuesten zeitgenössischen Strömungen in Kontakt.

So entsteht zwischen 1902-1904 eine kleine Gruppe pointilistischer Gemälde, darunter auch der "Wald" aus der Zeit um 1903. Wie schon in früheren Phasen orientiert sich Christian Rohlfs dabei erneut an französischen Vorbildern. Bezüge zu Georges Seurat und Paul Signac sind unverkennbar. Dabei bleibt er der Materie, der Farbe und dem Bildgegenstand jedoch stärker verpflichtet als die Pariser Avantgarde. Aus dicht gesetzten Farbpunkten lässt er hier einen Waldausschnitt auf der Leinwand entstehen, der ganz ohne Horizont und Baumkronen den Blick auf das Innerste des Waldes konzentriert. Obwohl das Motiv deutlich erkennbar bleibt, scheint er sich ganz auf das Farbspiel zu fokusieren, auf die lebendigen Grüntöne der Blätter im Kontrast zu den Rot und Braun-Nuancen des Waldbdodens und der Stämme. Bis sich schließlich eine Balance einstellt zwischen der Klarheit des Motivs und der flirrenden Präsenz der Farbe. Motivisch orientiert sich Rohlfs dabei weiterhin an realen Ansichten aus Weimar, wo er sich im Sommer weiterhin aufhielt. Doch auch die Ruhr sowie das Volmetal bei Hagen dienten ihm als Vorlage für seine neuen, experimentierfreudigen Landschaften.

In den pointilistischen Arbeiten dieser Zeit zeigt sich beispielhaft, dass Christian Rohlfs auch im fortgeschrittenen Alter von über 50 Jahren seine künstlerischen Überzeugungen nach wie vor hinterfragte und auf die Probe stellte."Sein Werk beweist, dass Rohlfs ein Maler von hohem Rezeptionsvermögen und erstaunlicher Wandlungsfähigkeit war, stets bereit, mühsam Erworbenes aufzugeben, wenn ihn neue Möglichkeiten faszinierten." (Paul Vogt, Christian Rohlfs. Oeuvre-Katalog der Gemälde, Recklinghausen 1978, S. 12). So beschreibt Paul Vogt, Werkverzeichnisverfasser der Gemälde, die stilistische Entwicklung mit Blick auf das Gesamtwerk des Künstlers, das in den letzten Lebensjahrzehnten erneut eine radikale Stiländerung erfahren sollte. Seit der "Wald" vor mehr als einem halben Jahrhundert in Privatbesitz überging, ist er nun erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Ohne Frage eine großartige Wiederentdeckung eines Christian Rohlfs Gemäldes und gleichzeitig eine wiedererwachte Wertschätzung dieser wichtigen Werkphase des Künstlers auf seinem Weg zu den bahnbrechenden Stilbrüchen des Expressionismus. [AR]



123002001
Christian Rohlfs
Wald, Um 1903.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.