abbildung folgt


126000268
Richard Serra
No. 1, 1969.
Antimon-Blei, 3-teilig
Schätzpreis: € 600.000 - 800.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000268
Richard Serra
No. 1, 1969.
Antimon-Blei, 3-teilig
Schätzpreis: € 600.000 - 800.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Richard Serra
1939 - 2024

No. 1. 1969.
Antimon-Blei, 3-teilig.
Installationsmaß: 135 x 259 x 135 cm (53,1 x 101,9 x 53,1 in).
Die Ausführung von 1969 bestand aus Blei und wurde aus Gründen der Stabilität 1986 von Richard Serra und seinem Atelier durch eine Ausführung in Antimon-Blei ersetzt. Dieses Vorgehen ist bei den frühen Werken Serras ein allgemein übliches Vorgehen, vgl. unter anderem Richard Serras "One Ton Prop (House of Cards)" (1969 (neuausgeführt 1986), Museum of Modern Art, New York). Fast alle dieser frühen Werke wurden durch den Künstler in den 1980er Jahren aus konservatorischen Gründen durch eine härtere Ausführung in Antimon-Blei ersetzt. Im Fall von "No. 1" wurde im Zuge dessen die Stärke der Bleiplatten von 1,9 cm auf 2,5 cm und die Länge der Bleirolle im Sinne der Stabilität angepasst. [JS].

• "No. 1", 1969: eine der ersten, legendären "Prop-Sculptures".
• 1969 Teil der ersten amerikanischen Solo-Show des Künstlers im Warehouse der Castelli Gallery, New York.
• Fragile Ästhetik: perfekte Symbiose aus Balance und Schwerkraft.
• 1986 im Katalog der wichtigen Ausstellung "Richard Serra. Sculpture" im Museum of Modern Art, New York, publiziert.
• Rarität: Bisher wurden lediglich drei dieser bedeutenden frühen "Prop-Sculptures" auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice.com).
• Vergleichbare Arbeiten befinden sich heute zum Großteil in Museumsbesitz, u. a. im Museum of Modern Art, New York, der Tate Modern, London, dem Guggenheim Museum, New York
.

Die Reiners Stiftung GmbH widmet sich seit ihrer Gründung 1984 der Förderung der Museen Mönchengladbachs. Durch etliche Leihgaben, historische Forschung und großzügige Schenkungen leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Mönchengladbacher Kulturlandschaft. Der Erlös beider Lose (Polke und Serra) kommt der Reiners Stiftung zugute, um langfristig das soziale Engagement der Familie fortzuführen.

PROVENIENZ: Leo Castelli Gallery, New York (1969, direkt vom Künstler).
Galerie m, Bochum.
Reiners Stiftung, Mönchengladbach (vormals Schlafhorst-Stiftung, 1986 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Richard Serra, Leo Castelli Warehouse, New York, 16.12.1969-10.1.1970 (Ausstellungsansicht: https://www.castelligallery.com/exhibitions/richard-serra9?view=slider#2).
Richard Serra. Frühe Bleiskulpturen, Lithografien, Galerie m, Bochum, 16.12.-19.6.1986.
Richard Serra. Props, Films, Early Works, Jawlensky-Preis 2017, Museum Wiesbaden, 17.3.-18.6.2017.

LITERATUR: Richard Serra. Sculpture, The Museum of Modern Art, New York 1986, Kat.-Nr. 42, Abb. S. 82.
art. Kunstmagazin, 10. Oktober 1986 (m. Farbabb. S. 64).
Ernst Gerhard Güse (Hrsg.): Richard Serra, Stuttgart 1987, Kat.-Nr. 45 (m. Abb.).
Dierk Stemmler, Schwerpunkt: 50er Jahre bis zur Gegenwart. Das Städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach, in: Landschaftsverband Rheinland, Das Rheinische Landesmuseum Bonn, Berichte aus der Abtei des Museums, 6, 1987, Abb. S. 96.
art. Kunstmagazin, 10. Oktober 1987, S. 73 (m. Abb.).
Dierk Stemmler, Städtisches Museum Mönchengladbach, Berichte aus westdeuschen Museen, in: Wallfraf-Richartz-Jahrbuch, Bd. XLVIII/XLiX, Köln 1987/88, S. 542 (m. Abb.).
Kurzführer, Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 1988, Farbabb. S. 39.
Kunst der Gegenwart. 1960 bis Ende der 80er Jahre, Bestandskatalog Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach 1988, S. 282 (m. Abb. und Abb. S. 283).
Richard Serra, Props, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg 1994, Kat.-Nr. 149, S. 227 (m. Abb. S.119).
Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach. Ein kommentierter Bildband, Mönchengladbach 2001/02, S. 88 (m. Farbabb. S. 89).
Richard Stella, Early Work, David Zwirner, New York, Göttingen 2013, Abb. S. 161.
Kunst der Gegenwart. 1960 bis 2007, Bestandskatalog Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach 2007, S. 423 (m. Farbabb. S. 422).

