Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126001134
126001134
Piero Dorazio
Jeux d'air, 1962.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001134
Piero Dorazio
Jeux d'air, 1962.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Piero Dorazio
1927 - 2005
Jeux d'air. 1962.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert und betitelt. 117 x 89,5 cm (46 x 35,2 in).
• ABSTRAKTION PUR Meisterhaftes, oszillierendes Rasterbild ("Reticolo") aus der gefragtesten Schaffensphase Dorazios.
• KALEIDOSKOP Bestechende optische Tiefe und leuchtende Präsenz.
• DURCHBRUCH 1960 ist Dorazio mit vergleichbaren Werken auf der Biennale in Venedig sowie 1963 auf der Biennale in São Paulo vertreten.
• INTERNATIONAL Umfassende Provenienz- und Ausstellungshistorie.
• MUSEALER RANG Vergleichbare bedeutende Arbeiten des Künstlers befinden sich in renommierten internationalen Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, sowie der Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea, Rom.
PROVENIENZ: Galleria dell'Ariete, Mailand (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett und Stempel).
Galleria La Bertesca, Genua (verso auf dem Keilrahmen jeweils zweifach mit dem Etikett und Stempel).
Marlborough Galleria d'Arte, Rom (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Marlborough Fine Art, London (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Galerie im Erker, St. Gallen (verso auf dem Keilrahmen zweifach mit dem Stempel).
Galleria Finarte, Mailand (um 1977/78).
Sammlung Franco Stefanoni, Lecco (um 1991, verso auf dem Keilrahmen auf einem Etikett).
Privatsammlung Mailand (seit 2008, Sotheby's).
Privatsammlung (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Piero Dorazio, Marlborough Fine Art, London, Jan. 1966, Kat.-Nr. 10, o. Abb.
Piero Dorazio, Galerie im Erker, St. Gallen, 28.5.-16.7.1966, Kat.-Nr. 8, m. SW-Abb. S. 10 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Piero Dorazio, Galleria Peccolo, Livorno, 27.2.-31.3.1971.
Città di Lecco per l'arte, Villa Manzoni, Musei Civici, Lecco, 20.4.-26.5.1991 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
LITERATUR: Marisa Volpi Orlandini, Jacques Lassaigne u. Giorgio Crisafi, Dorazio, Mailand 1977 / Stuttgart 1978, WVZ-Nr. 530 (m. Abb. u. Taf. 69)
- -
Sotheby's, Mailand, Modern & Contemporary Art, 27.5.2008, Los 289 (m. Abb.).
"Die Fläche einer Leinwand ist eine zweidimensionale Fläche, und aus dieser Fläche machen wir ein optisches Phänomen; wir schaffen ein Bild, das im Betrachter eine Empfindung, eine Emotion hervorruft, aus denen wiederum schrittweise eine Fragestellung, eine Reflexion, ein Gedanke, eine Idee entsteht, sagen wir im Grunde eine Denkweise und eine Geisteshaltung; gelingt uns dies, so befinden wir uns in der Gegenwart der Kunst."
Piero Dorazio im Gespräch mit Giulio Turcato, zit. nach: Conversazione sull'arte oggi e su cose interessanti in occasione della trentatreesima Biennale di Venezia, in: Metro, Milan, Nr. 11, Juni 1966, S. 45.
1927 - 2005
Jeux d'air. 1962.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert und betitelt. 117 x 89,5 cm (46 x 35,2 in).
• ABSTRAKTION PUR Meisterhaftes, oszillierendes Rasterbild ("Reticolo") aus der gefragtesten Schaffensphase Dorazios.
• KALEIDOSKOP Bestechende optische Tiefe und leuchtende Präsenz.
• DURCHBRUCH 1960 ist Dorazio mit vergleichbaren Werken auf der Biennale in Venedig sowie 1963 auf der Biennale in São Paulo vertreten.
