Auktion: 380 / Moderne Kunst am 04.06.2011 in München Lot 6

Otto Modersohn - Gewitterlandschaft (Nach dem Gewitter)


6
Otto Modersohn
Gewitterlandschaft (Nach dem Gewitter), 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. Käuferaufgeld)
Öl auf Leinwand
Rechts unten signiert. Auf dem Keilrahmen signiert und betitelt "Gewitterlandschaft" sowie "Vor dem Gewitter" und bezeichnet "Alter Hof". 59 x 81 cm (23,2 x 31,8 in)
Verso mit einer weiteren Arbeit in gleicher Technik, welche ein Bauerngehöft am See in der Abenddämmerung zeigt.

Wir danken Herrn Rainer Noeres, Otto Modersohn Museum, Fischerhude, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Niedersachsen.

AUSSTELLUNG: Kunstverein Hannover (auf dem Keilrahmen mit zwei Etiketten).

Nach dem Abitur geht Modersohn an die Akademie nach Düsseldorf, jedoch entsprechen die dort vertretenen Lehrmethoden nicht seinen Vorstellungen. Nach einem kurzen Aufenthalt in München hofft Otto Modersohn, an der Akademie in Karlsruhe künstlerische Vorbilder zu finden, jedoch wird er auch hier in seinen Erwartungen enttäuscht. Eine sommerliche Reise durch Norddeutschland zusammen mit Mackensen im Jahr 1888 hingegen beflügelt Modersohn zu einer Reihe kleiner Bilder, die einen ersten Höhepunkt seiner frühen Entwicklungsphase darstellt. Ein weiteres gemeinsames Reiseunterfangen der beiden nach Worpswede führt 1889 zu der übereinstimmenden Entscheidung, ganz in der Künstlerkolonie zu bleiben. Bei anfänglicher Gleichgesinntheit beginnt sich Modersohn allerdings allmählich von seinen Freunden abzugrenzen. "Stille, stille Größe ist so recht eigentlich mein Ziel", schreibt er und will lieber "Mit wenigem viel sagen [..]". 1895 gehen acht Arbeiten von ihm zur ersten Gemeinschaftsausstellung der Worpsweder an die Bremer Kunsthalle. Die Reaktion auf die Ausstellung ist geteilt, aber umso mehr wird die nachfolgende Beteiligung an der "Internationalen Glaspalastausstellung" in München besonders für Modersohn ein großer Erfolg. 1897 kommt Paula Becker, die Modersohn 1901 heiratet, zum ersten Mal nach Worpswede. Der Maler trägt sich inzwischen mit dem Gedanken, die Kolonie zu verlassen. Die folgende Zeit ist geprägt von zahlreichen Reisen und verschiedenen Aufenthalten in Deutschland und Frankreich, die Modersohn großenteils zusammen mit seiner Frau unternimmt. Erst im Frühjahr 1907 kehren die Modersohns endgültig nach Worpswede zurück, wo Paula im November nach der Geburt ihrer Tochter stirbt. Modersohn zieht nach Fischerhude, wo für ihn 1908 "eine neue Zeit anbricht". In ländlicher Umgebung widmet sich der Künstler dem Studium der Natur und hierher kehrt er auch nach erneuten Aufenthalten in Worpswede und Berlin im Jahr 1917 wieder zurück. "Vereinfachung, Zusammenfassung in Form und Farbe ist ein Hauptziel" seiner Kunst in den 1920er Jahren.

Aus Geld- und Materialnot übermalt Otto Modersohn in den späten 1920er Jahren zahlreiche Bilder seiner frühen Fischerhuder Jahre. Wie in der vorliegenden Arbeit nutzt er auch die Leinwandrückseiten verworfener Gemälde als Malfläche und überstreicht die ehemalige Vorderseite mit blauer Farbe, um die nun umseitige Komposition als verworfen zu kennzeichnen. Die vorliegende Gewitterlandschaft, welche durch ihr kontrastreiches Kolorit und die bewegte Landschaftsauffassung den Moment des plötzlichen Wetterumbruchs meisterlich einfängt, ist am Rande der Surheide zu verorten, ein Heide- und Waldgebiet nicht weit von Fischerhude gelegen, an dessen Rändern einige Gehöfte zu finden sind. Die Stimmungslandschaften dieser reifen Fischerhuder Jahre gehören neben den frühen Landschaften zu den gefragtesten Werken des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt. Bereits 1925 betont Emil Waldmann, der als damaliger Leiter der Kunsthalle Bremen ein Gemälde Modersohns für die Sammlung erwirbt: "Der einzige der alten Worpsweder, der sich konsequent im malerischen Sinne weiter entwickelte, ist Otto Modersohn. Sein Sinn für Farbe, vertiefte er und malt nun Bilder, die an gleichmäßig bewegtem Rhythmus der Farbe weit über seinen frühen Arbeiten stehen." (zit. nach: Otto Modersohn 1865-1943. Der Zeichner und Maler einer Landschaft vor dem Hintergrund seiner Zeit, Ausst.Kat. Worpsweder Kunsthalle Friedrich Netzel/Otto Modersohn-Nachlass-Museum Fischerhude 1977, S. 314).

In Holland und im Allgäu, wo er 1930 auch ein Haus erwirbt, findet Modersohn fortan wichtige Anregungen. Als der Maler 1936 die Sehkraft eines Auges verliert, stellt er die Aufenthalte im Allgäu ein und malt nur noch im Fischerhuder Atelier. Sieben Jahre später stirbt Otto Modersohn nach kurzer, überraschender Krankheit. [JS].




6
Otto Modersohn
Gewitterlandschaft (Nach dem Gewitter), 1930.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 31.720

(inkl. Käuferaufgeld)