Auktion: 604 / Rare Books am 18.05.2026 in Hamburg → Lot 425000761
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425000761
Christian Wolff
Eigh. Brief m. U., 1743.
Schätzpreis: € 1.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
425000761
Christian Wolff
Eigh. Brief m. U., 1743.
Schätzpreis: € 1.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Christian Wolff
Universalgelehrter und Philosoph, 1679-1754. Eigenhändiger Brief in lateinischer Sprache mit Unterschrift "Christianus Wolfius" und mit einer eigh. Federzeichnung. Halle, 18. August 1743. 4 S. (Doppelblatt). 23,5 : 18,5 cm.
Bedeutender wissenschaftlicher Brief an den berühmten Naturforscher de Réaumur. Seltenes Zeugnis von Wolffs experimenteller Naturphilosophie, die er mit seiner rationalistischen Metaphysik in Einklang zu bringen versucht. Mit Zeichnung einer Bologneser Flasche.
Er bedankt sich für den Bericht des Jahres 1740 der berühmten Akademie der Wissenschaften und kündigt die Bände II und IV seines Werkes über das Naturrecht an (Jus natura, methoda scientifica pertractum ). Er hofft, daß die unruhige Lage im Elsaß (Österreichischer Erbfolgekrieg) den Versand nicht verzögern wird und daß bald Frieden einkehrt, denn "inter arma enim silent Musae" (in Kriegszeiten schweigen die Musen). Band VII von Réaumurs Histoire des insectes ist bei ihm wohlbehalten angekommen.
Wolff kommentiert ausführlich die in Band VI behandelte Fortpflanzung durch Zweiteilung. Das war ein Problem für die damalige Philosophie: Wenn ein Lebewesen eine unteilbare Seele hat, wie können dann aus einem Teil zwei neue Lebewesen mit Seelen entstehen? Wolff antwortet mit seiner Theorie der Prästabilierten Harmonie nach Leibniz: Alles Organische ist schon im Kleinen (als "Tierchen", lat. animalculum) vorhanden. Die "Entwicklung" (Evolution) ist nur ein Sichtbarwerden dessen, was Gott am Anfang geschaffen hat.
Weiterhin beschreibt Wolff ein physikalisches Phänomen, das heute als Bologneser Flasche oder Prince Rupert's Drop bekannt ist. Das Glas ist extrem stabil gegen Schläge von außen, aber explodiert förmlich, wenn die innere Spannung durch einen winzigen Kratzer oder ein Steinchen im Inneren gestört wird. Wolff vermutet korrekt, daß dies mit der Resonanz (Schwingung) und der inneren Spannung durch schnelles Abkühlen zu tun hat. Seine Skizze zeigt eine solche Bologneser Flasche als birnenförmige Phiole, bei der Buchstaben auf die Erklärung im Text verweisen.
Am Kopf des Briefes eine handschriftliche Notiz von Réaumur: "a repondre pour l'Academie".
- ZUSTAND: Teils kleine Falz- oder Randrisse.
A rich and important scholarly letter to the renowned natural philosopher de Réaumur. A rare insight into Wolff’s experimental philosophy of nature, which he attempts to reconcile with his rationalist metaphysics. Includes a drawing of a Bolognese bottle. Autograph letter signed. 4 pp. (double leaf). 3,5 : 18,5 cm. - Partly small tears to folding or margin.
Universalgelehrter und Philosoph, 1679-1754. Eigenhändiger Brief in lateinischer Sprache mit Unterschrift "Christianus Wolfius" und mit einer eigh. Federzeichnung. Halle, 18. August 1743. 4 S. (Doppelblatt). 23,5 : 18,5 cm.
Bedeutender wissenschaftlicher Brief an den berühmten Naturforscher de Réaumur. Seltenes Zeugnis von Wolffs experimenteller Naturphilosophie, die er mit seiner rationalistischen Metaphysik in Einklang zu bringen versucht. Mit Zeichnung einer Bologneser Flasche.
Er bedankt sich für den Bericht des Jahres 1740 der berühmten Akademie der Wissenschaften und kündigt die Bände II und IV seines Werkes über das Naturrecht an (Jus natura, methoda scientifica pertractum ). Er hofft, daß die unruhige Lage im Elsaß (Österreichischer Erbfolgekrieg) den Versand nicht verzögern wird und daß bald Frieden einkehrt, denn "inter arma enim silent Musae" (in Kriegszeiten schweigen die Musen). Band VII von Réaumurs Histoire des insectes ist bei ihm wohlbehalten angekommen.
Wolff kommentiert ausführlich die in Band VI behandelte Fortpflanzung durch Zweiteilung. Das war ein Problem für die damalige Philosophie: Wenn ein Lebewesen eine unteilbare Seele hat, wie können dann aus einem Teil zwei neue Lebewesen mit Seelen entstehen? Wolff antwortet mit seiner Theorie der Prästabilierten Harmonie nach Leibniz: Alles Organische ist schon im Kleinen (als "Tierchen", lat. animalculum) vorhanden. Die "Entwicklung" (Evolution) ist nur ein Sichtbarwerden dessen, was Gott am Anfang geschaffen hat.
Weiterhin beschreibt Wolff ein physikalisches Phänomen, das heute als Bologneser Flasche oder Prince Rupert's Drop bekannt ist. Das Glas ist extrem stabil gegen Schläge von außen, aber explodiert förmlich, wenn die innere Spannung durch einen winzigen Kratzer oder ein Steinchen im Inneren gestört wird. Wolff vermutet korrekt, daß dies mit der Resonanz (Schwingung) und der inneren Spannung durch schnelles Abkühlen zu tun hat. Seine Skizze zeigt eine solche Bologneser Flasche als birnenförmige Phiole, bei der Buchstaben auf die Erklärung im Text verweisen.
Am Kopf des Briefes eine handschriftliche Notiz von Réaumur: "a repondre pour l'Academie".
- ZUSTAND: Teils kleine Falz- oder Randrisse.
A rich and important scholarly letter to the renowned natural philosopher de Réaumur. A rare insight into Wolff’s experimental philosophy of nature, which he attempts to reconcile with his rationalist metaphysics. Includes a drawing of a Bolognese bottle. Autograph letter signed. 4 pp. (double leaf). 3,5 : 18,5 cm. - Partly small tears to folding or margin.
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