Auktion: 369 / Kunst nach 45/ Zeitgenössische Kunst am 12.06.2010 in München Lot 204

Fritz Koenig - Camargue XX/3


204
Fritz Koenig
Camargue XX/3, 1974.
Bronze
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 95.160

(inkl. Käuferaufgeld)

Bronze mit schwarz-brauner Patina
Clarenbach Sk 578. Auf der Unterseite mit dem Namenszug. 70 x 39,5 x 7 cm (27,5 x 15,5 x 2,7 in)

Wir danken Herrn Dr. Dietrich Clarenbach, Gauting, für die wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland.

Fritz Koenig wird 1924 in Würzburg geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit wird er als Soldat eingezogen und kämpft an der Ostfront in Russland. Schon in den frühen künstlerischen Arbeiten klingen Themen an, die im Verlauf des weiteren Schaffens immer wiederkehren: Angst, Verlust und Einsamkeit. Fritz Koenig studiert von 1946 bis 1952 an der Münchner Akademie bei Anton Hiller Bildhauerei, nur unterbrochen durch ein Frankreich-Stipendium im Jahr 1951. Kurzzeitig zweifelt Koenig, ob die Bildhauerei die geeignete künstlerische Ausdrucksform für ihn sei, doch Hiller bestärkt ihn auf seinem Weg. Ab den 1950er Jahren erhält Fritz Koenig Aufträge für Baureliefs, Brunnen, Grab- und Gedenksteine. Einige Themen werden immer wieder aufgegriffen, neu formuliert und gedeutet. Koenig versucht für klassische bildnerische Anliegen neue Formulierungen zu finden. So beschäftigt er sich - vorrangig in der Kleinplastik - mit dem bildhauerischen Problem, mehrfigurige Gruppen in einem Umriss zusammenzuziehen.

Nach Plastiken von ineinander verzahnten Reitern, die Mitte der 1950er Jahre entstehen, manifestiert sich der Wunsch Koenigs, Tierherden darzustellen. Im Jahr 1956 reist der Künstler in die Camargue und noch im selben Jahr entstehen die ersten gleichnamigen Plastiken. Die klar gegeneinander abgesetzten gleichförmigen Tierkörper formt er durch rhythmische Gliederung zu einem gestalthaften Ganzen. Das Thema der Rinderherde mit Reitern fasziniert den Künstler so, dass er die Gruppierung in immer neuen und vor allem immer großflächigeren Varianten modelliert. Der hier formulierte Typus der "Mengenplastik" wird zu einem Charakteristikum Koenigs, "das von Fachkritik und Publikum sogleich als solches erkannt und geschätzt wird. Die verschiedenen Varianten von [..] 'Camargue' geben einen Begriff davon, wie es gelingen kann, extreme Vielteiligkeit so zu zähmen, daß die Gesamtform weit mehr ist als die Summe der miniaturistisch-figurinenhaften Bestandteile." (Peter Anselm Riedl, Einführung, in: Clarenbach, S. 11).

1957 verbringt Koenig sechs Monate als Stipendiat der Villa Massimo in Rom; in der ewigen Stadt beeindruckt ihn besonders das Motiv der Quadriga. Es folgen internationale Erfolge, so die Teilnahme an der 29. Biennale in Venedig 1958 - Koenig erhält den Skulpturpreis des Internationalen Liturgischen Instituts Rom - und 1959 an der documenta II in Kassel. 1964 erfolgt Koenigs Berufung auf den Lehrstuhl für Plastisches Gestalten an der Architektur-Fakultät der Technischen Universität München. Im gleichen Jahr nimmt er an der documenta III in Kassel und der 32. Biennale in Venedig teil. 1967 bis 1971 arbeitet Koenig im Auftrag der Port Authority New York an der "Großen Kugelkaryatide" für die Brunnenanlage des World Trade Center in Manhattan. 1983 wird das Mahnmal der Bundesrepublik Deutschland im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen errichtet. Koenig erhält 1993 den Bayerischen Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft. Im selben Jahr übergeben Prof. Fritz und Maria Koenig ihren Besitz an die Stadt Landshut. Die Eröffnung des "Skulpturenmuseum im Hofberg" mit der Retrospektive "Fritz Koenig. Skulptur und Zeichnung 1942-1997" kann 1998 gefeiert werden. In Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk dreht der Regisseur Percy Adlon 2001 den Film "Koenigs Kugel. Der deutsche Bildhauer Fritz Koenig im Trümmerfeld von Ground Zero". [SM].




204
Fritz Koenig
Camargue XX/3, 1974.
Bronze
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 95.160

(inkl. Käuferaufgeld)