• INTERNATIONAL Umfassende Provenienz- und Ausstellungshistorie.
• MUSEALER RANG Vergleichbare bedeutende Arbeiten des Künstlers befinden sich in renommierten internationalen Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, sowie der Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea, Rom.
PROVENIENZ: Galleria dell'Ariete, Mailand (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett und Stempel).
Galleria La Bertesca, Genua (verso auf dem Keilrahmen jeweils zweifach mit dem Etikett und Stempel).
Marlborough Galleria d'Arte, Rom (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Marlborough Fine Art, London (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Galerie im Erker, St. Gallen (verso auf dem Keilrahmen zweifach mit dem Stempel).
Galleria Finarte, Mailand (um 1977/78).
Sammlung Franco Stefanoni, Lecco (um 1991, verso auf dem Keilrahmen auf einem Etikett).
Privatsammlung Mailand (seit 2008, Sotheby's).
Privatsammlung (vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).
AUSSTELLUNG: Piero Dorazio, Marlborough Fine Art, London, Jan. 1966, Kat.-Nr. 10, o. Abb.
Piero Dorazio, Galerie im Erker, St. Gallen, 28.5.-16.7.1966, Kat.-Nr. 8, m. SW-Abb. S. 10 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Piero Dorazio, Galleria Peccolo, Livorno, 27.2.-31.3.1971.
Città di Lecco per l'arte, Villa Manzoni, Musei Civici, Lecco, 20.4.-26.5.1991 (verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
LITERATUR: Marisa Volpi Orlandini, Jacques Lassaigne u. Giorgio Crisafi, Dorazio, Mailand 1977 / Stuttgart 1978, WVZ-Nr. 530 (m. Abb. u. Taf. 69)
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Sotheby's, Mailand, Modern & Contemporary Art, 27.5.2008, Los 289 (m. Abb.).
"Die Fläche einer Leinwand ist eine zweidimensionale Fläche, und aus dieser Fläche machen wir ein optisches Phänomen; wir schaffen ein Bild, das im Betrachter eine Empfindung, eine Emotion hervorruft, aus denen wiederum schrittweise eine Fragestellung, eine Reflexion, ein Gedanke, eine Idee entsteht, sagen wir im Grunde eine Denkweise und eine Geisteshaltung; gelingt uns dies, so befinden wir uns in der Gegenwart der Kunst."
Piero Dorazio im Gespräch mit Giulio Turcato, zit. nach: Conversazione sull'arte oggi e su cose interessanti in occasione della trentatreesima Biennale di Venezia, in: Metro, Milan, Nr. 11, Juni 1966, S. 45.
Das 1962 entstandene Gemälde "Jeux d'air" markiert den Höhepunkt von Piero Dorazios berühmten "Reticoli" oder Gitterbildern (1958–1963), einem Werkzyklus, der zu den prägendsten Beiträgen der europäischen Nachkriegsabstraktion zählt. Dorazio baut die Komposition aus einer dichten Schichtung linearer Pinselstriche auf, die in Winkel, Dichte und Transparenz leicht variieren. Diese subtilen Nuancen beleben das gesamte Blickfeld: Wo sich die Linien kreuzen und überlagern, entsteht ein optischer Eindruck von Tiefe und stetiger Schwingung. Während der Blick über die Oberfläche wandert, scheinen die Farben vorzutreten, zurückzuweichen und ineinander überzugehen. Das Bild wirkt lebendig, da es sich im Akt des Betrachtens immer wieder neu formt.
