Auktion: 611 / Day Sale am 05.12.2026 in München → Lot 126000902
126000902
Alexej von Jawlensky
Stillleben mit roten und grünen Äpfeln, Ca. 1931.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000902
Alexej von Jawlensky
Stillleben mit roten und grünen Äpfeln, Ca. 1931.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Alexej von Jawlensky
1864 - 1941
Stillleben mit roten und grünen Äpfeln. Ca. 1931.
Öl auf Malpappe.
Links unten signiert. 33,7 x 48,5 cm (13,2 x 19 in).
Verso mit einem übermalten Porträt von Helene Nesnakomoff, ca. 1911/12. [AW].
• Durch die extreme Nahansicht bringt Jawlensky das klassische Sujet des Früchtestilllebens auf eine neue Ebene.
• Die seltenen, großformatigen Stillleben gelten als Höhepunkte dieser Schaffensphase.
• "Äpfel" sind eines der beliebtesten Sujets des Künstlers in dieser Gattung.
• Seit fast 80 Jahren in Familienbesitz und nun erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
PROVENIENZ: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main.
Privatsammlung Schweiz (1948 vom Vorgenannten erworben).
Seither in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Gedächtnisausstellung, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main, 1947, Kat.-Nr. 17 (hier datiert "1911").
LITERATUR: Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky, Angelica Jawlensky, Alexej von Jawlensky. Catalogue Raisonné of the Oil Paintings, Bd. 2: 1914-1933, München 1992, WVZ-Nr. 1378 (m. SW- Abb. S. 465).
"Meine Freunde, die Äpfel, die ich wegen ihrer reizenden, roten, gelben, lila und grünen Kleider liebe, sind für mich auf diesem oder jenem Hintergrund, in dieser oder jener Umgebung, keine Äpfel mehr. Ihre Töne und ihre strahlenden Farben auf dem Grund anderer, nüchternerer Töne verschmelzen sich zu einer von Dissonanzen durchzogenen Harmonie. Und sie erklingen meinem Auge wie eine Musik, die mir diese oder jene Stimmung meiner Seele wiedergibt. [..] Äpfel, Bäume, menschliche Gesichter sind für mich nur Hinweise, um in ihnen anderes zu sehen: das Leben der Farbe, erfasst von einem Leidenschaftlichen, einem Verliebten."
Jawlensky, zit. nach: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 121.
1864 - 1941
Stillleben mit roten und grünen Äpfeln. Ca. 1931.
Öl auf Malpappe.
Links unten signiert. 33,7 x 48,5 cm (13,2 x 19 in).
Verso mit einem übermalten Porträt von Helene Nesnakomoff, ca. 1911/12. [AW].
• Durch die extreme Nahansicht bringt Jawlensky das klassische Sujet des Früchtestilllebens auf eine neue Ebene.
• Die seltenen, großformatigen Stillleben gelten als Höhepunkte dieser Schaffensphase.
• "Äpfel" sind eines der beliebtesten Sujets des Künstlers in dieser Gattung.
• Seit fast 80 Jahren in Familienbesitz und nun erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten.
PROVENIENZ: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main.
Privatsammlung Schweiz (1948 vom Vorgenannten erworben).
Seither in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Gedächtnisausstellung, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main, 1947, Kat.-Nr. 17 (hier datiert "1911").
LITERATUR: Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky, Angelica Jawlensky, Alexej von Jawlensky. Catalogue Raisonné of the Oil Paintings, Bd. 2: 1914-1933, München 1992, WVZ-Nr. 1378 (m. SW- Abb. S. 465).
"Meine Freunde, die Äpfel, die ich wegen ihrer reizenden, roten, gelben, lila und grünen Kleider liebe, sind für mich auf diesem oder jenem Hintergrund, in dieser oder jener Umgebung, keine Äpfel mehr. Ihre Töne und ihre strahlenden Farben auf dem Grund anderer, nüchternerer Töne verschmelzen sich zu einer von Dissonanzen durchzogenen Harmonie. Und sie erklingen meinem Auge wie eine Musik, die mir diese oder jene Stimmung meiner Seele wiedergibt. [..] Äpfel, Bäume, menschliche Gesichter sind für mich nur Hinweise, um in ihnen anderes zu sehen: das Leben der Farbe, erfasst von einem Leidenschaftlichen, einem Verliebten."
Jawlensky, zit. nach: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 121.
Alexej von Jawlensky wendet sich dem Stillleben bereits in seinem Frühwerk zu. Besonders die Apfelbilder zeigen sein frühes Interesse an einer eigenständigen Farb- und Formensprache. Noch ist der Einfluss des Spätimpressionismus spürbar, zugleich zeichnet sich ein zentrales Prinzip seines Schaffens ab: Nicht die genaue Wiedergabe des Gegenstands steht im Vordergrund, sondern die Farbe als Trägerin des Ausdrucks. Früchte, Blumen und Gefäße werden zu Bildmotiven, an denen sich leuchtende Farbwerte und klare Konturen entfalten.
