Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126001178
126001178
Paula Modersohn-Becker
Kinder mit Ziege und alter Bäuerin, 1902.
Öl auf Malpappe, auf Leinwand
Schätzpreis: € 180.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001178
Paula Modersohn-Becker
Kinder mit Ziege und alter Bäuerin, 1902.
Öl auf Malpappe, auf Leinwand
Schätzpreis: € 180.000 - 250.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Paula Modersohn-Becker
1876 - 1907
Kinder mit Ziege und alter Bäuerin. 1902.
Öl auf Malpappe, auf Leinwand.
Rechts unten schwer leserlich datiert "10.1902". 50,5 x 72,8 cm (19,8 x 28,6 in). [CH].
• EIGENSTÄNDIG In klarer Profilansicht entfaltet sich Modersohn-Beckers ausdrucksstarke, unverwechselbare Bildsprache.
• ERZÄHLFREUDE Mit Witz und spielerischer Leichtigkeit schildert die Künstlerin die alltägliche Worpsweder Szene.
• AUSSTELLUNGEN Bereits 1914 erstmals ausgestellt und in den darauffolgenden Jahrzehnten mehrfach Teil umfassender Retrospektiven.
• PROVENIENZ Seit über 50 Jahren Teil einer norddeutschen Privatsammlung.
• MUSEAL Vergleichbare Arbeiten befinden sich u. a. in den Sammlungen des Von der Heydt-Museums, Wuppertal, der Kunsthalle Bremen, des Museums Wiesbaden und des Städel Museums, Frankfurt am Main.
Wir danken Rebecca Duckwitz, Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
Wir danken Jane Kallir, Kallir Research Institute, New York, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
PROVENIENZ: M. Goldschmidt & Co., Frankfurt a. Main (1919).
Sammlung Kurt Grunebaum, Essen/New York (in den 1920er Jahren erworben, bis mindestens 1958).
Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen (vom Vorgenannten erworben, verso auf der Leinwand mit dem Galerieetikett, dort betitelt "Kinder mit Ziege und Drehbeen").
Privatsammlung Norddeutschland (1975 vom Vorgenannten erworben).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Paula Modersohn-Becker, Kunst- und Gewerbehaus Franz und Philine Vogeler Worpswede, Juli 1914 (ohne Katalog).
Ausstellung von Werken neuerer Kunst aus Hamburger Privatbesitz, Kunsthalle Hamburg, 1917, Kat.-Nr. 73.
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Galerie St. Etienne, New York, März/April 1958, Kat.-Nr. 5.
Paula Modersohn-Becker, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main, 27.2.-12.4.1975, Kat.-Nr. 7 (m. Abb.).
Paula Modersohn-Becker zum hundertsten Geburtstag, Kunsthalle Bremen und Böttcherstraße, Bremen, 8.2.-4.4.1976; Ernst Barlach Haus, Hamburg, 25.9.-21.11.1976, Kat.-Nr. 64 (verso auf der Leinwand mit dem Etikett).
Paula Modersohn-Becker. Die Landschaften, Kunsthalle Bremen (Ausstellung zum 75. Todestag der Künstlerin), 21.11.1982-20.3.1983, Kat.-Nr. 47 (m. Abb.).
LITERATUR: Günter Busch, Milena Schicketanz, Wolfgang Werner, Paula Modersohn-Becker 1876-1907. Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. II, München 1998, WVZ-Nr. 329 (m. SW-Abb., S. 229).
- -
Alfred Werner, A Woman of Valor, in: The American-German Review, Vol. 28, Philadelphia 1962, No. 4, S. 7-11 (m. Abb., S. 9).
Liselotte von Reinken, Paula Modersohn-Becker in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1983, S. 78.
1876 - 1907
Kinder mit Ziege und alter Bäuerin. 1902.
Öl auf Malpappe, auf Leinwand.
Rechts unten schwer leserlich datiert "10.1902". 50,5 x 72,8 cm (19,8 x 28,6 in). [CH].
• EIGENSTÄNDIG In klarer Profilansicht entfaltet sich Modersohn-Beckers ausdrucksstarke, unverwechselbare Bildsprache.
