Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126001131
126001131
Ernst Ludwig Kirchner
Am Bergsee, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001131
Ernst Ludwig Kirchner
Am Bergsee, 1919.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938
Am Bergsee. 1919.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. Verso auf der Leinwand betitelt "Bergsee". 49,7 x 50 cm (19,5 x 19,6 in).
In dem vermutlich von Dr. Frédéric Bauer ausgesuchten und zuvor mit Kirchner abgestimmten originalen Rahmen. Zwei vom Künstler selbst angefertigte Fotografien des Gemäldes in gerahmtem Zustand befinden sich im Kirchner Museum, Davos (Fotografien außerhalb der Alben I-IV). [CH].
• MODERN Mit breitem Pinselstrich, stark vereinfachten Formen und leuchtenden, satten Farben schafft Kirchner eine Szene von großer Ausdruckskraft und radikal moderner Ästhetik.
• INSPIRATION Die Idylle in der Schweizer Bergwelt dient Kirchner in diesen Jahren als bedeutende Inspirationsquelle.
• PROVENIENZ Seit 70 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung, davor lange im Besitz von Dr. Frédéric Bauer, Davos, Kirchners Arzt, Förderer und engem Vertrauten.
• AUSGESTELLT 1952/53 in einer retrospektiven Wanderausstellung gezeigt, u. a. im Haus der Kunst, München und im Haus am Waldsee, Berlin.
Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.
PROVENIENZ: Sammlung Dr. Frédéric Bauer (1883-1957), Davos (1922 wohl direkt vom Künstler erworben).
Sammlung Prof. Dr. Horst Ludwig Wullstein, Würzburg (1957 erworben).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner, Kunstverein Winterthur, 22.6.-13.7.1924, Kat.-Nr. 6 (m. d. Titel "Wallensee", siehe dazu Harry Joelson, Das ungewohnte Neue. Briefwechsel Ernst Ludwig Kirchner und Georg Reinhart, Zürich 2002, Nr. 54, S. 89ff. und Fußnote I).
Ernst Ludwig Kirchner. Gemälde und Graphik der Sammlung F. Bauer, Davos (Wanderausstellung), Haus der Kunst, München, 25.10.-14.12.1952; Haus am Waldsee, Berlin, 19.6.-19.8.1953; Kunsthalle Nürnberg Fränkische Galerie, Nürnberg; Museum am Ostwall, Dortmund; u. a., Kat.-Nr. 20 (m. d. Titel "Bergsee bei Davos").
LITERATUR: Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, München 1968, S. 120 u. 356, WVZ-Nr. 562 (m. SW-Abb.).
- -
Harry Joelson, Das ungewohnte Neue. Briefwechsel Ernst Ludwig Kirchner und Georg Reinhart, Zürich 2002, S. 89ff., Nr. 54 (siehe Nr. 6 "Wallensee" und Fußnote I).
Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner. Der gesamte Briefwechsel - "Die absolute Wahrheit, so wie ich sie fühle", Zürich 2010, Nr. 1253.
Marianne Saal, Vom Rahmen aus gesehen. Die Kirchner-Gemälde in der Sammlung von Dr. Frédéric Bauer, in: Ausst.-Kat. Wiederentdeckt und wiedervereint. Rahmen und Bilder von Ernst Ludwig Kirchner, Buchheim Museum, Bernried; Kirchner Museum, Davos, 2024/2025, S. 86-102 (m. Abb., S. 92 u. Farbabb., Nr. 12).
1880 - 1938
Am Bergsee. 1919.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. Verso auf der Leinwand betitelt "Bergsee". 49,7 x 50 cm (19,5 x 19,6 in).
In dem vermutlich von Dr. Frédéric Bauer ausgesuchten und zuvor mit Kirchner abgestimmten originalen Rahmen. Zwei vom Künstler selbst angefertigte Fotografien des Gemäldes in gerahmtem Zustand befinden sich im Kirchner Museum, Davos (Fotografien außerhalb der Alben I-IV). [CH].
