Auktion: 604 / Rare Books am 18.05.2026 in Hamburg → Lot 425000773
425000773
Thomas Mann
Eigh. Brief m. U. an Ria Drevermann, 1952.
Schätzpreis: € 1.500
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
425000773
Thomas Mann
Eigh. Brief m. U. an Ria Drevermann, 1952.
Schätzpreis: € 1.500
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Thomas Mann
Schriftsteller, 1875-1955. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Thomas Mann". Pacific Palisades (Kalifornien), 20. Januar 1952. 3 1/2 Seiten. 21 : 14 cm. Mit eigh. adressiertem Umschlag.
Inhaltsreicher und bedeutender Brief. Über das Faustische im Felix Krull, die Absage an Deutschland und die Wahl der Schweiz als letzte Ruhestätte.
An die Frankfurter Journalistin und Freundin Ria Drevermann (1885-1967).Biographisch und literarhistorisch erstklassiges Dokument aus der letzten Zeit von Manns kalifornischem Exil. Der Brief ist von einer bemerkenswerten Offenheit und thematisiert das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Spätwerk und der schmerzhaften Distanz zur deutschen Heimat.
Thomas Mann berichtet ausführlich von der mühsamen Arbeit an der Fortsetzung der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull . Er habe sich damit doch wieder, entgegen seiner Absicht, nach dem Kraftakt des Doktor Faustus , einen Roman aufgehalst, "dessen Anforderungen an Laune und Erfindung wohl über meine Jahre gehen", und es sei eine Torheit, daraus "eine Wanderung vom Himmel durch die Welt zur Hölle" zu machen. Hochinteressant ist seine Selbstanalyse, daß er selbst bei einem eigentlich leichtfüßigen Stoff wie dem Krull seiner "verdammten Neigung" erliege, alles ins "Faustische" zu steigern - eine Tendenz, die er auch in Briefen an Theodor W. Adorno thematisierte.
Drevermann hatte offenbar versucht, den Nobelpreisträger zu einer Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Mann antwortet mit einer Mischung aus nostalgischer Rührung und politisch-persönlicher Beklemmung: ".. es ist traurig zu sagen, aber mir schaudert bei dem Gedanken, dort wieder zu leben." Er erteilt der Idee, in Deutschland ein kulturelles "Centrum" zu gründen, eine klare Absage. Stattdessen artikuliert er hier - Monate vor seinem tatsächlichen Umzug - den Plan, sich in der Schweiz niederzulassen. ".. Ich leugne es nicht: Je älter ich werde, desto mehr verstärkt sich in mir der beinahe ängstliche Zug zurück zur alten Erde, in der ich einst ruhen möchte - und nicht in dieser, die im Grunde doch nichts von mir weiss. Die alte Erde, das ist aber nicht Deutschland, es ist Europa selbst, und in engerem Sinne ist es für mich die Schweiz, wo ich die unvergesslichen ersten fünf Jahre nach der Vertreibung verbracht habe, gute Jahre, von denen mir eine unvertilgbare Dankbarkeit und Zuneigung zurück geblieben ist. Dort möchte ich wohl meine letzten Jahre verleben und dort einmal meinen Stein haben." - Nur ein halbes Jahr nach diesem Brief, im Juli 1952, verließ Thomas Mann die USA.
Ria Drevermann stand in regem Briefwechsel mit Thomas Mann; er schätzte sie als aufmerksame Leserin und Gesprächspartnerin. Daß er ihr gegenüber das Wort "schaudern" im Bezug auf Deutschland verwendet, unterstreicht das große Vertrauensverhältnis, da Mann in offiziellen Statements oft diplomatischer formulierte. Dieser Brief ist der Schlüsselmoment, in dem Mann das Kapitel "Deutschland" als Wohnort endgültig abschließt.
Profound and significant letter. On the Faustian elements in "Felix Krull", the rejection of Germany, and the choice of Switzerland as a final resting place. Autograph letter signed. 3 1/2 pp. 21 : 14 cm. With autograph envelope.
Schriftsteller, 1875-1955. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Thomas Mann". Pacific Palisades (Kalifornien), 20. Januar 1952. 3 1/2 Seiten. 21 : 14 cm. Mit eigh. adressiertem Umschlag.
Inhaltsreicher und bedeutender Brief. Über das Faustische im Felix Krull, die Absage an Deutschland und die Wahl der Schweiz als letzte Ruhestätte.
An die Frankfurter Journalistin und Freundin Ria Drevermann (1885-1967).Biographisch und literarhistorisch erstklassiges Dokument aus der letzten Zeit von Manns kalifornischem Exil. Der Brief ist von einer bemerkenswerten Offenheit und thematisiert das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Spätwerk und der schmerzhaften Distanz zur deutschen Heimat.
Thomas Mann berichtet ausführlich von der mühsamen Arbeit an der Fortsetzung der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull . Er habe sich damit doch wieder, entgegen seiner Absicht, nach dem Kraftakt des Doktor Faustus , einen Roman aufgehalst, "dessen Anforderungen an Laune und Erfindung wohl über meine Jahre gehen", und es sei eine Torheit, daraus "eine Wanderung vom Himmel durch die Welt zur Hölle" zu machen. Hochinteressant ist seine Selbstanalyse, daß er selbst bei einem eigentlich leichtfüßigen Stoff wie dem Krull seiner "verdammten Neigung" erliege, alles ins "Faustische" zu steigern - eine Tendenz, die er auch in Briefen an Theodor W. Adorno thematisierte.
Drevermann hatte offenbar versucht, den Nobelpreisträger zu einer Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Mann antwortet mit einer Mischung aus nostalgischer Rührung und politisch-persönlicher Beklemmung: ".. es ist traurig zu sagen, aber mir schaudert bei dem Gedanken, dort wieder zu leben." Er erteilt der Idee, in Deutschland ein kulturelles "Centrum" zu gründen, eine klare Absage. Stattdessen artikuliert er hier - Monate vor seinem tatsächlichen Umzug - den Plan, sich in der Schweiz niederzulassen. ".. Ich leugne es nicht: Je älter ich werde, desto mehr verstärkt sich in mir der beinahe ängstliche Zug zurück zur alten Erde, in der ich einst ruhen möchte - und nicht in dieser, die im Grunde doch nichts von mir weiss. Die alte Erde, das ist aber nicht Deutschland, es ist Europa selbst, und in engerem Sinne ist es für mich die Schweiz, wo ich die unvergesslichen ersten fünf Jahre nach der Vertreibung verbracht habe, gute Jahre, von denen mir eine unvertilgbare Dankbarkeit und Zuneigung zurück geblieben ist. Dort möchte ich wohl meine letzten Jahre verleben und dort einmal meinen Stein haben." - Nur ein halbes Jahr nach diesem Brief, im Juli 1952, verließ Thomas Mann die USA.
Ria Drevermann stand in regem Briefwechsel mit Thomas Mann; er schätzte sie als aufmerksame Leserin und Gesprächspartnerin. Daß er ihr gegenüber das Wort "schaudern" im Bezug auf Deutschland verwendet, unterstreicht das große Vertrauensverhältnis, da Mann in offiziellen Statements oft diplomatischer formulierte. Dieser Brief ist der Schlüsselmoment, in dem Mann das Kapitel "Deutschland" als Wohnort endgültig abschließt.
Profound and significant letter. On the Faustian elements in "Felix Krull", the rejection of Germany, and the choice of Switzerland as a final resting place. Autograph letter signed. 3 1/2 pp. 21 : 14 cm. With autograph envelope.
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