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126000468
Georg Baselitz
Adler, 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, tei...
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000468
Georg Baselitz
Adler, 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, tei...
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Georg Baselitz
1938

Adler. 1977.
Künstlerbuch mit 87 Aquarellen mit Gouache, teils mit blauem Filzstift aktzentuiert, auf den typographisch bedruckten Seiten des Auktionskataloges "Dokumentations-Bibliothek VI" von Kornfeld und Klippstein aus dem Jahr 1977, mit bemaltem Einband und Titelblatt.
Der bemalte Einband mit dem geritzten Titel "Adler". Im Original-Verdandkarton mit den handschriftlichen Adressangaben des Künstlers "Baselitz / Schloss Derneburg / 3201 Derneburg". Unikat. Das gebundene Künstlerbuch: 27,5 x 19,5 x 1,7 cm (10,8 x 7,6 x 0,6 in).
[JS].

• Charakteristisch & singulär: "Adler" (1977) - ein einzigartiges künstlerisches Kompenium.
• Fast 100 Adler "auf dem Kopf": umfassende und qualitativ herausragende Serie zu Baselitz` zentralem Bildmotiv der 1970er Jahre.
• Faszination "Adler": persönlich und symbolich aufgeladen von der Antike bis zum heraldischen Symbol für Westdeutschland, wo Baselitz 1958 aus der DDR kommend seine künstleische Zukunft sucht.
• Radikal & revolutionär: Baselitz` "Adler" eingereiht in die Tradition der großen Meister der europäischen Avantgarde.
• Beste Provenienz: Geschenk des Künstlers an den wichtigen Baselitz-Sammler und Förderer der internationalen Nachriegskunst Helmut Anton Krätz.
• Lange gehütetes Geheimnis: seit Entstehung im Besitz der Sammler-Familie und nun erstmals öffentlich zu sehen
.

PROVENIENZ: Sammlung Helmut Anton Krätz, Buchschlag / Frankfurt a. M. (1977 direkt vom Künstler als Geschenk erhalten).
Seither in Familienbesitz.

"Einige Motive und darunter auch gerade solche, die einen Bezug zur deutschen Geschichte herstellen, sind so stark mit bestimmten Bedeutungen verbunden, dass sich die Verknüpfung von Bezeichnendem und Bezeichnetem nicht auflösen lässt: >Ein Adler ist ein Vogel wie eine Schwalbe<, stellt Baselitz 1983 fest. >Aber natürlich ist die Bedeutung nicht von ungefähr anders. Diese bestimmte Bedeutung haben wir dem Adler nicht gegeben. Die hatte er schon. Er ist Träger solcher Bedeutung. Nur, wie man sie benutzt, wie man mit solchen Dingen umgeht, das ist dann interessant. Und ob man sie überhaupt benutzt.<"
Cathrin Klingsöhr-Leroy, Franz Marc und Georg Baselitz. Vom Motiv zum Ornament, in: Georg Baselitz. Tierstücke: Nicht aus dieser Welt, München 2014, S. 16-17.
"Diese Vögel haben eine ausgeprägte Persönlichkeit, als Vehikel kann man ihnen schon einen Symbolwert aufladen - eher Prometheus, die Akte mit dem Flügel, dem Dreieck zwischen Arm und Rumpf."
Georg Baselitz im Gespräch mit Evelyn Weiss, in: Georg Baselitz, Gesammelte Schriften und Interviews, München 2011, S. 32.

