126000174
Karl Schmidt-Rottluff
Julimond, 1956.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000174
Karl Schmidt-Rottluff
Julimond, 1956.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Karl Schmidt-Rottluff
1884 - 1976

Julimond. 1956.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen signiert, betitelt und mit der Werknummer "(5615)" sowie mit "gewachst" bezeichnet. 76,5 x 101,5 cm (30,1 x 39,9 in).


• Wiederentdeckung: Standort, Komposition und Farbgebung waren der Wissenschaft bisher nicht bekannt.
• Quintessenz des Expressionismus: Mit kraftvoller Farbigkeit, mutigen Kontrasten und vereinfachten Formen schafft Schmidt-Rottluff eine spannungsvolle Komposition von mystisch-rätselhafter Ausdruckskraft.
• Quelle der Inspiration: Ab den 1940er Jahren verbringt der Künstler die Sommermonate an der Lübecker Bucht an der Ostsee.
• Mit dem Motiv der vor der Sonne dunkel hervortretenden Bäume verwendet Schmidt-Rottluff ein Motiv aus der Hochzeit seiner expressiven Landschaftsmalerei und seines grafischen Kunstschaffens
.

Das Werk ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, dokumentiert.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).

Die Nachkriegsjahre stellen Karl Schmidt-Rottluff zunächst vor größere Herausforderungen. Im Herbst 1943 hatte ein Bombenangriff sein Atelier und seine Wohnung in Berlin zerstört. In einem Brief an den Künstler Curt Stoermer schreibt er im Jahr 1945: "Es verblieb nur ein unvorstellbares Chaos, das einigermaßen zu beseitigen die letzten Kräfte kostete. Wir gehörten zwar zu den Überlebenden, aber viel ist sonst nicht übrig." (zit. nach: Gunther Thiem (Hrsg.), Schmidt-Rottluff. Retrospektive, München 1989, S. 100) Gemeinsam mit seiner Frau Emy verbringt der Künstler deshalb einige Jahre in seinem Geburtsort Rottluff. Erst im Herbst 1946 kehrt er nach Berlin zurück, wo er eine Professur an der neu gegründeten Hochschule für Bildende Kunst antritt. Nach der einjährigen Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion, die motivisch zum Teil auch in den Arbeiten des Künstlers widerhallt, findet er in den 1950er Jahren zu seinem einstigen Lebensrhythmus zurück. Die Sommermonate verbringt Schmidt-Rottluff nun wieder an der Ostsee, mit Vorliebe an der Lübecker Bucht, und es beginnt die beeindruckende Werkreihe seiner späten Landschaftsbilder. Wie auch "Julimond" zeigen sie "Möglichkeiten der absoluten Verschmelzung von Linie und Form zu quasiabstrakten organischen Gebilden. [...] Es geht hier nicht allein um die Landschaftsdarstellung, sondern um die Organisation der Komposition aus Linien-Formen und Farbräumen." (Christiane Remm, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Die Berliner Jahre 1946-1976, Brücke-Museum, Berlin 2005/06, S. 27)

Motivisch an sein expressionistisches Schaffen der Vorkriegsjahre und der "Brücke"-Zeit anknüpfend, bringt Schmidt-Rottluff seine Farbpalette nun regelrecht zum Leuchten. "Immer wieder muß die Welt neu gesehen werden, neu gedeutet werden und jeder muß seinen Teil dazu beitragen – es ist also kein Anlass zum Aufgeben", erklärt der Künstler 1951 (zit. nach: ebd., S. 32). In ihrer Reinheit, Intensität und Strahlkraft stehen diese späten, kühnen Farbwelten im Vordergrund und bestimmen die gesamte Bildwirkung. Bäume und Büsche erscheinen im Gegenlicht als schwarze Silhouette und bilden das dunkle Gegengewicht zu dem kräftigen Kolorit der restlichen Darstellung.
"Die Basis seiner Malerei nach 1945 bilden die stilistischen Errungenschaften der 1930er Jahre, an die Schmidt-Rottluff nach dem Krieg anknüpfte und die er weiterentwickelte: die Farbzonenmalerei, die farbigen Konturverdoppelungen sowie das unwirklich-surreale (Mond)-Licht." (Zit. Magdalene Schlösser, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Landschaft Figur Stillleben, Brücke-Museum, Berlin 2014/15, S. 30) Daneben sind es die flächige Malweise und die geschwungenen Formen, die durch ihre Klarheit, einen stärkeren Grad an Abstraktion und die Verbindung einzelner prägnanter Gebilde mit großen, offen gehaltenen Flächen eine außergewöhnliche Modernität evozieren. Mit größtenteils kühlem, kraftvollem Kolorit und spannungsvollen Kalt-Warm- und Hell-Dunkel-Kontrasten, starken Konturen sowie der Gegenüberstellung von weichen, geschwungenen und kantig-spitzen Formen schafft Schmidt-Rottluff hier eine Stimmungslandschaft von mystisch-rätselhafter Ausdruckskraft, mit welcher der große Expressionist seine Position innerhalb der deutschen Nachkriegskunst behaupten kann. [CH]





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