Auktion: 611 / Day Sale am 05.12.2026 in München → Lot 119000484
119000484
Ernst Ludwig Kirchner
Picknick der Badenden, 1909.
Farblithografie. Farbiger Druck vom selben Stei...
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
119000484
Ernst Ludwig Kirchner
Picknick der Badenden, 1909.
Farblithografie. Farbiger Druck vom selben Stei...
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938
Picknick der Badenden. 1909.
Farblithografie. Farbiger Druck vom selben Stein in vier Arbeitsgängen in Violett, Gelb, Grün und Blau (zusammen in einem Arbeitsgang) und Orange.
Signiert und bezeichnet "Handdruck". Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "L 133 III". Eines von nur sieben bekannten Exemplaren. 51,5 x 59,2 cm (20,2 x 23,3 in). Papier: 54,6 x 64,3 cm (21,5 x 25,3 in).
[CH].
• Handdruck des Künstlers.
• Eine der äußerst seltenen farbigen Druckgrafiken Kirchners im großen Format.
• Zwei der sechs weiteren bekannten Exemplare befinden sich in Museumsbesitz: Brooklyn Museum of Art, Brooklyn/NY, und Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf.
• Das in den letzten 30 Jahren einzige auf dem internationalen Auktionsmarkt angebotene Exemplar dieser Druckgrafik (Quelle: artprice.com).
• Reduzierte, flächig angelegte und expressive Formen: Um 1909 entwickelt Kirchner, u. a. beeinflusst von Henri Matisse, eine radikale und kraftvolle Bildsprache.
• Das Motiv der Badenden und der Akt im Freien zählen zu den Hauptmotiven der "Brücke"-Künstler.
PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, verso mit dem Nachlassstempel).
Galerie Clasing, Münster (wohl in Kommission, nach 1963, verso mit dem Stempel).
Alice Adam Ltd., Chicago.
Privatsammlung USA.
Privatsammlung Süddeutschland (2014 vom Vorgenannten erworben, Grisebach, Berlin).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Women and Modernity in and Around German Expressionism, Los Angeles County Museum of Art, 24.11.2000-8.4.2001.
LITERATUR: Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchner. Kritisches Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. 2 (1909-1911), Bern 2013, WVZ-Nr. 306 (m. Abb., anderes Exemplar).
Annemarie u. Wolf-Dieter Dube, E. L. Kirchner. Das graphische Werk, München 1967, WVZ-Nr. L 119.
Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Bd. 1 (bis 1916), Berlin-Charlottenburg 1926, WVZ-Nr. L 133.
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Grisebach, Berlin, Ausgewählte Werke, 29.5.2014, Los 13 (m. Abb.).
1880 - 1938
Picknick der Badenden. 1909.
Farblithografie. Farbiger Druck vom selben Stein in vier Arbeitsgängen in Violett, Gelb, Grün und Blau (zusammen in einem Arbeitsgang) und Orange.
Signiert und bezeichnet "Handdruck". Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570 b) und der handschriftlichen Registriernummer "L 133 III". Eines von nur sieben bekannten Exemplaren. 51,5 x 59,2 cm (20,2 x 23,3 in). Papier: 54,6 x 64,3 cm (21,5 x 25,3 in).
[CH].
• Handdruck des Künstlers.
• Eine der äußerst seltenen farbigen Druckgrafiken Kirchners im großen Format.
• Zwei der sechs weiteren bekannten Exemplare befinden sich in Museumsbesitz: Brooklyn Museum of Art, Brooklyn/NY, und Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf.
• Das in den letzten 30 Jahren einzige auf dem internationalen Auktionsmarkt angebotene Exemplar dieser Druckgrafik (Quelle: artprice.com).
• Reduzierte, flächig angelegte und expressive Formen: Um 1909 entwickelt Kirchner, u. a. beeinflusst von Henri Matisse, eine radikale und kraftvolle Bildsprache.
• Das Motiv der Badenden und der Akt im Freien zählen zu den Hauptmotiven der "Brücke"-Künstler.
PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (Davos 1938, Kunstmuseum Basel 1946, verso mit dem Nachlassstempel).
Galerie Clasing, Münster (wohl in Kommission, nach 1963, verso mit dem Stempel).
Alice Adam Ltd., Chicago.
Privatsammlung USA.
Privatsammlung Süddeutschland (2014 vom Vorgenannten erworben, Grisebach, Berlin).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Women and Modernity in and Around German Expressionism, Los Angeles County Museum of Art, 24.11.2000-8.4.2001.
LITERATUR: Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchner. Kritisches Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. 2 (1909-1911), Bern 2013, WVZ-Nr. 306 (m. Abb., anderes Exemplar).
Annemarie u. Wolf-Dieter Dube, E. L. Kirchner. Das graphische Werk, München 1967, WVZ-Nr. L 119.
Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Bd. 1 (bis 1916), Berlin-Charlottenburg 1926, WVZ-Nr. L 133.
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Grisebach, Berlin, Ausgewählte Werke, 29.5.2014, Los 13 (m. Abb.).