• ERZÄHLFREUDE Mit Witz und spielerischer Leichtigkeit schildert die Künstlerin die alltägliche Worpsweder Szene.
• AUSSTELLUNGEN Bereits 1914 erstmals ausgestellt und in den darauffolgenden Jahrzehnten mehrfach Teil umfassender Retrospektiven.
• PROVENIENZ Seit über 50 Jahren Teil einer norddeutschen Privatsammlung.
• MUSEAL Vergleichbare Arbeiten befinden sich u. a. in den Sammlungen des Von der Heydt-Museums, Wuppertal, der Kunsthalle Bremen, des Museums Wiesbaden und des Städel Museums, Frankfurt am Main.
Wir danken Rebecca Duckwitz, Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
Wir danken Jane Kallir, Kallir Research Institute, New York, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.
PROVENIENZ: M. Goldschmidt & Co., Frankfurt a. Main (1919).
Sammlung Kurt Grunebaum, Essen/New York (in den 1920er Jahren erworben, bis mindestens 1958).
Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen (vom Vorgenannten erworben, verso auf der Leinwand mit dem Galerieetikett, dort betitelt "Kinder mit Ziege und Drehbeen").
Privatsammlung Norddeutschland (1975 vom Vorgenannten erworben).
Seitdem in Familienbesitz.
AUSSTELLUNG: Paula Modersohn-Becker, Kunst- und Gewerbehaus Franz und Philine Vogeler Worpswede, Juli 1914 (ohne Katalog).
Ausstellung von Werken neuerer Kunst aus Hamburger Privatbesitz, Kunsthalle Hamburg, 1917, Kat.-Nr. 73.
Paula Modersohn-Becker (1876-1907), Galerie St. Etienne, New York, März/April 1958, Kat.-Nr. 5.
Paula Modersohn-Becker, Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a. Main, 27.2.-12.4.1975, Kat.-Nr. 7 (m. Abb.).
Paula Modersohn-Becker zum hundertsten Geburtstag, Kunsthalle Bremen und Böttcherstraße, Bremen, 8.2.-4.4.1976; Ernst Barlach Haus, Hamburg, 25.9.-21.11.1976, Kat.-Nr. 64 (verso auf der Leinwand mit dem Etikett).
Paula Modersohn-Becker. Die Landschaften, Kunsthalle Bremen (Ausstellung zum 75. Todestag der Künstlerin), 21.11.1982-20.3.1983, Kat.-Nr. 47 (m. Abb.).
LITERATUR: Günter Busch, Milena Schicketanz, Wolfgang Werner, Paula Modersohn-Becker 1876-1907. Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. II, München 1998, WVZ-Nr. 329 (m. SW-Abb., S. 229).
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Alfred Werner, A Woman of Valor, in: The American-German Review, Vol. 28, Philadelphia 1962, No. 4, S. 7-11 (m. Abb., S. 9).
Liselotte von Reinken, Paula Modersohn-Becker in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1983, S. 78.
Während ihres kurzen, intensiven Lebens reist Paula Modersohn-Becker mehrfach, für jeweils mehrere Monate, nach Paris. In der Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde und den großen Meistern der europäischen Kunstgeschichte findet sie wertvolle Impulse und auch der Austausch mit den Worpsweder Malern gibt ihr immer wieder entscheidende Anregungen. Doch tatsächlich emanzipiert sich die junge Malerin schon früh, findet zu einer beeindruckenden Eigenständigkeit und erarbeitet ihre ganz eigenen Bildlösungen, mit denen sie sich selbstbewusst und unbeirrt zu einer der frühen Protagonistinnen der Moderne entwickelt.
"Nach van Gogh und Munch tritt sie an die Spitze der Wegbereiter für eine moderne Kunst, noch ehe die Franzosen um Matisse und Picasso sich zu Wort gemeldet haben und noch bevor in Deutschland die 'Brücke' und der 'Blaue Reiter' auf den Plan getreten sind."
Günter Busch, 1949, zit. nach: Wolfgang Werner u. Anne Röver-Kann (Hrsg.), Paula Modersohn-Becker. Werkverzeichnis der Handzeichnungen, Bd. 1, München 2023, S. 29.