"When something is truly balanced, it becomes weightless."
Richard Serra, 1983, Interview mit Peter Eisenman, zit. nach: Richard Serra. Writings/Interviews, S. 144.
"You can build a structure under compression that implies collapse and impermanence and yet in its mere existence denies this."
Richard Serra, 1983, Interview mit Peter Eisenman, zit. nach: Richard Serra. Writings/Interviews, S. 144.

Richard Serra – Erneuerer der Skulptur
Richard Serra, einer der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Minimal Art, ist gerade einmal 36 Jahre alt, als das Museum of Modern Art in New York bereits in den 1970er Jahren plant, seinem revolutionären skulpturalen Schaffen eine erste Einzelausstellung zu widmen. Über das heute international als epochales Werk gefeierte Schaffen hat William Rubin, der damalige Direktor der Abteilung Skulptur, festgehalten: "We felt that the pieces he had then been producing – most of them indoor and landscape-sited works – were of the highest order of creative energy and quality." Aus organisatorischen Gründen aber muss das Ausstellungsprojekt am MoMA mehrmals verschoben werden, bevor es schließlich 1986 in der ersten amerikanischen Retrospektive "Richard Serra. Sculpture" seine Umsetzung findet. Im begleitenden Ausstellungskatalog ist – neben der ebenfalls 1969 geschaffenen Arbeit "One Ton Prop (House of Cards)", die sich seither in der Sammlung des MoMA befindet – auch unsere Arbeit "No. 1" publiziert. Zudem ist "No. 1" auch Teil der ersten amerikanischen Solo-Show des Künstlers, die bereits 1969 von der Castelli Gallery in ihrem legendären New Yorker Warehouse veranstaltet wird und allein jenen monumentalen frühen, mehrteiligen Blei-Skulpturen gewidmet ist, mit denen Serra den Skulpturbegriff von 1969 an revolutionieren sollte. Gut zwanzig Jahre nach der ersten Einzelausstellung im MoMA widmet das Museum Richard Serras alle tradierten räumlichen Grenzen überwindendem Schaffen mit "Richard Serra Sculpture: Forty Years" 2007 eine weitere bedeutende Retrospektive, die Richard Serra erneut als spektakulären Erneuerer der Skulptur feiert.

Die frühe Werkgruppe der "Corner Props" – Fragile Ästhetik: perfekte Symbiose aus Balance und Schwerkraft
Prominenter Teil der ersten MoMA-Ausstellung im Jahr 1986 ist die für Serras Œuvre wegweisende Werkgruppe der "Props" ("Stützen"), die Ende der 1960er Jahre einsetzt und die Serras Werk bis in die 1980er Jahre maßgeblich prägen sollte. Auch unsere dreiteilige Arbeit mit dem Titel "No. 1" ist, wie u. a. auch "One Ton Prop (House of Cards)" (1969) aus der Sammlung des Museum of Modern Art, ein frühes Beispiel dieser revolutionären Werkgruppe, die sich heute zum Großteil in internationalem Museumsbesitz befindet. Gemeinsam ist den Skulpturen dieser Werkfolge eine fesselnde, fragile Ästhetik, die Serra aus Schwerkraft und Balance entwickelt und die den gewaltigen, aus massiven Bleiplatten bestehenden Schöpfungen trotz ihres enormen Gewichtes aufgrund dieses fein orchestrierten Spiels ihren besonderen Charakter von Fragilität und Vergänglichkeit verleiht. In zahlreichen Konstruktionszeichnungen entwickelt Serra jene ausgeklügelte Balance der allein durch Gewicht und Schwerkraft verbundenen Metallteile und wird damit zum Schöpfer einer radikal neuartigen skulpturalen Ästhetik und Konstruktionsform. Diese geht deutlich über Barnett Newmans berühmten "Broken Obelisk" hinaus, dessen Spitze noch durch einen innenliegenden Stahlkern fest mit dem Unterteil verbunden ist. Bei Newman ist es also nur der Anschein fragiler Balance, der in Serras berühmten "Props" zur faszinierenden Wirklichkeit wird. Richard Serra hat diese ephemer erscheinende Momenthaftigkeit einmal mit den folgenden Worten beschrieben: "When something is truly balanced, it becomes weightless." (R. S. 1983, zit. nach: Richard Serra. Writings/Interviews, S. 144). Die detailliert ausbalancierte Konstruktion lässt Serras riesige, tonnenschwere Arrangements durch die Inszenierung des Momentes der perfekten Balance auf einzigartige Weise schwerelos und zerbrechlich erscheinen. Und so überrascht es nicht, dass eine der damals im MoMA ausgestellten Arbeiten aus vier aneinandergelehnten Stahlplatten den jenes anscheinende Paradoxon pointiert thematisierenden Titel "One Ton Prop (House of Cards)" (1969/1986, Museum of Modern Art, New York) trägt. Serras Faszination gilt fortan der Erschaffung einer Ästhetik, bei der – wie bei unserer frühen "Prop-Sculpture" "No. 1" – immer auch der Kollaps und die Vergänglichkeit mitschwingen. Diesen impliziten Widerspruch fast Serra mit den folgenden Worten zusammen: "You can build a structure under compression that implies collapse and impermanence and yet in its mere existence denies this." (R. S. 1983, zit. nach: Richard Serra. Writings/Interviews, S. 144). Serras "Prop-Sculptures" stehen nicht auf einem Sockel, für sie ist die freie Interaktion mit dem Raum essenziell, und diese Entgrenztheit ist es auch, die beim Umschreiten unweigerlich das Gefühl erwachsen lässt, dass sie wie ein Kartenhaus plötzlich aus dem Gleichgewicht geraten und mit einem lauten Knall zu Boden stürzen könnten.

