Auktion: 361 / Kunst nach 45/ Zeitgenössische Kunst am 12.12.2009 in München Lot 369

Martin Kippenberger - Ohne Titel (Aus: Uno di voi, un Tedesco in Firenze)


369
Martin Kippenberger
Ohne Titel (Aus: Uno di voi, un Tedesco in Firenze), 1976.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 183.000

(inkl. Käuferaufgeld)

Öl auf Leinwand
60 x 50 cm (23,6 x 19,6 in)

PROVENIENZ: Privatsammlung Hamburg (Geschenk des Künstlers).

LITERATUR: Gisella Stelly, Ihr Kippy Kippenberger, Briefe - Bilder - Fotos - Film 1976-1978, Köln 2006, S. 145 (mit Abb.).
Vgl. Eva Meyer-Hermann/Susanne Neuburger (Hrsg.), Nach Kippenberger/After Kippenberger, Ausst.Kat. Museum Moderne Kunst Stiftung Ludwig, Wien/Van Abbe Museum, Eindhoven, 2003/2004, S. 30-35.

Martin Kippenberger zählt zu den vielseitigsten und produktivsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Mit überschäumender Energie erarbeitet er seit den 1970er Jahren bis zu seinem frühen Tod ein sehr umfangreiches Œuvre, das von Malerei, Grafik und Plastik über Installation und Happening bis hin zu Ausstellungsorganisation und Buchpublikation nahezu alle Möglichkeiten des Kunstschaffens ausschöpft. Dabei geht es ihm um die Hinterfragung von Gesellschaft, Kunstbetrieb und die Auslotung noch verbleibender Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst. In provozierend banalen oder spöttischen Bildfindungen, die bewusst auch Peinlichkeiten akzeptieren, in Nonsenstexten und mit beabsichtigtem Dilettantismus attackiert er die Kunstproduktion. Nicht selten überschreitet er dabei die Grenzen des guten Geschmacks.\tab
Martin Kippenberger wächst in einer sehr kunst- und kulturinteressierten Familie auf. Nach einer nicht sehr erfolgreichen Schullaufbahn und einer abgebrochenen Dekorateurlehre beginnt er 1972 das Studium der Freien Malerei an der Hamburger Kunstakademie.

Als Martin Kippenberger 1976 Hamburg verlässt, zieht es ihn nach Florenz mit dem eigentlichen Ziel, sich der Schauspielerei zu widmen. Statt dessen entsteht dort eine Serie von etwa 100 schwarz-weißen Gemälden mit dem Titel "Uno di voi, un Tedesco in Firenze", alle im Format 60 x 50 cm. Martin Kippenbergers konzeptuelles Ziel ist dabei, innerhalb dieser Serie so viele Bilder zu malen, dass sie übereinander gelegt seine Körpergröße von 189 cm erreichen. Inspiriert von Gerhard Richters Arbeiten in Schwarz-Weiß und dessen Fotomotivik, hält Kippenberger die Eindrücke der Stadt in fotografischen Momentaufnahmen fest - wie die berühmte Ponte vecchio, wiedergegeben in einem sich in Pinselstrichen auflösenden Farbrelief, dessen Klarheit und fotorealistische Tiefenwirkung sich erst aus einer gewissen Distanz herausformen.

1978 übersiedelt Kippenberger nach Berlin, wo er zusammen mit Gisela Capitain "Kippenbergers Büro" gründet und die Geschäftsführung des Clubs SO 36 übernimmt. In den 1980er Jahren entstehen Gemeinschaftsarbeiten mit Albert Oehlen, Werner Büttner und Georg Herold. 1990 tritt Kippenberger eine Gastprofessur an der Städelschule Frankfurt an und unterrichtet 1992 an der Gesamthochschule Kassel. Ein großes Projekt, das ihn neben unzähligen anderen bis zu seinem Tod beschäftigt, ist die Realisierung eines weltumfassenden U-Bahnnetzes, für das er 1993 einen Eingang in Syros (Griechenland), 1995 in Dawson City (Kanada) und 1997 einen dritten auf der Leipziger Messe errichtet, die im gleichen Jahr posthum nach seinen Konzepten durch einen Lüftungsschacht in Münster und einen portablen Eingang auf der dokumenta X in Kassel ergänzt werden. [SM].




369
Martin Kippenberger
Ohne Titel (Aus: Uno di voi, un Tedesco in Firenze), 1976.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 183.000

(inkl. Käuferaufgeld)