Fast 100 Adler: Ein singuläres Kompendium
Der Adler ist das Bildmotiv, mit dem Georg Baselitz die Kunstwelt verändert hat. Seit den frühen 1970er Jahren ist er das zentrale Zeichen seines Œuvres – archaisch, souverän, unverwechselbar. In leuchtendem Kobaltblau, in kühnem Pinselduktus, mit jener Mischung aus Urgewalt und malerischer Freiheit, die Baselitz' Adler von jedem anderen Bildzeichen der Nachkriegskunst unterscheidet. Ikonografisch aufgeladen, verdichtet sich im "Adler" eine komplexe Symbolwelt, die von der Antike bis in die Gegenwart reicht, von der im Barock vielfach dargestellten dramatischen Geschichte von Prometheus bis hin in die politische Gegenwart mit dem Adler als deutschem Wappentier. Ein Symbolgehalt, der gewiss auch biografisch für Baselitz nicht zu unterschätzen ist; noch als Student verlässt er Ende der 1950er Jahre die DDR, um seinen künstlerischen Weg in Westdeutschland fortzusetzen. Werke aus der Adler-Werkreihe gehören heute zu den teuersten und gefragtesten Positionen des Künstlers. Einzelne Aquarelle dieser Werkgruppe erzielen hohe fünfstellige Beträge, großformatige Adler-Gemälde wechseln für mehrere Millionen Euro die Hand.
Was 1977 entstand, war nochmal etwas anderes – und etwas Größeres. Nicht ein Aquarell. Nicht eine Handvoll. Fast 100 Aquarelle auf einmal, entstanden in einem einzigen konzertierten künstlerischen Akt, eine geschlossene Serie, ein sich motivisch von Blatt zu Blatt fortentwickelnder kreativer Prozess, der sich in seiner Gesamtheit zu einem einzigartigen künstlerischen Gesamtkunstwerk verbindet: fast 100 Adler-Blätter, jedes davon ein spontan und meisterlich ausgeführtes Original, teils in leuchtend blauer Aquarellfarbe, teils zweifarbig und teils zusätzlich mit blauem Filzstift akzentuiert, jedes einzigartig und von herausragender Qualität. Allesamt entstammen sie der Hochphase von Baselitz' internationalem Durchbruch und sind von einer bestechenden zeichnerischen Spontanität und Unmittelbarkeit, wie sie nur in diesem einen, singulären Moment möglich gewesen ist. Ein solches Kompendium – in Qualität, Zahl und konzeptueller Geschlossenheit – existiert in Baselitz' Œuvre gewiss kein zweites Mal.

"Adler" über Kopf: Baselitz' künstlerisches Markenzeichen über Expressionismus, Dada und Konstruktivismus
Aber nicht nur die Zahl macht dieses Konvolut außergewöhnlich. Es ist der Träger, auf dem Baselitz gemalt hat. Kornfeld & Klipstein bot 1977 zum sechsten und letzten Mal seine legendäre "Dokumentationsbibliothek zur Kunst des 20. Jahrhunderts" zur Versteigerung an – eine Auktionsreihe, die seit 1957 als Pionierleistung der Avantgarde-Bibliografie galt und von Hans Bolliger, dem führenden Kenner der Materie, wissenschaftlich erarbeitet wurde. Vorgängerauktionen dieser Reihe enthielten unter anderem Teile der Bibliothek des dadaistischen Rebellen Tristan Tzara. Der 1977er Katalog ist der umfangreichen Kunstbibliothek von Helmut Anton Krätz gewidmet, die mit viel Kennerschaft und Begeisterung für die zentralen Positionen wie auch revolutionären Strömungen der Moderne zusammengetragen wurde und hochrangige illustrierte Bücher des Surrealismus, des Dadaismus und der europäischen Avantgarde umfasste: Erstausgaben und bibliophile Raritäten mit Texten und Grafiken von Wassily Kandinskys berühmtem "Almanach des Blauen Reiter" (1912) über bedeutende Publikationen des Futurismus, des Dadaimus und des Konstruktivismus. Dieser Katalog vereint als eine Art enzyklopädische Gesamtschau das gesammelte Wissen über die europäische Avantgarde und die bedeutendsten künstlerischen Bestrebungen der ersten Jahrhunderthälfte. Auf jeder dieser Seiten erscheint nun Baselitz’ Adler: "Adler über Duchamp", "Adler über Kandinsky", "Adler über Kirchner". Baselitz' Adler-Zeichen, das die Nachkriegskunst prägte, tritt auf diese Weise in den Dialog mit den großen Meistern der europäischen Avantgarde. Jede Seite hat durch den gedruckten Text darunter ihren ganz eigenen Klang, gemeinsam ist ihnen jedoch die kunsthistorische Dimension, die Baselitz' auf diese Weise auch hier klar als die alles entscheidende Basis seines eigenen, kunsthistorisch heute ebenso bedeutenden Schaffens zu definieren weiß. Ohne all diese radikalen und mutigen Positionen der Moderne wäre Baselitz' freie, alle Konventionen "auf den Kopf" stellende Malerei nicht möglich gewesen. "Adler" ist somit nicht allein als hoch persönliche Huldigung seines äußerst kennerschaftlichen Förderers und Sammlers Helmut Anton Krätz zu verstehen, der unter anderem mit zahlreichen Werken von Baselitz bis zu seinem Tod eine beeindruckende Sammlung zentraler Positionen zeitgenössischer Kunst zusammengetragen hat, sondern auch als eine Hommage an die Urväter der Moderne, an jede radikalen und unangepassten Neuerer, unverwechselbare Künstlerpersönlichkeiten, die Baselitz als die alles entscheidende Basis seines eigenen revolutionären Schaffens begreift.