Architektur, Raum und Farbe
Diese Wahrnehmungsdynamik ist zentral für Dorazios Werk. Die Bildfläche erscheint nie statisch, sondern erneuert sich unentwegt in der aktiven Erfahrung des Sehens. Dorazios besondere Herangehensweise an die Leinwand ist maßgeblich durch sein Architekturstudium an der Universität Rom Mitte der 1940er-Jahre geprägt. Dieser Hintergrund begründet seine dauerhafte Faszination für tragende Strukturen, räumliche Dynamiken und die Art und Weise, wie Licht eine Umgebung belebt. Raum begreift Dorazio nicht als Leere, die gefüllt werden muss, sondern als ein Gefüge, das durch strukturellen Rhythmus und chromatische Energie Gestalt annimmt. Dazu schreibt er: "Ich glaube, dass man sich weder bildlich noch gedanklich den gesamten Zusammenhang zwischen Mensch und Raum ohne Farbe vorstellen kann – aber man kann es durch Malerei." (Piero Dorazio, zit. nach: Ausst.-Kat. "Piero Dorazio", Galerie im Erker, St. Gallen 1966, S. 21). In den "Reticoli" überträgt sich dieser architektonische Impuls unmittelbar auf die zweidimensionale Bildfläche. Das lineare Raster dient nicht als starres Korsett, sondern als offenes, lichtmodulierendes Geflecht, in dem Raum durch das Zusammenspiel der Farben vermessen, aufgebaut und wahrnehmbar gemacht wird.
Transatlantischer Dialog
Dorazios künstlerischer Weg ist ebenso vom Klima des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt. 1947 reist er nach Paris, um an der École des Beaux-Arts die historische Avantgarde zu studieren, und gründet noch im selben Jahr die Gruppe "Forma I" in Rom mit. Ab 1953 bringen ihn längere Aufenthalte in New York in direkten Kontakt mit der amerikanischen Avantgarde, darunter Barnett Newman und Robert Motherwell. Diese Begegnungen verleihen ihm eine ausgeprägt internationale Perspektive und verankern sein Werk im Dialog zwischen europäischen Farb- und Lichttraditionen und dem Anspruch der neuen amerikanischen Malerei. Ende der 1950er-Jahre mündet diese Auseinandersetzung in die "Reticoli". Während Strömungen wie das europäische Informel und das amerikanische Action Painting auf dicke Farbschichten und gestische Dramatik setzen, wählt Dorazio Klarheit, Struktur und optische Disziplin. Statt Farbe flächig oder mit dramatischem Gestus aufzutragen, formt er sie aus Hunderten feiner, sich kreuzender Züge. Das Ergebnis wahrt die Balance zwischen Kalkül und Offenheit. Die Komposition ist mit mathematischer Präzision organisiert, doch die Oberfläche bleibt leicht, porös und atmosphärisch.
Der Internationale Durchbruch
Das Jahr 1960 bringt den internationalen Durchbruch. Auf der Biennale von Venedig präsentiert er einen viel beachteten eigenen Ausstellungsraum mit seinen Rasterbildern und wird an die University of Pennsylvania berufen, um das dortige Graduate Painting Program aufzubauen, an dem er fast ein Jahrzehnt lang lehrt. "Jeux d'air" entsteht mitten in dieser fruchtbaren transatlantischen Phase und veranschaulicht idealtypisch das breite Interesse der 1960er-Jahre an visueller Wahrnehmung. Dieses Interesse findet seinen Höhepunkt 1965 in der wegweisenden Ausstellung "The Responsive Eye" im Museum of Modern Art in New York, wo auch Dorazios Arbeiten präsentiert werden. "Jeux d'air" zeigt Dorazio auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Das Raster bildet hier keine geschlossene Grenze, sondern ein offenes Feld aus Licht und Luft. Sein gemessener Rhythmus lenkt den Blick, während die changierenden, schimmernden Farben die Bildfläche in Bewegung halten. So verbindet das Gemälde Disziplin, Dynamik und Leuchtkraft zu einem vollendeten visuellen Ganzen. [KA]
Architektur, Raum und Farbe