Serra und die Entdeckung des Raums – "No. 1" und Malewitschs "Schwarzes Quadrat"
Serra beginnt, ausgehend von seinen Schöpfungen der 1960er Jahre, den Begriff der Skulptur neu zu definieren, seine Arbeiten sind nicht nur allansichtig konzipiert, sondern müssen im Raum erlebt, umschritten und – wie in den neueren, raumfüllend angelegten Stahlskulpturen – sogar raumgreifend durchschritten werden. Formal ist Serras Œuvre der amerikanischen Minimal Art zuzuordnen. Stets auf dem Kontrast aus der dunklen Farbigkeit des Metalls und dem Weiß des Raumes basierend, ist neben der formalen Reduktion auf die geometrischen Grundformen auch die farbliche Reduktion fortan charakteristisch für Serras Werk. Sein skulpturales Œuvre führt die Prinzipien des Konstruktivismus und Suprematismus, allen voran die Monochromie und ausgeklügelte Balance von Kasimir Malewitschs Kompositionen in die Dreidimensionalität und Monumentalität. Gemeinsam ist beiden Künstlern die aktive Einbeziehung des Raumes als kompositorischen Bestandteil der Kunst, ein Prinzip, das Malewitschs Schaffen gerade für die Kunst der amerikanischen Minimal Art so bedeutungsvoll macht.
Serras legendäre "Prop-Sculptures" erscheinen wie eine Hommage an Malewitschs berühmtes Gemälde "Schwarzes Quadrat" (1915, erste Version), das als Schlüsselwerk der Moderne gilt. So wie Malewitsch mit dem "Schwarzen Quadrat" die Malerei vom "Balast der Gegenständlichkeit" zu befreien versucht, strebt Serra danach, alle räumlichen Fesseln der Skulptur niederzukämpfen.

Serras skulpturales Schaffen – Monumentalität und Aura
Es ist keine Monumentalität, die bedrückt, sondern Geist und Sinne in einem geradezu meditativen Akt des Betrachtens und Begreifens entgrenzt und entschleunigt. Serras Skulpturen und ihre Interaktion müssen mit dem Raum in einem Akt tiefer Konzentration umgangen und begriffen werden. Serra lässt uns seit den späten 1960er Jahren um überdimensionierte Blei- und Stahlformationen wandern, sein meisterhaftes Spiel mit der Balance aus Leichtigkeit und Schwere erkunden sowie wechselvolle Bezüge und Spannungen im Raum entdecken, die es in einem kontemplativen Akt zu durchschreiten und mit dem ganzen Körper zu erleben gilt. Es überrascht nicht, dass eine der letzten, 2021/22 in der Gagosian Gallery ausgestellten Mega-Schöpfungen Serras den Titel "Transmitter" (2020, Gagosian Gallery, New York) trägt. 4 Meter hoch, 17 Meter breit und 18 Meter lang ist das aus langen, sanft geschwungenen Stahlplatten konzipierte Gebilde, das labyrinthartig in den Raum ausgreift, unsere etablierten Sehgewohnheiten und die Grenzen unseres sinnlichen Wahrnehmungsvermögens herausfordert. "Transmitter" belegt einmal mehr, wie einzigartig die Aura von Serras skulpturalem Schaffen ist. Sie entzieht sich jeder Reproduzierbarkeit und kann nur vor und mit dem Original erfahren werden. [JS]





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