Auch in ihrer Farbigkeit geht Modersohn-Becker gänzlich eigene Wege. Im deutlichen Gegensatz zur hellen, farblich zergliederten Malerei der Franzosen bevorzugt Modersohn-Becker dunkles Licht und gedeckte Töne – "was für mich das Schönste ist, das Tiefe, das Satte in der Farbe" –, Töne, die sie ausschließlich in Worpswede findet und eben nicht im französischen Sonnenschein: "Ich möchte dann alle Farben tiefer haben, satter, und werde ganz ärgerlich bei dieser Helligkeit." (PMB, zit. nach: Uwe M. Schneede, Die Malerin, die in die Moderne aufbrach, München 2021, S. 84f.)
Ein den Farben innewohnendes, warmtoniges Leuchten, ihre erdige, zurückgenommene Farbskala zeigen sich hier besonders stimmungsvoll. Locker und mit deutlichem Pinselduktus trägt die Künstlerin die Farbe auf und bearbeitet die nasse Farboberfläche anschließend mit dem Pinselstiel, als habe sie einen Zeichenstift in der Hand: Die Farbflächen versieht sie mit spiralförmig gewundenen oder gezackten Linien und Schraffuren, bis eine zum Teil fast reliefartige, plastische Oberfläche entsteht.
In den Landschaftsraum eingebundene Figuren bilden eines der zentralen Themen im Œuvre der Künstlerin, mit dem sie sich in den Jahren ab 1904/05 noch intensiver beschäftigen wird. Die Einwohner Worpswedes dienen ihr dabei häufig als Modelle. Viele arbeiten tagsüber auf den Feldern oder sind zum Torfstechen im Moor, doch Modersohn-Becker gelingt es, junge Mädchen und ältere Bewohner zum Modellsitzen zu überreden. Kaum eine andere Person hat sie so oft gezeichnet und gemalt wie Anna "Mutter" Schröder aus dem Worpsweder Armenhaus, wegen ihres Krückstocks auch "Dreebeen" genannt.
"Sogar nach dem Abendbrot stürzen wir uns noch selbander hinüber ins Armenhaus und malen Farbstudien von der Kuh, der Ziege, der dreibeinigen Alten und all der Armenkinder." (Paula Modersohn-Becker in einem Brief an ihre Mutter, 27.6.1902, zit. nach: https://www.pmb-stiftung.de/biographie.html)
Das Motiv der alten Frau im Garten beschäftigt die Künstlerin über Jahre hinweg: Bis zu dem viel zu frühen Lebensende der Künstlerin 1907 findet sich Anna Schröder in zahlreichen Zeichnungen und Gemälden (vgl. "Alte Armenhäuslerin im Garten mit Glaskugel und Mohnblumen", 1907, Paula-Modersohn-Becker-Museum, Bremen). Innerhalb dieser Szenen wird die Dargestellte zu einer monumentalen, in sich ruhenden und zeitlosen Figur und ist damit Ausdruck der zentralen Anliegen in Modersohn-Beckers künstlerischer Suche nach Einfachheit, Größe und einer universellen Darstellung des Menschen.
In "Kinder mit Ziege und alter Bäuerin" zeigt Modersohn-Becker die Dargestellten in klarem Profil. Bewegung und Anordnung der Figuren suggerieren eine von links nach rechts verlaufende Dynamik und Lesbarkeit des Bildes. Mit Humor und spielerischer Leichtigkeit schildert die Künstlerin hier eine alltägliche Worpsweder Szene, die sie jedoch dramaturgisch durchdacht, in sanftes Abendlicht gehüllt und mit natürlicher Staffage ausgestattet, in eine fast bühnenartige Erzählung verwandelt. Das Temperament und die Persönlichkeit der Dargestellten zeigt sie feinfühlig beobachtet, ehrlich und unbefangen, ohne Scheu und Vorurteile. [CH]
"Nach van Gogh und Munch tritt sie an die Spitze der Wegbereiter für eine moderne Kunst, noch ehe die Franzosen um Matisse und Picasso sich zu Wort gemeldet haben und noch bevor in Deutschland die 'Brücke' und der 'Blaue Reiter' auf den Plan getreten sind."