• MODERN Mit breitem Pinselstrich, stark vereinfachten Formen und leuchtenden, satten Farben schafft Kirchner eine Szene von großer Ausdruckskraft und radikal moderner Ästhetik.
• INSPIRATION Die Idylle in der Schweizer Bergwelt dient Kirchner in diesen Jahren als bedeutende Inspirationsquelle.
• PROVENIENZ Seit 70 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung, davor lange im Besitz von Dr. Frédéric Bauer, Davos, Kirchners Arzt, Förderer und engem Vertrauten.
• AUSGESTELLT 1952/53 in einer retrospektiven Wanderausstellung gezeigt, u. a. im Haus der Kunst, München und im Haus am Waldsee, Berlin.
Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, dokumentiert.
PROVENIENZ: Sammlung Dr. Frédéric Bauer (1883-1957), Davos (1922 wohl direkt vom Künstler erworben).
Sammlung Prof. Dr. Horst Ludwig Wullstein, Würzburg (1957 erworben).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner, Kunstverein Winterthur, 22.6.-13.7.1924, Kat.-Nr. 6 (m. d. Titel "Wallensee", siehe dazu Harry Joelson, Das ungewohnte Neue. Briefwechsel Ernst Ludwig Kirchner und Georg Reinhart, Zürich 2002, Nr. 54, S. 89ff. und Fußnote I).
Ernst Ludwig Kirchner. Gemälde und Graphik der Sammlung F. Bauer, Davos (Wanderausstellung), Haus der Kunst, München, 25.10.-14.12.1952; Haus am Waldsee, Berlin, 19.6.-19.8.1953; Kunsthalle Nürnberg Fränkische Galerie, Nürnberg; Museum am Ostwall, Dortmund; u. a., Kat.-Nr. 20 (m. d. Titel "Bergsee bei Davos").
LITERATUR: Donald E. Gordon, Ernst Ludwig Kirchner, München 1968, S. 120 u. 356, WVZ-Nr. 562 (m. SW-Abb.).
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Harry Joelson, Das ungewohnte Neue. Briefwechsel Ernst Ludwig Kirchner und Georg Reinhart, Zürich 2002, S. 89ff., Nr. 54 (siehe Nr. 6 "Wallensee" und Fußnote I).
Hans Delfs (Hrsg.), Ernst Ludwig Kirchner. Der gesamte Briefwechsel - "Die absolute Wahrheit, so wie ich sie fühle", Zürich 2010, Nr. 1253.
Marianne Saal, Vom Rahmen aus gesehen. Die Kirchner-Gemälde in der Sammlung von Dr. Frédéric Bauer, in: Ausst.-Kat. Wiederentdeckt und wiedervereint. Rahmen und Bilder von Ernst Ludwig Kirchner, Buchheim Museum, Bernried; Kirchner Museum, Davos, 2024/2025, S. 86-102 (m. Abb., S. 92 u. Farbabb., Nr. 12).
Zuflucht und Neuanfang: E. L. Kirchner in der Schweiz
Wie für ganz Europa markiert der Erste Weltkrieg auch für Ernst Ludwig Kirchner einen radikalen Einschnitt. Der Kriegsdienst und die große Angst vor der Front wirken sich auf seine Psyche sehr negativ aus. Nach nur wenigen Monaten wird er in schlechtem gesundheitlichen Zustand entlassen, hegt in den darauffolgenden Monaten jedoch große Angst vor einer erneuten Einberufung und erleidet mehrere Nervenzusammenbrüche. Ab 1916 weilt er deshalb in verschiedenen deutschen Sanatorien in Berlin, Königstein im Taunus und Kreuzlingen am Bodensee. 1917 reist er schließlich mehrfach in die Schweiz, um sich u. a. bei Dr. Frédéric Bauer, dem damaligen Chefarzt des Davoser Parksanatoriums, in Behandlung zu begeben. Bald darauf lässt sich der Künstler, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, dann ganz in der Schweiz nieder.
