Auktion "Online Only", endet in: 11 Tagen Lot 122000544


122000544
Ernst Ludwig Kirchner
Taunuslandschaft, 1916.
Kohlezeichnung
Startpreis: € 4.000
Taunuslandschaft. 1916.
Kohlezeichnung.
Links unten signiert. Verso betitelt und mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) sowie der handschriftlichen Registriernummer "K Be / Aa 12". Auf Velin. 37,4 x 54 cm (14,7 x 21,2 in), blattgroß.

• Mit der dynamisch-energischen Strichführung ist die Zeichnung in den Berliner Schaffensjahren während des Ersten Weltkriegs verwurzelt.
• Im selben Jahr entstehen auch die motivisch eng verwandten Gemälde "Bahnhof in Königstein" (Gordon 469) und "Eisenbahn im Taunus" (Gordon 470, Pinakothek der Moderne, München).
• Im Winter 1915/16 verbringt der Künstler einige Wochen im Sanatorium Dr. Kohnstamm in Königstein im Taunus und kehrt im Frühjahr desselben Jahres noch einmal für einen Auftrag zur Ausgestaltung des Brunnenhauses zurück
.

Das vorliegende Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, verso mit dem handschriftlich nummerierten Nachlassstempel).
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel, Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 266, SHG-Nr. 386 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 344, SHG-Nr. 772 (m. Abb.).

Das vorliegende Werk entsteht im Winter 1915/1916 in Königstein, wo Ernst Ludwig Kirchner, traumatisiert durch seine Erlebnisse während des Ersten Weltkriegs, mehrere Wochen im Sanatorium Dr. Kohnstamm verbringt, um sein Nervenleiden behandeln zu lassen. Zwischen Dezember 1915 und Juli 1916 reist Kirchner drei Mal, für jeweils vier bis acht Wochen in das kleine Städtchen im Taunus. "Leise spürbar leiten die Arbeiten der Taunuszeit eine neue Stilphase in Kirchners Werk ein", schreibt Annemarie Dube-Heynig (zit. nach: E. L. Kirchner. Graphik, München 1961, S. 62). Die hier angebotene Arbeit weiß diese Veränderungen beispielhaft zu visualisieren. In zügiger, dynamischer Strichführung hält Kirchner Häuser, Bäume, Wolken und Berge des umliegenden Taunusgebirges fest und zeigt die den Berg hinaufführende Straße abstrahiert als flächigen, diagonal verlaufenden Balken. Die Horizontlinie von den Bergen ist weit nach oben geschoben. Das Motiv verarbeitet Kirchner zu dieser Zeit in Zeichnungen, Pastellen, Grafiken und Gemälden. So entsteht im selben Jahr auch das mit unserer Zeichnung verwandte Gemälde "Bahnhof in Königstein" (Gordon 469), mit einer wie in der hier angebotenen Zeichnung den Berg hinaufführenden breiten Straße, und auch "Eisenbahn im Taunus" (Pinakothek der Moderne, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München). [CH]

In guter Erhaltung. Insgesamt schwach gebräunt und leicht knittrig, im rechte Blattrand unregelmäßig. Vereinzelt etwas griffknickig sowie mit wenigen winzigen Braunfleckchen. Der untere äußerste untere Blattrand weist minimale, wohl atelierbedingte, bräunliche Verfärbung auf. [EH]
Nähere Informationen zum Zustand entnehmen Sie bitte der Großdarstellung / Abbildung Rückseite.