75
Gabriele Münter
Beim Kartenspielen, Um 1913/1917.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 219.300

(inklusive Aufgeld)
75
Gabriele Münter
Beim Kartenspielen, Um 1913/1917.
Öl auf Malpappe
Schätzung:
€ 150.000
Ergebnis:
€ 219.300

(inklusive Aufgeld)
 

Gabriele Münter
1877 - 1962

Beim Kartenspielen. Um 1913/1917.
Öl auf Malpappe.
Verso signiert. Verso zweifach mit dem Nachlassstempel sowie einem Aufkleber mit der gestempelten Nummer "1262". 38 x 44,7 cm (14,9 x 17,5 in).

• Ungemein modernes und farbintensives Gemälde aus Münters bester Schaffenszeit.
• Eines der seltenen mehrfigurigen Interieurs.
• 1909 bis 1914 verbringt Münter mit Kandinsky inspirierende und glückliche Jahre in ihrem "Russenhaus" in Murnau
.

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, vom 6. Oktober 2025. Das Werk wird in das von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung herausgegebene Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Nachlass der Künstlerin.
Privatsammlung Süddeutschland.

LITERATUR: Weltkunst, 15.11.1967, Nr. 22, Abb. S. 1185.
Adolf Weinmüller, München, 29.11.-1.12.1967, Katalog 118, Los 2230a (m. Abb. Tafel 118).

In der großen Retrospektive 2018 wurden Gabriele Münters Interieurszenen unter dem Titel „Gelebte Orte“ gesondert gewürdigt; zu dieser Werkgruppe zählt auch unser Bild "Beim Kartenspielen". Münter wählte derartige Situationen zumeist aus eigener Anschauung; die dargestellten Konstellationen sind daher als unmittelbar erfahrene soziale Räume zu lesen. Bekannt ist etwa das Gemälde "Erma Bossi und Wassily Kandinsky am Tisch", auf dem Münter nicht sich selbst, sondern die ihr Nahestehenden aus eigener scharfer Beobachtung darstellt. Als zeichnerische Chronistin gelingt es Münter, in klarer Komposition individuelle Typen unverwechselbar zu charakterisieren.
In der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung wird auch ein spätes Gemälde mit dem Titel "Würfelspieler" (1930, Inv. P 127) verwahrt; bereits 1917/18 veröffentlicht Der Sturm eine Zeichnung Münters mit kartenspielenden Personen, deren konkrete Identität jedoch nicht dokumentiert ist. Wer die Dargestellten auf dem vorliegenden Gemälde sind, kann ebenfalls nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden.

Zentral für das Verständnis der Rezeption Münters ist ihre Beziehung zu Herwarth und Nell Walden. Auf Vermittlung Wassily Kandinskys lernt Münter Herwarth Walden 1912 kennen; unmittelbar darauf beginnt eine produktive Kooperation, die Münters Ausstellungstätigkeit nachhaltig prägt. Münter entscheidet, sich nicht weiter von Hans Goltz vertreten zu lassen, und übergibt Herwarth Walden die Präsentation ihrer Arbeiten im Rahmen der Galerie "Der Sturm". 1913 ist sie auf dem "Ersten Deutschen Herbstsalon" mit sechs Gemälden prominent vertreten; in den Folgejahren publiziert "Der Sturm" Holzschnitte und Zeichnungen Münters und zeigt ihre Arbeiten in mehreren Ausstellungen. Walden hebt Münter als eigenständige Künstlerin aus dem Kontext des „Blauen Reiter“ heraus – 1914 widmet er ihr eine umfangreiche Retrospektive mit über fünfzig Gemälden; 1916 folgt eine gemeinsam konzipierte Ausstellung mit Kandinsky in Kristiania.

Die Verbindung zu den Waldens ist nicht ausschließlich beruflicher Natur: Nell Walden schildert Besuche in Murnau bei Kandinsky und Münter (Frühsommer 1914). Während Münters Aufenthalt in Skandinavien findet sie zeitweise Aufnahme bei Anna Roslund, Nells Schwester, die sie 1917 auch porträtiert. Die Kartenspieler könnten auf eine Zusammenkunft im Hause Walden oder einem der Besuche Münters bei dem Galeristen und seiner Frau Nell zurückgehen, oder es zeigt eine der letzten Zusammenkünfte am Kartentisch mit Kandinsky, der mit Kriegsbeginn 1914 Deutschland als russischer Staatsbürger verlassen musste. [EH]





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