Sein Arzt, Dr. Frédéric Bauer, erwirbt später, im November 1922, ein erstes Gemälde E. L. Kirchners und stellt in den darauffolgenden Jahren eine der größten privaten Sammlungen seiner Werke mit insgesamt nahezu 400 Arbeiten zusammen, darunter 29 Gemälde – eines davon das hier angebotene Werk.
Davos: "Ein reiches Feld für meine Tätigkeit"
1919 lebt Kirchner in Davos-Frauenkirch im Haus "In den Lärchen". Er genießt ein einfaches, rustikales Leben mit nur wenigen Annehmlichkeiten, weit entfernt vom schnell getakteten Rhythmus der Großstadt. Inspirationsquellen sind nun unter anderem das Leben und die Tätigkeiten der dort ansässigen Bauernfamilien und die beeindruckende Alpenlandschaft sowie die schon zu "Brücke"-Zeiten (1905–1913) gehegte Sehnsucht nach dem Einklang von Mensch und Natur. In einem Brief erklärt er 1919 überzeugt: "Der gute van de Velde schrieb mir heute, ich sollte doch wieder ins moderne Leben zurück. Das ist für mich ausgeschlossen. Ich bedaure es auch nicht. Ich habe hier ein reiches Feld für meine Tätigkeit [...]. Und hier lernt man tiefer sehen und weiter eindringen als in dem sogenannten 'modernen' Leben, das meist trotz seiner reichen äusseren Form so sehr viel oberflächlicher ist. […] Dieser kleine Fleck Erde ist unerschöpflich." (Briefe an Helene Spengler, 3.7.1919 und 25.8.1919)
Hellblau, Violett-blau, Rosa: "Farben ganz frisch"
Im Hochsommer zieht es den Künstler wie schon im Jahr zuvor hoch auf die sog. "Stafelalp". Wie die Bauern mit ihren Tieren verbringt auch Kirchner dort zwischen August und September 1919 mehrere Wochen, er zeichnet und malt: "Nur arbeiten, arbeiten und sonst nichts denken, Farben ganz frisch […]" (E. L. Kirchner, 4.8.1919, zit. nach: Lothar Grisebach, Davoser Tagebuch, Ostfildern 1997, S. 41).
Kirchner begleitet den Alltag der Bauern, den Alpaufzug der Tiere und hält auch die bergige Landschaft mit den so besonderen Lichtstimmungen auf Zeichnungen und Gemälden fest. Doch eigentlich geht es hier nicht um die Darstellung der idyllischen Davoser Bergwelt; Kirchners Fokus liegt vielmehr auf Formfindung, Perspektive und dem wirksamen Einsatz von Farbkontrasten.
Farblich arbeitet Kirchner in dieser Zeit häufig mit einer speziellen Farbpalette, die u. a. sattes Pink und Rosa, helles und dunkles Violett und strahlendes Blau enthält und sich in Gemälden, Aquarellen und auch druckgrafischen Arbeiten wiederfindet (vgl. "Wintermondnacht – Längmatte bei Monduntergang", 1919, Farbholzschnitt, Gercken 958). In seinem Tagebuch notiert Kirchner im Juli des Entstehungsjahres: "Jedenfalls keine Kraft für die große Leinwand mehr vorhanden. […] viel Ideen […]. Violett zu malen, reizt mich jetzt ungeheuer. […] Herrlicher Spaziergang am Nachmittag fast bis auf die Kummeralp. [...] Farbe hellblau, violett-blau, rosa […]." (11.7.1919 und 22.7.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 31 u. S. 36)
"Die Bilder bekommen Ekstase": Aufbruch in eine neue Schaffensperiode
Mit dem Gemälde "Am Bergsee" gelingt Kirchner eine besonders ausdrucksstarke Komposition, in der sich Farbe, Form und Perspektive weitestgehend von der Realität entfernen und statt einer eher naturalistischen Darstellung ein größeres Maß an Abstraktion vorherrscht. Kirchner verteilt die Farben mehrheitlich in größeren Flächen auf der Leinwand, lässt wenig Raum für kleinteilige Details, die Formen werden geometrisch abstrahiert und der Blick in die Landschaft zu einer geschlossenen, bühnengleichen Szene abgerundet. "Und es scheint doch wieder mal zu werden", notiert Kirchner erfreut, "die Bilder bekommen Ekstase." (16.7.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 34)
Kirchners stilistische Weiterentwicklungen, die sich in diesen frühen Davoser Schaffensjahren vollziehen, werden hier beispielhaft und eindrucksvoll vor Augen geführt. Wo frühere Arbeiten noch die typisch-nervöse Linienführung beinhalten, findet Kirchner hier zu einer betont flächigen Malweise und zu einer ganz eigenen Form der Abstrahierung.