Baselitz und die Sammlung Krätz: Für wen malte Baselitz fast 100 Adler?
Helmut Anton Krätz gehörte in den 1960er und 1970er Jahren zu den bedeutendsten und weitsichtigsten Sammlern zeitgenössischer Kunst. Er erkannte früh, was andere noch nicht sahen. In einer Zeit, in der Baselitz, Richter und Polke noch kaum auf dem internationalen Radar waren, erwarb Krätz ihre Hauptwerke. Die Sotheby’s-Kataloge für die Verkaufsauktionen der Sammlung 1991 und 1999 in New York lesen sich wie ein "Who's who" der Nachkriegskunst: Gerhard Richters "Mustang-Staffel" (1964) – heute in der Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden, Baselitz' "Ludwig Richter auf dem Weg zur Arbeit" (1965) – heute im San Francisco Museum of Modern Art, daneben bedeutende Werke von Sigmar Polke, A. R. Penck, Blinky Palermo, Joseph Beuys, Dan Flavin, Sol LeWitt, Andy Warhol und Joseph Kosuth. Krätz war nicht nur Sammler – er war ein enger Vertrauter und interessierter Förderer vieler Künstler. Zu Baselitz pflegte er eine enge persönliche Beziehung; 1975 mietete die Familie Krätz sogar eine Wohnung in Baselitz' Schloss Derneburg an, das heute wiederum die international renommierte Hall Art Foundation beherbergt. Der plötzliche Tod von Krätz im Jahr 1978, im Alter von erst 47 Jahren, ein Jahr nach Entstehung des vorliegenden Werkes, setzte dieser intensiven Freundschaft ein plötzliches Ende. Doch er hinterließ eine der wichtigsten Baselitz-Sammlungen, die je zusammengetragen wurden.
Das faszinierende Aquarell-Kompendium "Adler" steht in diesem einzigartigen Kontext: Baselitz aquarellierte fast 100 Seiten des Auktionskataloges, welcher der herausragenden Kunstbibliothek seines engen Freundes und Sammlers gewidmet war und auf diese Weise als ein fesselndes Zeugnis seiner außerordentlichen Liebe zur Kunst und seiner intensiven Kennerschaft fungiert. Er übersandte das Buch persönlich an Krätz. Das Cover bemalte er deckend mit Gouache und ritzte in die noch nasse Farbe das Wort "Adler" – Titel und Signatur zugleich. Die Originalversandverpackung ist vollständig erhalten und mit handschriftlichen Angaben von Baselitz selbst versehen, sie bezeugt noch heute die Unmittelbarkeit dieser Geste. Es wurde daraus ein herausragendes und einzigartiges Kunstobjekt, das malerisches Zeichen und Schrift, Tradition und Moderne, Kunstgeschichte und kreativen Schöpfungsakt mit einer herausragenden Provenienz und persönlicher Geschichte vereint. Ein solches künstlerisches Gesamtkunstwerk gilt als absolute Rarität in Baselitz' Œuvre.

Lückenlos. Vom Atelier bis heute
Seit seiner Entstehung im Jahr 1977 befand sich das qualitativ herausragende Kompendium "Adler" zunächst im persönlichen Besitz von Helmut Anton Krätz und ging nach seinem Tod in Familienbesitz über. Auch als Teile der übrigen Sammlung 1991 und erneut 1999 bei Sotheby's in New York versteigert wurden und spektakuläre Ergebnisse erzielten, verblieb das die Kennerschaft des Sammlers mit der Meisterschaft des Künstlerfreundes verknüpfende Aquarellbuch "Adler" weiterhin in der Familie – zu persönlich, zu einzigartig, um es loszulassen. Fast fünfzig Jahre nach seiner Entstehung ist dieses fesselnde Gesamtkunstwerk nun im Rahmen unserer großen Jubiläumsauktion erstmals wieder öffentlich zu sehen.





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