Günter Busch, 1949, zit. nach: Wolfgang Werner u. Anne Röver-Kann (Hrsg.), Paula Modersohn-Becker. Werkverzeichnis der Handzeichnungen, Bd. 1, München 2023, S. 29.
Auch in ihrer Farbigkeit geht Modersohn-Becker gänzlich eigene Wege. Im deutlichen Gegensatz zur hellen, farblich zergliederten Malerei der Franzosen bevorzugt Modersohn-Becker dunkles Licht und gedeckte Töne – "was für mich das Schönste ist, das Tiefe, das Satte in der Farbe" –, Töne, die sie ausschließlich in Worpswede findet und eben nicht im französischen Sonnenschein: "Ich möchte dann alle Farben tiefer haben, satter, und werde ganz ärgerlich bei dieser Helligkeit." (PMB, zit. nach: Uwe M. Schneede, Die Malerin, die in die Moderne aufbrach, München 2021, S. 84f.)
Ein den Farben innewohnendes, warmtoniges Leuchten, ihre erdige, zurückgenommene Farbskala zeigen sich hier besonders stimmungsvoll. Locker und mit deutlichem Pinselduktus trägt die Künstlerin die Farbe auf und bearbeitet die nasse Farboberfläche anschließend mit dem Pinselstiel, als habe sie einen Zeichenstift in der Hand: Die Farbflächen versieht sie mit spiralförmig gewundenen oder gezackten Linien und Schraffuren, bis eine zum Teil fast reliefartige, plastische Oberfläche entsteht.
In den Landschaftsraum eingebundene Figuren bilden eines der zentralen Themen im Œuvre der Künstlerin, mit dem sie sich in den Jahren ab 1904/05 noch intensiver beschäftigen wird. Die Einwohner Worpswedes dienen ihr dabei häufig als Modelle. Viele arbeiten tagsüber auf den Feldern oder sind zum Torfstechen im Moor, doch Modersohn-Becker gelingt es, junge Mädchen und ältere Bewohner zum Modellsitzen zu überreden. Kaum eine andere Person hat sie so oft gezeichnet und gemalt wie Anna "Mutter" Schröder aus dem Worpsweder Armenhaus, wegen ihres Krückstocks auch "Dreebeen" genannt.
"Sogar nach dem Abendbrot stürzen wir uns noch selbander hinüber ins Armenhaus und malen Farbstudien von der Kuh, der Ziege, der dreibeinigen Alten und all der Armenkinder." (Paula Modersohn-Becker in einem Brief an ihre Mutter, 27.6.1902, zit. nach: https://www.pmb-stiftung.de/biographie.html)
Das Motiv der alten Frau im Garten beschäftigt die Künstlerin über Jahre hinweg: Bis zu dem viel zu frühen Lebensende der Künstlerin 1907 findet sich Anna Schröder in zahlreichen Zeichnungen und Gemälden (vgl. "Alte Armenhäuslerin im Garten mit Glaskugel und Mohnblumen", 1907, Paula-Modersohn-Becker-Museum, Bremen). Innerhalb dieser Szenen wird die Dargestellte zu einer monumentalen, in sich ruhenden und zeitlosen Figur und ist damit Ausdruck der zentralen Anliegen in Modersohn-Beckers künstlerischer Suche nach Einfachheit, Größe und einer universellen Darstellung des Menschen.
In "Kinder mit Ziege und alter Bäuerin" zeigt Modersohn-Becker die Dargestellten in klarem Profil. Bewegung und Anordnung der Figuren suggerieren eine von links nach rechts verlaufende Dynamik und Lesbarkeit des Bildes. Mit Humor und spielerischer Leichtigkeit schildert die Künstlerin hier eine alltägliche Worpsweder Szene, die sie jedoch dramaturgisch durchdacht, in sanftes Abendlicht gehüllt und mit natürlicher Staffage ausgestattet, in eine fast bühnenartige Erzählung verwandelt. Das Temperament und die Persönlichkeit der Dargestellten zeigt sie feinfühlig beobachtet, ehrlich und unbefangen, ohne Scheu und Vorurteile. [CH]
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