In der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt kann Kirchner seine Erkrankung und die damit verbundenen dunklen, kräftezehrenden und traumatischen Erlebnisse – wenigstens für kurze Zeit – hinter sich lassen und sich ganz und gar auf seine Kunst konzentrieren. Er kämpft noch immer, doch hier scheint ihm der Kampf nach langer Suche endlich ein Stück leichter zu fallen: "Das Leben ist schwierig. Dann hier oben die Berge herrlich und schön." (E. L. Kirchner, 7.8.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 42) [CH]
Wie für ganz Europa markiert der Erste Weltkrieg auch für Ernst Ludwig Kirchner einen radikalen Einschnitt. Der Kriegsdienst und die große Angst vor der Front wirken sich auf seine Psyche sehr negativ aus. Nach nur wenigen Monaten wird er in schlechtem gesundheitlichen Zustand entlassen, hegt in den darauffolgenden Monaten jedoch große Angst vor einer erneuten Einberufung und erleidet mehrere Nervenzusammenbrüche. Ab 1916 weilt er deshalb in verschiedenen deutschen Sanatorien in Berlin, Königstein im Taunus und Kreuzlingen am Bodensee. 1917 reist er schließlich mehrfach in die Schweiz, um sich u. a. bei Dr. Frédéric Bauer, dem damaligen Chefarzt des Davoser Parksanatoriums, in Behandlung zu begeben. Bald darauf lässt sich der Künstler, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, dann ganz in der Schweiz nieder.
Sein Arzt, Dr. Frédéric Bauer, erwirbt später, im November 1922, ein erstes Gemälde E. L. Kirchners und stellt in den darauffolgenden Jahren eine der größten privaten Sammlungen seiner Werke mit insgesamt nahezu 400 Arbeiten zusammen, darunter 29 Gemälde – eines davon das hier angebotene Werk.
Davos: "Ein reiches Feld für meine Tätigkeit"
1919 lebt Kirchner in Davos-Frauenkirch im Haus "In den Lärchen". Er genießt ein einfaches, rustikales Leben mit nur wenigen Annehmlichkeiten, weit entfernt vom schnell getakteten Rhythmus der Großstadt. Inspirationsquellen sind nun unter anderem das Leben und die Tätigkeiten der dort ansässigen Bauernfamilien und die beeindruckende Alpenlandschaft sowie die schon zu "Brücke"-Zeiten (1905–1913) gehegte Sehnsucht nach dem Einklang von Mensch und Natur. In einem Brief erklärt er 1919 überzeugt: "Der gute van de Velde schrieb mir heute, ich sollte doch wieder ins moderne Leben zurück. Das ist für mich ausgeschlossen. Ich bedaure es auch nicht. Ich habe hier ein reiches Feld für meine Tätigkeit [...]. Und hier lernt man tiefer sehen und weiter eindringen als in dem sogenannten 'modernen' Leben, das meist trotz seiner reichen äusseren Form so sehr viel oberflächlicher ist. […] Dieser kleine Fleck Erde ist unerschöpflich." (Briefe an Helene Spengler, 3.7.1919 und 25.8.1919)
Hellblau, Violett-blau, Rosa: "Farben ganz frisch"
Im Hochsommer zieht es den Künstler wie schon im Jahr zuvor hoch auf die sog. "Stafelalp". Wie die Bauern mit ihren Tieren verbringt auch Kirchner dort zwischen August und September 1919 mehrere Wochen, er zeichnet und malt: "Nur arbeiten, arbeiten und sonst nichts denken, Farben ganz frisch […]" (E. L. Kirchner, 4.8.1919, zit. nach: Lothar Grisebach, Davoser Tagebuch, Ostfildern 1997, S. 41).