Diese Wahrnehmungsdynamik ist zentral für Dorazios Werk. Die Bildfläche erscheint nie statisch, sondern erneuert sich unentwegt in der aktiven Erfahrung des Sehens. Dorazios besondere Herangehensweise an die Leinwand ist maßgeblich durch sein Architekturstudium an der Universität Rom Mitte der 1940er-Jahre geprägt. Dieser Hintergrund begründet seine dauerhafte Faszination für tragende Strukturen, räumliche Dynamiken und die Art und Weise, wie Licht eine Umgebung belebt. Raum begreift Dorazio nicht als Leere, die gefüllt werden muss, sondern als ein Gefüge, das durch strukturellen Rhythmus und chromatische Energie Gestalt annimmt. Dazu schreibt er: "Ich glaube, dass man sich weder bildlich noch gedanklich den gesamten Zusammenhang zwischen Mensch und Raum ohne Farbe vorstellen kann – aber man kann es durch Malerei." (Piero Dorazio, zit. nach: Ausst.-Kat. "Piero Dorazio", Galerie im Erker, St. Gallen 1966, S. 21). In den "Reticoli" überträgt sich dieser architektonische Impuls unmittelbar auf die zweidimensionale Bildfläche. Das lineare Raster dient nicht als starres Korsett, sondern als offenes, lichtmodulierendes Geflecht, in dem Raum durch das Zusammenspiel der Farben vermessen, aufgebaut und wahrnehmbar gemacht wird.
Transatlantischer Dialog
Dorazios künstlerischer Weg ist ebenso vom Klima des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt. 1947 reist er nach Paris, um an der École des Beaux-Arts die historische Avantgarde zu studieren, und gründet noch im selben Jahr die Gruppe "Forma I" in Rom mit. Ab 1953 bringen ihn längere Aufenthalte in New York in direkten Kontakt mit der amerikanischen Avantgarde, darunter Barnett Newman und Robert Motherwell. Diese Begegnungen verleihen ihm eine ausgeprägt internationale Perspektive und verankern sein Werk im Dialog zwischen europäischen Farb- und Lichttraditionen und dem Anspruch der neuen amerikanischen Malerei. Ende der 1950er-Jahre mündet diese Auseinandersetzung in die "Reticoli". Während Strömungen wie das europäische Informel und das amerikanische Action Painting auf dicke Farbschichten und gestische Dramatik setzen, wählt Dorazio Klarheit, Struktur und optische Disziplin. Statt Farbe flächig oder mit dramatischem Gestus aufzutragen, formt er sie aus Hunderten feiner, sich kreuzender Züge. Das Ergebnis wahrt die Balance zwischen Kalkül und Offenheit. Die Komposition ist mit mathematischer Präzision organisiert, doch die Oberfläche bleibt leicht, porös und atmosphärisch.
Der Internationale Durchbruch
Das Jahr 1960 bringt den internationalen Durchbruch. Auf der Biennale von Venedig präsentiert er einen viel beachteten eigenen Ausstellungsraum mit seinen Rasterbildern und wird an die University of Pennsylvania berufen, um das dortige Graduate Painting Program aufzubauen, an dem er fast ein Jahrzehnt lang lehrt. "Jeux d'air" entsteht mitten in dieser fruchtbaren transatlantischen Phase und veranschaulicht idealtypisch das breite Interesse der 1960er-Jahre an visueller Wahrnehmung. Dieses Interesse findet seinen Höhepunkt 1965 in der wegweisenden Ausstellung "The Responsive Eye" im Museum of Modern Art in New York, wo auch Dorazios Arbeiten präsentiert werden. "Jeux d'air" zeigt Dorazio auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Das Raster bildet hier keine geschlossene Grenze, sondern ein offenes Feld aus Licht und Luft. Sein gemessener Rhythmus lenkt den Blick, während die changierenden, schimmernden Farben die Bildfläche in Bewegung halten. So verbindet das Gemälde Disziplin, Dynamik und Leuchtkraft zu einem vollendeten visuellen Ganzen. [KA]
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