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125001522
Günther Uecker
Taktile Struktur Rotierend, 1961.
. Nägel, Aluminium und metallische Farbe über R...
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
125001522
Günther Uecker
Taktile Struktur Rotierend, 1961.
. Nägel, Aluminium und metallische Farbe über R...
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Günther Uecker
1930 - 2025

Taktile Struktur Rotierend. 1961.
Nägel, Aluminium und metallische Farbe über Rupfen auf Holz, drehbar.
Verso signiert, datiert und mit Richtungspfeil. 60 x 60 x 18 cm (23,6 x 23,6 x 7 in). [JS].

• Signuläre Arbeit in metallischem Grau aus der besten "ZERO"-Zeit.
• Die zweite, titelgleiche Arbeit "Taktile Struktur Rotierend" (1961) befindet sich heute in der Peggy Guggenheim Collection, Venedig.
• Licht, Bewegung, Raum: Fesselnde Inszenierung eines rotierenden, dreidimensionalen Wechselspieles aus Licht, Schatten und Form.
• 1961: Teilnahme Ueckers an der legendären Ausstellungsaktion "ZERO" in der berühmten Düsseldorfer Avantgarde-Galerie von Alfed Schmela.
• Radikaler Neuanfang der europäischen Avantgarde: 1962 ist Uecker zusammen mit Manzoni und Fontana Teilnehmer der legendären Ausstellung "Nul 62" im Stedelijk Museum, Amsterdam.
• Härte, Kraft und Poesie: Uecker verwandelt die Härte des Materials und die Wucht der Entstehung in eine Ästhetik voll sinnlicher Posie
.

Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.61.108 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Privatsammlung Düsseldorf (bis 2010)
Pivatsammlung Deutschland (bis 2012, Dorotheum).
Privatsammlung Baden-Baden (wohl vom Vorgenannten)
Privatsammlung Schweiz (seit 2016, vom Vorgenannten).

LITERATUR: vgl. Dieter Honisch, Uecker, Stuttgart 1983, WVZ-Nr. 254 (die titelgleiche Arbeit in der Guggenheim Collection, Venedig, https://www.guggenheim.org/artwork/5119).
Dorotheum, Zeitgenössische Kunst / Contemporary Art, Donnerstag, 29.11.2012, Kat.-Nr. 1407 (m. Abb.)
vgl. Angelica Zander Rudenstine, Peggy Guggenheim Collection, Venice, New York 1985, S. 727, Kat.-Nr. 173 (zur Arbeit in der Guggenheim Collection).

