126000243
Gerhard Richter
Grün-Blau-Rot, 1993.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000243
Gerhard Richter
Grün-Blau-Rot, 1993.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Gerhard Richter
1932

Grün-Blau-Rot. 1993.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert und bezeichnet "789-65". 29,8 x 40 cm (11,7 x 15,7 in).
Herausgegeben von der Kunstzeitschrift Parkett, Zürich (Edition des Heftes Nr. 35, März 1993).

• Unikat auf dem Höhepunkt der "Abstrakten Bilder".
• Mit seiner ikonischen Rakeltechnik lässt Richter seine leuchtende Farbpalette in gänzlich singulären und bewusst unvorhersehbaren Formationen erscheinen.
• "Grün-Blau-Rot" zählt zu den berühmtesten Werkreihen des Künstlers.
• Ein weiteres Gemälde dieser Werkfolge befindet sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art, New York.
• Zuletzt wurde Gerhard Richter mit einer umfassenden Retrospektiv-Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton, Paris (2025/2026) geehrt
.

PROVENIENZ: Galerie Schönewald, Düsseldorf (auf dem Rahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland (2015 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Silent & Violent. Selected Artists' Editions, MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, USA, 19.3.-31.8.1995.
Collaborations with Parkett. 1984 to Now, Museum of Modern Art, New York, 5.4.-5.6.2001.
Beautiful Productions. Parkett Editions since 1984, Irish Museum of Modern Art (IMMA), Dublin, 21.6.-28.10.2002.
Parkett. 20 Years of Artists' Collaborations, Kunsthaus Zürich, 26.11.2004-13.2.2005.
200 Artworks, 25 Years, Artists' Editions for Parkett, 21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa, Japan, 4.9.-26.9.2009, S. 338.

LITERATUR: Dietmar Elger, Gerhard Richter. Catalogue Raisonné 1988-1994, Vol. 4, Ostfildern 2015, Kat.-Nr. 789-65, S. 524/525 (mit Farbabb. S. 524, Installationsansicht).
Hubertus Butin, Gerhard Richter. Editionen 1965-2013, Köln 2014, WVZ-Nr. 81.
Benjamin H. D. Buchloh, Gerhard Richter, Werkübersicht/Catalogue raisonné 1962-1993, Band III, Stuttgart 1993, WVZ-Nr. 789/1-115.
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Parkett Kunstmagazin, Nr. 35, Kollaboration mit Gerhard Richter, Zürich/New York 1993 (m. Farbabb. S. 100).

"Abstrakte Bilder sind fiktive Modelle, weil sie eine Wirklichkeit veranschaulichen, die wir weder sehen noch beschreiben können, auf deren Existenz wir aber schliessen können. Die bezeichnen wir mit Negativbegriffen: das Nicht-Bekannte, Un-Begreifliche, Un-Endliche."

(Gerhard Richter, zit. nach: J. Harten, "The Romantic Intent for Abstraction" in: Gerhard Richter, Bilder 1962-1985, Köln 1986, S. 55/56)

"Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. Also, diese Arbeitsmethode mit Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung lässt zwar einen bestimmten Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild. Das jeweilige Bild soll sich also aus einer malerischen oder visuellen Logik entwickeln, sich wie zwangsläufig ergeben. […] Ich möchte ja gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann." So beschreibt Gerhard Richter 1990 seinen abstrakten Arbeitsprozess, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einem Jahrzehnt, seit seiner Etablierung im Jahr 1976, einen zentralen Bestandteil seines Œuvres bildet.

Übersiedlung und künstlerische Neuorientierung
1932 in Dresden geboren, zählt Gerhard Richter zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit. Seine Ausbildung erhält er zwischen 1951 und 1956 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Ein prägender Wendepunkt ergibt sich 1959 mit dem Besuch der documenta II in Kassel, wo die unmittelbare Begegnung mit der zeitgenössischen Kunst des Westens eine grundlegende Neuorientierung seines künstlerischen Denkens auslöst. In der Folge übersiedelt Richter in die Bundesrepublik Deutschland und setzt sein Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf fort. Dort entstehen entscheidende künstlerische Verbindungen zu Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner. Geprägt durch die Ausbildung im Spannungsfeld zwischen dem sozialistischen Realismus der DDR und dem experimentellen Klima des Westens entwickelt Richter eine künstlerische Praxis, die sich souverän zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Fotografie und Malerei sowie zwischen Kontrolle und Zufall bewegt. Spätestens zu Beginn der 1990er Jahre erlangt er nach Werkgruppen wie den "Kerzenbildern" (1982-1983) und dem Zyklus "18. Oktober 1977" (1988) internationale Anerkennung, ohne dabei seine kontinuierliche Befragung der Möglichkeiten und Grenzen der Malerei aufzugeben.

