Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 61


61
Georg Tappert
Hinter dem Vorhang (Grüne Chansonette), 1917.
Öl
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 85.400

(inkl. Käuferaufgeld)
Hinter dem Vorhang (Grüne Chansonette). Um 1917.
Öl auf Malpappe.
Wietek 207. 72 x 51,3 cm (28,3 x 20,1 in).

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: A Retrospective Exhibition of Paintings by Georg Tappert 1880 - 1957, Leonard Hutton Galleries, New York, 22.4.-16.5.1964.
Georg Tappert. Gemälde, Kunstamt Berlin Wedding, 27.9.-8.11.1973.
Georg Tappert - Das Vermächtnis, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Kloster Cismar, 11.6.-22.10.995, Kat.Nr. 36, mit Farbabb. S. 103.
Georg Tappert. Deutscher Expressionist, Schloss Cappenberg, Kreis Unna, 14.5.-20.8.2006, Beiheft mit Farbabb.

Georg Tapperts Weg in die bildende Kunst beginnt nach einer Schneiderlehre und zwei Berufsjahren, als ihm Max Liebermann, der Präsident der "Berliner Secession", bescheinigt, "daß in demselben Anlagen sind, die des Ausbildens werth wären". Mit diesem Empfehlungsschreiben geht der junge Tappert 1900 an die Karlsruher Akademie, 1903/04 arbeitet er als Assistent von Paul Schultze-Naumburg an dessen Kunstschule Burg Saaleck. In Weimar wird 1904 der "Deutsche Künstlerbund" gegründet, deren Mitglied auch Tappert wird. Seine frühen Einflüsse kommen von Gauguin, Cézanne und Munch. Bevor der Künstler 1906 nach Worpswede übersiedelt, hält er sich im Jahr 1905 als freier Maler und Grafiker in Berlin auf und zeigt seine Werke in einer ersten Einzelausstellung bei Paul Cassirer. In Worpswede, wo Tappert Paula Modersohn-Becker kennen lernt, gründet er 1907 eine private Kunstschule, deren bedeutendster Schüler Wilhelm Morgner wird. Die Ablehnung der Werke von 27 Künstlern für die 20. Ausstellung der Sezession - unter ihnen Georg Tappert - führt zur Gründung der "Neuen Sezession 1910" und ihrer ersten Ausstellung im Mai des selben Jahres. Nach dem Präsidenten, Max Pechstein, ist Tappert bis zur Auflösung 1914 der 1. Vorsitzende der Vereinigung. Zusammen mit Käthe Kollwitz u.a. ruft er 1911 die Berliner Ausstellung der "Juryfreien" ins Leben, und nimmt auch selber daran teil. Bis zur Einberufung in den Kriegsdienst 1915 ist er als Lehrer an der Königlichen Kunstschule und der Berlin-Wilmersdorfer Kunstgewerbeschule tätig.

Die Welt des Zirkus, des Varietés, aber auch der Bordelle und des großstädtischen Nachtlebens übten auf die Künstler der 1920er Jahre eine starke Anziehungskraft aus. Hier lagen jene Freiräume, die anderswo kaum angedacht wurden. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Maler des Impressionismus diese Themen für sich entdeckt und der Einfluss ihrer Malerei ist auch in diesem Werk nachvollziehbar. Doch Tappert steigert in seiner Sicht die optische Wirkung mittels einer kräftigen Palette, in der das grünblaue Inkarnat im bewussten Gegensatz zu dem grellen Rot der Lippen der Dargestellten steht. Diese Übersteigerung findet ihre Bestätigung in der groß ins Bild hereingenommenen Dreiviertelfigur der Dargestellten, die vor einem farblich stark belebten Hintergrund sich zu behaupten weiß. Tappert ist hier einer Malerei verpflichtet, die in der technischen Meisterschaft eingesetzter Mittel ihre Erfüllung findet.

Bedeutend für Tapperts Kunstschaffen nach dem Militärdienst im Jahr 1918 wird die Gründung der "Novembergruppe". Neue Formen einer volksnahen Kunst sind Ziele der Gruppe, die auch er verfolgt. 1919 nimmt der Künstler seine Lehrtätigkeit an der Staatlichen Kunstschule wieder auf, wo er im Alter von 41 Jahren zum Professor ernannt wird. Mit der Machtergreifung Hitlers beginnt für Georg Tappert eine Zeit der politischen Verfehmung. 1937 wird er aus seiner Lehrtätigkeit entlassen, weiteres künstlerisches Schaffen ist ihm untersagt, so dass sein Weg in die innere Emigration führt. 1945 widmet sich der 65-Jährige mit großem Einsatz dem Wiederaufbau der Hochschule für Kunsterziehung. Die eigene künstlerische Arbeit nimmt er nicht wieder auf, unterrichtet jedoch noch bis 1953. Am 17. November 1957 stirbt Georg Tappert in Berlin. [KD].




61
Georg Tappert
Hinter dem Vorhang (Grüne Chansonette), 1917.
Öl
Schätzung:
€ 60.000
Ergebnis:
€ 85.400

(inkl. Käuferaufgeld)