Unter freiem Himmel: Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur
Sowohl Ernst Ludwig Kirchner als auch seine Künstlerkollegen der "Brücke" zieht es angesichts der zügig voranschreitenden Urbanisierung und ihrer gemeinsamen Sehnsucht nach einem einfacheren, ruhigeren Leben regelmäßig aus der Stadt hinaus aufs Land. E. L. Kirchner, Hermann Max Pechstein und Erich Heckel verbringen ihre Sommertage in den Jahren 1909 bis 1911 häufig gemeinsam an den Moritzburger Teichen nahe Dresden, ab und zu schließt sich Schmidt-Rottluff ihnen an. Die Künstler verwirklichen hier ihren Traum einer Verschmelzung von Leben und Kunst, von einem Leben mit der Natur und einer gewissen Ursprünglichkeit. Sie genießen ein einfacheres Leben, gehen mit ihren Modellen nackt baden, sie malen und zeichnen. Die hier entstandenen Arbeiten gelten in ihrer radikalen Neuerung und verspielten Leichtigkeit als Höhepunkt im Schaffen der Künstlergemeinschaft "Brücke". Auch das Motiv der farbigen Lithografie "Picknick der Badenden" entstammt diesen bedeutenden Sommermonaten an den Moritzburger Teichen. Zahlreiche unter freiem Himmel entstandene Skizzen werden im Atelier u. a. auch in Gemälden und druckgrafischen Arbeiten weiterentwickelt. So wird Kirchner auch die am Elbkai spielenden Mädchen in zahlreichen schnellen Zeichnungen ganz unmittelbar auf Papier gebannt haben, um das Motiv später zu perfektionieren und in eine äußerst reizvolle, bewegte Farblithografie zu überführen.
Später zieht es E. L. Kirchner und auch seine einstigen Künstlerkollegen der 1913 aufgelösten "Brücke" in den Sommermonaten häufig an die Nord- und insbesondere an die Ostseeküste. Sie entfliehen der Stadt und finden ihre individuellen Rückzugsorte. Kirchner favorisiert zunächst die Ostsee-Insel Fehmarn und zieht nach Ende des Ersten Weltkriegs gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin nach Davos, in die abgeschiedene Bergwelt der Schweizer Alpen, Karl Schmidt-Rottluff weilt häufig in Jershöft an der Ostsee, am Lebasee oder im Tessin, Erich Heckel bereist Italien, Frankreich, die Schweiz und zahlreiche weitere Länder Europas und zieht sich ansonsten an die Ostsee, an die Flensburger Förde sowie an den Bodensee zurück.
Auch das geschäftige Treiben in Dresden und in der Berliner Großstadt findet Eingang in ihr jeweiliges Schaffen, doch das ländliche, ganz anders getaktete Leben und der Einklang zwischen Mensch und Natur bergen nicht nur Kraft spendende Ruhe und ermöglichen ersehnte Erholung, sondern erweisen sich als wichtige, zum Teil sogar bedeutendste Inspirationsquelle, aus der eine reiche Fülle neuer Ideen, künstlerischer Errungenschaften und faszinierender Kunstwerke hervorgehen, welche die Kunstgeschichte nachhaltig prägten und bis heute beeinflussen. [CH]
Sowohl Ernst Ludwig Kirchner als auch seine Künstlerkollegen der "Brücke" zieht es angesichts der zügig voranschreitenden Urbanisierung und ihrer gemeinsamen Sehnsucht nach einem einfacheren, ruhigeren Leben regelmäßig aus der Stadt hinaus aufs Land. E. L. Kirchner, Hermann Max Pechstein und Erich Heckel verbringen ihre Sommertage in den Jahren 1909 bis 1911 häufig gemeinsam an den Moritzburger Teichen nahe Dresden, ab und zu schließt sich Schmidt-Rottluff ihnen an. Die Künstler verwirklichen hier ihren Traum einer Verschmelzung von Leben und Kunst, von einem Leben mit der Natur und einer gewissen Ursprünglichkeit. Sie genießen ein einfacheres Leben, gehen mit ihren Modellen nackt baden, sie malen und zeichnen. Die hier entstandenen Arbeiten gelten in ihrer radikalen Neuerung und verspielten Leichtigkeit als Höhepunkt im Schaffen der Künstlergemeinschaft "Brücke". Auch das Motiv der farbigen Lithografie "Picknick der Badenden" entstammt diesen bedeutenden Sommermonaten an den Moritzburger Teichen. Zahlreiche unter freiem Himmel entstandene Skizzen werden im Atelier u. a. auch in Gemälden und druckgrafischen Arbeiten weiterentwickelt. So wird Kirchner auch die am Elbkai spielenden Mädchen in zahlreichen schnellen Zeichnungen ganz unmittelbar auf Papier gebannt haben, um das Motiv später zu perfektionieren und in eine äußerst reizvolle, bewegte Farblithografie zu überführen.
Später zieht es E. L. Kirchner und auch seine einstigen Künstlerkollegen der 1913 aufgelösten "Brücke" in den Sommermonaten häufig an die Nord- und insbesondere an die Ostseeküste. Sie entfliehen der Stadt und finden ihre individuellen Rückzugsorte. Kirchner favorisiert zunächst die Ostsee-Insel Fehmarn und zieht nach Ende des Ersten Weltkriegs gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin nach Davos, in die abgeschiedene Bergwelt der Schweizer Alpen, Karl Schmidt-Rottluff weilt häufig in Jershöft an der Ostsee, am Lebasee oder im Tessin, Erich Heckel bereist Italien, Frankreich, die Schweiz und zahlreiche weitere Länder Europas und zieht sich ansonsten an die Ostsee, an die Flensburger Förde sowie an den Bodensee zurück.
Auch das geschäftige Treiben in Dresden und in der Berliner Großstadt findet Eingang in ihr jeweiliges Schaffen, doch das ländliche, ganz anders getaktete Leben und der Einklang zwischen Mensch und Natur bergen nicht nur Kraft spendende Ruhe und ermöglichen ersehnte Erholung, sondern erweisen sich als wichtige, zum Teil sogar bedeutendste Inspirationsquelle, aus der eine reiche Fülle neuer Ideen, künstlerischer Errungenschaften und faszinierender Kunstwerke hervorgehen, welche die Kunstgeschichte nachhaltig prägten und bis heute beeinflussen. [CH]
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