"Grün-Blau-Rot" – Jenseits bewusster Erfindung
Das 1993 entstandene Werk "Grün-Blau-Rot" gehört zu einer Werkreihe von Unikaten, die in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kunstzeitschrift Parkett konzipiert wurden. Obgleich als Edition angelegt, erweist sich jedes einzelne Werk als unverwechselbares Einzelstück und rückt damit Richters langjährige Auseinandersetzung mit Fragen der Reproduzierbarkeit und Autorschaft in den Mittelpunkt. Seit den 1960er Jahren verfolgt er diese Fragestellungen in Druckgrafiken, Fotografien und Künstlerbüchern, doch etabliert er hier ein produktives Paradox: eine Serialität ohne Wiederholung, eine Auflage, in der kein Werk dem anderen gleicht.
Der Titel ist von bewusst nüchterner Direktheit und benennt seriell die drei Farben in der Reihenfolge ihres Auftrags. Zunächst wird ein leuchtendes Neongrün aufgetragen, darauf folgt ein dunkles Blau, das über die Bildfläche gezogen wird, und schließlich ein strahlendes Rot. Dieser Vorgang erfolgt mittels der von Richter 1979 eingeführten Rakel, eines schmalen, flexiblen Werkzeugs, das es ihm ermöglicht, Farbschichten über den Bildträger zu ziehen, zu verdichten und zu verschieben. Die entstehende Oberfläche ist von Schlieren, Verwischungen und Verdichtungen geprägt, die jede Spur subjektiver Handschrift zugunsten einer zugleich mechanischen und hochsensiblen Eingriffssprache zurücktritt.

Trotz der scheinbaren Klarheit dieses Verfahrens bleibt das Ergebnis grundsätzlich unvorhersehbar. Komplexe Farbschleier stehen neben dichten Pigmentanhäufungen und erzeugen eine Bildstruktur, die zwischen Tiefe und Fläche oszilliert. Leuchtende Partien von Rot und Blau durchziehen in wellenartigen Bewegungen die grünen Tiefen und schaffen eine räumliche Ambivalenz, die sich einer eindeutigen Lesart entzieht. Der Zufall fungiert hierbei nicht als bloßes Ereignis, sondern als leitendes Prinzip, das es Richter erlaubt, vollständige Kontrolle aufzugeben und das Bild aus einer eigenen inneren Logik heraus entstehen zu lassen. Dies entspricht seinem Bestreben, zu einem Ergebnis jenseits bewusster Erfindung zu gelangen.

Zwischen Kontrolle und Zufall
Richters anhaltende Hinwendung zur Abstraktion erweist sich als konsequente Untersuchung der Grenzbereiche zwischen Darstellung und autonomer malerischer Form und reflektiert seine grundlegende Auseinandersetzung mit Wahrnehmung sowie mit den Bedingungen, unter denen Bilder entstehen und verstanden werden. Selbst in scheinbar gänzlich gegenstandslosen Arbeiten bleibt diese Fragestellung präsent, da der Betrachter mit Spannungen zwischen optischem Eindruck und materieller Faktur konfrontiert wird.

Diese kontinuierliche künstlerische Forschung erfährt auch institutionelle Würdigung, etwa in einer umfangreichen Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton in Paris, die bis März dieses Jahres lief und insgesamt 275 Werke aus über sechs Jahrzehnten vereinte. Sie führt die Konsequenz wie auch die Vielschichtigkeit seines Schaffens eindrücklich vor Augen. Von den unscharfen Fotobildern bis zu den weit ausgreifenden abstrakten Kompositionen prägt Richters Œuvre maßgeblich den Diskurs der zeitgenössischen Malerei.
In einer Phase künstlerischer Souveränität entstanden, bündelt "Grün-Blau-Rot" die zentralen Spannungsmomente seines Werks: Kontrolle und Zufall, Serialität und Einzigartigkeit, materieller Prozess und wahrnehmungsbezogene Ambiguität. In seinem vielschichtigen Aufbau und seiner instabilen räumlichen Logik eröffnet das Werk kein festgefügtes Bild, sondern ein offenes Erfahrungsfeld, in dem sich Bedeutung fortwährend bildet und wieder entzieht. [KA]





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