Auktion: 330 / Modern Art / Kunst nach 45/ Seitenwege am 05.12.2007 in München Lot 108

Wilhelm Morgner - Mann mit Karre


108
Wilhelm Morgner
Mann mit Karre, 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 187.200

(inkl. Käuferaufgeld)

Mann mit Karre. 1911.
Öl auf Leinwand.
Hs. Nachlassverzeichnis von Georg Tappert Nr. 100 (alte Nr. 76). Im linken Rand mittig monogrammiert und datiert. Verso von Georg Tappert signiert, datiert, betitelt und bezeichnet sowie mit der alten und neuen Nachlassnummer und den Maßangaben versehen. 114,6 x 134,4 cm ( 45,1 x 52,9 in).

Wir danken Herrn Walter Weihs, Wilhelm-Morgner-Archiv, Soest, für die wissenschaftliche Beratung. Das Werk ist in dem hs. Nachlassverzeichnis von Georg Tappert bzw. der Weiterführung durch Weihs unter der Nr. 100 registriert

PROVENIENZ: Galerie Flechtheim, Düsseldorf (verso mit dem Etikett, dort mit dem Stempel "Nachlaß Wilh. Morgner" und nochmals mit der neuen Nachlassnummer).
Sammlung Dr. Josef Esters, Emsdetten (in den 1950er Jahren erworben bei der Schwester des Künstlers).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

LITERATUR: Wilhelm Morgner (1891-1917). Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Ausst.Kat. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1991, S. 13, vgl. auch Kat.Nr. 41 und 49.

Wilhelm Morgner, in der westfälischen Kleinstadt Soest geboren, verliert schon früh seinen Vater und soll auf Wunsch der Mutter zunächst eine Laufbahn als Pfarrer einschlagen. Nach seinem Schulabschluss kann er seine eigenen Vorstellungen jedoch durchsetzen und besucht ab 1908 die private Malschule von Georg Tappert in Worpswede. In dieser frühen Schaffensphase reist Morgner häufiger nach Berlin, wo er in Kontakt mit zeitgenössischen Kunstströmungen, wie dem Pointillismus und dem Futurismus, kommt. Zudem lernt er die Werke van Goghs und des frühen Expressionismus kennen.

Zurück in Soest beginnt Morgner sich mehr und mehr vom Realismus zu lösen. Seine Darstellungen erfahren eine zunehmende Vereinfachung mit dem Ziel der Heroisierung und Monumentalisierung in der Art eines Ferdinand Hodler. Ein bevorzugtes Thema ist, wie auch bei anderen Künstlern dieser Zeit, die Darstellung von Landarbeitern. Morgner interessiert sich für die Dynamik der Bewegungen, die er in expressiv verdichtete Formen umsetzt. Kombiniert mit einem dynamischen, an van Gogh orientierten Farbauftrag, entwickelt Morgner seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil und leistet einen wichtigen Beitrag zur Kunst des deutschen Expressionismus. Der Maler strebt in seinen Kompositionen die Verschmelzung von Fläche, Raum und Körper zu einer Bildeinheit an. Unser Werk vermeidet jegliche Tiefenillusion, wobei die in parallelen Streifen aufgetragene Farbe die einzelnen Flächen modelliert. Die bildhafte Vereinfachung und die pulsierende Formgebung bewirken eine gesteigerte Bildenergie, die den besonderen Reiz unserer Arbeit ausmacht.

Morgners künstlerisches Œuvre findet schon früh positive Resonanz, 1911/13 nimmt er an den Berliner Ausstellungen der Neuen Sezession und der Juryfreien teil, 1912 an der Sonderbund-Ausstellung in Köln. 1913 wird der Künstler zum Militärdienst eingezogen und fällt 1917 bei Langemarck. Erst mit der Wiederentdeckung des Expressionismus in den 1950er Jahren erhält das Œuvre des Künstlers die Anerkennung, die ihm als einer der Besten seiner Zeit zusteht. [ME]

Zustand: In farbfrischer Erhaltung mit herrlich pastosem Farbauftrag. Gleichmäßig erscheinendes, den Gesamteindruck nicht beeinflussendes Craquelé. Am linken oberen Bildrand ca 3 cm langer Einriss, dieser fachmännisch restauriert und für das bloße Auge nicht wahrnehmbar. Am unteren linken Rand mit fachmännisch ausgeführter Retusche, diese nur unter UV-Licht erkennbar. Im Katalog nicht getreu der tatsächlichen Farbigkeit abgebildet, leuchtende, strahlende Farben.




108
Wilhelm Morgner
Mann mit Karre, 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 100.000
Ergebnis:
€ 187.200

(inkl. Käuferaufgeld)