Ab 1911 rückt das menschliche Antlitz ins Zentrum von Jawlenskys Arbeit. In einer intensiven, nahezu obsessiven Folge entwickelt er das Gesicht als Ausdruck innerer Empfindung weiter. Als sich seine Gesundheit Ende der 1920er Jahre infolge fortschreitender Arthritis verschlechtert, konzentriert er sich fast ausschließlich auf die kleinformatigen "Meditationen". Umso bemerkenswerter sind die Stillleben dieser späten Schaffensphase. Sie bilden seltene Höhepunkte und knüpfen an ein Thema an, das Jawlensky seit seinen Anfängen begleitet. Bei einer vorübergehenden Erleichterung für seine Hände malt er wieder größere Bilder – "nur Stilleben, meistens Blumen", die ihm zufolge "sehr schön in Farben" sind ( Jawlensky, zit. nach: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 120).
Das vorliegende Stillleben von 1932 veranschaulicht, wie konsequent Jawlensky die sichtbare Welt auf wenige prägnante Formen reduziert. In einer markant konturierten Schale liegen zwei rote und ein grüner Apfel, am linken Bildrand steht eine weitere Schale mit ebenfalls drei Äpfeln. Ihre Gegenständlichkeit bleibt erkennbar, tritt jedoch hinter ihrer Funktion als Farbträger zurück. Leuchtende Farbtöne, der sichtbare Pinselstrich und der markant geteilte Hintergrund bestimmen den Bildraum. Jawlensky hält das beinahe schwebende Arrangement auf der Tischplatte wohl im sonnigen Grünen fest. So entsteht eine Spannung zwischen der zeichenhaften Komposition und der sinnlichen Präsenz der Farbe.
Jawlensky beschreibt seine "Freunde", die Äpfel, nicht als bloße Früchte, sondern als Anlass, das "Leben der Farbe" zu erfassen (ebd., S. 121). In dieser Auffassung begegnen sich frühe und späte Werke: Die anfängliche Erkundung von Form und Komposition wandelt sich zu einer konzentrierten, innerlichen Bildsprache. Das eigentümliche Leuchten und die entrückte Stimmung verleihen den späten Stillleben besondere Intensität. Vor dem Hintergrund seiner Krankheit gewinnt diese Malerei zusätzliche Dringlichkeit. Sie zeugt von einem Schaffen, das auch unter schwierigen Bedingungen künstlerische Klarheit und Ausdruckskraft bewahrt. [AW]
Ab 1911 rückt das menschliche Antlitz ins Zentrum von Jawlenskys Arbeit. In einer intensiven, nahezu obsessiven Folge entwickelt er das Gesicht als Ausdruck innerer Empfindung weiter. Als sich seine Gesundheit Ende der 1920er Jahre infolge fortschreitender Arthritis verschlechtert, konzentriert er sich fast ausschließlich auf die kleinformatigen "Meditationen". Umso bemerkenswerter sind die Stillleben dieser späten Schaffensphase. Sie bilden seltene Höhepunkte und knüpfen an ein Thema an, das Jawlensky seit seinen Anfängen begleitet. Bei einer vorübergehenden Erleichterung für seine Hände malt er wieder größere Bilder – "nur Stilleben, meistens Blumen", die ihm zufolge "sehr schön in Farben" sind ( Jawlensky, zit. nach: Clemens Weiler, Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen, Hanau 1970, S. 120).
Das vorliegende Stillleben von 1932 veranschaulicht, wie konsequent Jawlensky die sichtbare Welt auf wenige prägnante Formen reduziert. In einer markant konturierten Schale liegen zwei rote und ein grüner Apfel, am linken Bildrand steht eine weitere Schale mit ebenfalls drei Äpfeln. Ihre Gegenständlichkeit bleibt erkennbar, tritt jedoch hinter ihrer Funktion als Farbträger zurück. Leuchtende Farbtöne, der sichtbare Pinselstrich und der markant geteilte Hintergrund bestimmen den Bildraum. Jawlensky hält das beinahe schwebende Arrangement auf der Tischplatte wohl im sonnigen Grünen fest. So entsteht eine Spannung zwischen der zeichenhaften Komposition und der sinnlichen Präsenz der Farbe.
Jawlensky beschreibt seine "Freunde", die Äpfel, nicht als bloße Früchte, sondern als Anlass, das "Leben der Farbe" zu erfassen (ebd., S. 121). In dieser Auffassung begegnen sich frühe und späte Werke: Die anfängliche Erkundung von Form und Komposition wandelt sich zu einer konzentrierten, innerlichen Bildsprache. Das eigentümliche Leuchten und die entrückte Stimmung verleihen den späten Stillleben besondere Intensität. Vor dem Hintergrund seiner Krankheit gewinnt diese Malerei zusätzliche Dringlichkeit. Sie zeugt von einem Schaffen, das auch unter schwierigen Bedingungen künstlerische Klarheit und Ausdruckskraft bewahrt. [AW]
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