Kirchner begleitet den Alltag der Bauern, den Alpaufzug der Tiere und hält auch die bergige Landschaft mit den so besonderen Lichtstimmungen auf Zeichnungen und Gemälden fest. Doch eigentlich geht es hier nicht um die Darstellung der idyllischen Davoser Bergwelt; Kirchners Fokus liegt vielmehr auf Formfindung, Perspektive und dem wirksamen Einsatz von Farbkontrasten.
Farblich arbeitet Kirchner in dieser Zeit häufig mit einer speziellen Farbpalette, die u. a. sattes Pink und Rosa, helles und dunkles Violett und strahlendes Blau enthält und sich in Gemälden, Aquarellen und auch druckgrafischen Arbeiten wiederfindet (vgl. "Wintermondnacht – Längmatte bei Monduntergang", 1919, Farbholzschnitt, Gercken 958). In seinem Tagebuch notiert Kirchner im Juli des Entstehungsjahres: "Jedenfalls keine Kraft für die große Leinwand mehr vorhanden. […] viel Ideen […]. Violett zu malen, reizt mich jetzt ungeheuer. […] Herrlicher Spaziergang am Nachmittag fast bis auf die Kummeralp. [...] Farbe hellblau, violett-blau, rosa […]." (11.7.1919 und 22.7.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 31 u. S. 36)
"Die Bilder bekommen Ekstase": Aufbruch in eine neue Schaffensperiode
Mit dem Gemälde "Am Bergsee" gelingt Kirchner eine besonders ausdrucksstarke Komposition, in der sich Farbe, Form und Perspektive weitestgehend von der Realität entfernen und statt einer eher naturalistischen Darstellung ein größeres Maß an Abstraktion vorherrscht. Kirchner verteilt die Farben mehrheitlich in größeren Flächen auf der Leinwand, lässt wenig Raum für kleinteilige Details, die Formen werden geometrisch abstrahiert und der Blick in die Landschaft zu einer geschlossenen, bühnengleichen Szene abgerundet. "Und es scheint doch wieder mal zu werden", notiert Kirchner erfreut, "die Bilder bekommen Ekstase." (16.7.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 34)
Kirchners stilistische Weiterentwicklungen, die sich in diesen frühen Davoser Schaffensjahren vollziehen, werden hier beispielhaft und eindrucksvoll vor Augen geführt. Wo frühere Arbeiten noch die typisch-nervöse Linienführung beinhalten, findet Kirchner hier zu einer betont flächigen Malweise und zu einer ganz eigenen Form der Abstrahierung.
In der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt kann Kirchner seine Erkrankung und die damit verbundenen dunklen, kräftezehrenden und traumatischen Erlebnisse – wenigstens für kurze Zeit – hinter sich lassen und sich ganz und gar auf seine Kunst konzentrieren. Er kämpft noch immer, doch hier scheint ihm der Kampf nach langer Suche endlich ein Stück leichter zu fallen: "Das Leben ist schwierig. Dann hier oben die Berge herrlich und schön." (E. L. Kirchner, 7.8.1919, zit. nach: Davoser Tagebuch, S. 42) [CH]
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