Mutig, radikal und revolutionär gehört Günther Uecker Anfang der 1960er Jahre neben Piero Manzoni und Lucio Fontana zu den Pionieren der europäischen Avantgarde. Es ist die avantgardistische Negation der Malerei, die Ueckers berühmte Nagelbilder mit den zeitgleichen Schöpfungen seiner europäischen Künstlerkollegen verbindet, die wie allem voran Fontana mit seinen berühmten Leinwanddurchstoßungen der "Concetti Spaziali" die Grenzen des klassischen Tafelbildes überwinden. Um 1956/57 hat Uecker seine reduzierte, neuartige und wegweisende Kunstvorstellung mit den folgenden Worten beschrieben, welche diese nahezu wie eine Art Weiterentwicklung von Fontanas frühen "Concetti Spaziali", den berühmten "Bucchi (= Löcher)" erscheinen lässt: "Wo sich zwei Linien berühren ist ein Punkt, dort schlage ich einen Nagel ein... den Punkt bestimme ich...der Schatten des Nagels stellt eine neue Linie dar....die Bewegung des Schattens wird zur Wahrnehmung von Zeit." 1961, im Entstehungsjahr der vorliegenden Arbeit tritt Uecker der avantgardistischen Künstlergruppe ZERO bei, die wenige Jahre zuvor von Otto Piene und Heinz Mack ins Leben gerufen worden war. Gemeinsam beschreiben diese jungen, progressiven Künstler ihren radikalen Neuanfang in ihrem 1963 verfassten "ZERO"-Manifest mit den folgenden Worten, die sich fast wie eine Beschreibung der vorliegenden Arbeit lesen: "Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich. Zero ist der Mond." Silbergrau, rund und rotierend zeichnet Ueckers "Taktile Struktur Rotierend" eine ganz besondere ästhetisch-reduzierte Aura aus, die bis heute den Betrachter fesselt. Einem fernen Planeten gleich scheint die monochrome aber durch das Spiel von Licht und Schatten verlebendigte Oberfläche der Nagelscheibe vor dem sich in geheimnisvoller Tiefe verlierenden, dunklen Fond zu schweben. Je nach Drehung, Fall und Schattenwurf der beweglich montierten und lang in den Raum ausgreifenden Nagelhälse lässt sie ein neues, und trotz all seiner Reduktion scheinbar endlos variierendes Bildererlebnis entstehen.
Historisch ist es die Zeit nach den unvorstellbaren Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der Moment, in dem Deutschland begonnen hatte, sich aus den Trümmern zu befreien und seiner historischen Schuld zu stellen. In diesem einschneidenden Moment propagiert diese junge deutsche, avantgardistische Künstlergruppe also auch ästhetisch einen radikal gereinigten, künstlerischen Neuanfang. Besonders Ueckers revolutionäres Schaffen setzt hier ein klares und bis heute unverwechselbares Zeichen: monochrom, dreidimensional und kraftvoll genagelt, bringt Uecker in seinen frühen, Anfang der 1960er Jahre entstehenden Nagelbildern ein vollkommen neuartiges Bilderlebnis hervor. Allein das Licht und der sich je nach Betrachterstandpunkt verlagernde Schattenwurf der Nagelhälse schafft ein interaktives ästhetisches Bilderlebnis, das von der Wand in den Raum ausgreift und dem auf diese Weise eine äußerst sinnliche Verbindung von Kunst und Raum gelingt. Eine künstlerische Intention, die zeitgleich in Europa von verschiedenen avantgardistischen Künstlern vorrangig in Deutschland, Italien und den Niederlanden verfolgt wird: Manzonis die Begrenzungen der Leinwand in den Raum weitende "Achromes" und Lucio Fontanas berühmte, die Leinwandfläche zerstörende "Concetti spaziali" gehören heute zu den wohl bekanntesten Positionen dieser ästhetisch reduzierten avantgardistischen Strömung. Auch sie sprengen – wie Ueckers berühmte Nagelbilder – die Grenzen des klassischen Tafelbildes auf und gehören heute zu den prominenten Negationen klassischer Malerei in der europäischen Nachkriegskunst. Uecker kommt frisch von der Düsseldorfer Akademie und ist um die Dreißig, als er seine ersten Nagelbilder und Nagelobjekte schafft, die von da an zum internationalen Markenzeichen seines Œuvres werden sollten. Unsere "Taktile Struktur Rotierend" ist nicht nur ein frühes sondern auch ein herausragendes Zeugnis dieses wegweisenden künstlerischen Schaffens. Mit der ebenfalls 1961 entstandenen, etwas kleineren Komposition "Taktile Struktur Rotierend", die sich herute in der Guggenheim Collection in Venedig befindet, ist lediglich eine weitere vergleichbare Arbeit dieses besonderen Bildtypus bekannt. Auch hier hat Uecker eine drehbare Scheibe mit frei beweglichen, langen Nagelhäsen vor einen rechteckigen Malgrund montiert. Neben der in Uecker Schaffen äußerst seltenen, sanft schimmernden Farbgebung in metallischem Silbergrau ist es auch die außergewöhnliche Montierung der Nägel, die diesen beiden Arbeiten eine herausragende Stellung in Ueckers Schaffen zuweist: Nicht die Nagelköpfe, sondern die pfeilartigen Spitzen der langen und frei beweglich montierten Nagelhälse ragen uns in diesen beiden singulären Nagelbildern entgegen. Ueckers Nägel wirken hier auf besondere Weise verlebendigt, fast wie ein dichtes Bündel Mikadostäbe, das mitten im Wurf festgehalten gerade dabei ist, sich vom seinem Zentrum aus auf der Fläche auszubreiten. Und doch ist es zugleich eine besonders stille, geradezu kosmisch-meditative Aura, welche diese beiden herausragenden Schöpfungen auf besondere Weise auszeichnet.
Ebenfalls 1961 ist Günther Uecker an der legendären Ausstellungsaktion "ZERO. Edition, Exposition, Demonstration" der berühmten Avantgarde-Galerie von Alfred Schmela in Düsseldorf beteiligt. Und bereits 1962, ein Jahr nach Entstehung der vorliegenden Arbeit, werden Ueckers Nagelbilder gemeinsam mit Arbeiten Fontanas und Manzonis in der den radikalen Neuanfang der europäischen Avantgarde gewidmeten Ausstellung "Nul 62" im Stedelijk Museum, Amsterdam, präsentiert. [JS]





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