Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126000014
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126000014
Ernst Ludwig Kirchner
Russisches Tänzerpaar, 1909.
Farblithografie in vier Farben (Schwarz, Blau, ...
Schätzpreis: € 120.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000014
Ernst Ludwig Kirchner
Russisches Tänzerpaar, 1909.
Farblithografie in vier Farben (Schwarz, Blau, ...
Schätzpreis: € 120.000 - 180.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Ernst Ludwig Kirchner
1880 - 1938
Russisches Tänzerpaar. 1909.
Farblithografie in vier Farben (Schwarz, Blau, Rosarot und Gelb).
Signiert und bezeichnet "Handdruck". Eines von zehn bekannten Exemplaren. Auf Velin. 33,5 x 39,4 cm (13,1 x 15,5 in). Papier: 34,4 x 45,113,5 x 17,7
Verso mit dem zweifachen Stempel "Unverkäuflich E. L. Kirchner".
Laut des Werkverzeichnisses von Günther Gercken (Bd. II, 1909-1911) kommen die einzelnen Grundfarben in verschiedenen Nuancen vor.
• Meilenstein des Expressionismus: Eines der bedeutendsten graphischen Werke aus der Dresdner "Brücke"-Zeit.
• Bewegung, Dynamik, Vitalität: Kirchner übersetzt den Tanz als "gesteigertes Leben" in farbiger, expressiver Intensität.
• Virtuose Handdrucktechnik vom selben Stein in vier Arbeitsgängen, wodurch jedes Blatt seinen individuellen Unikat-Charakter erhält.
• Dargestellt sind die Primaballerina Olga Preobrajenskaja und Ballettmeister Georges Kiakscht des St. Petersburger Hoftheaters, die Kirchner 1909 bei einer Probe in Dresden erlebt.
• Weitere Exemplare der kleinen Auflage von lediglich zehn bekannten Lithografien befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter in der Staatsgalerie Stuttgart, und in der National Gallery of Art, Washington, D.C.
Wir danken Herrn Prof. Dr. Günther Gercken für die freundliche Auskunft.
PROVENIENZ: Wohl Nachlass des Künstlers.
Christian Laely, Davos (1946 aus vorgenanntem Nachlass entnommen und der fiktiven "Sammlung Gervais" zugeordnet, verso mit der handschriftlichen Nummerierung "K FL 12").
Privatsammlung Berlin (1987 erworben, Christie's, London).
Vom jetzigen Eigentümer vom Vorgenannten erworben.
AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner 1880-1938, Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, 29.11.1979-20.1.1980; Haus der Kunst, München, 9.2.-13.4.1980; Museum Ludwig in der Kunsthalle Köln, 29.4.-8.6.1980; Kunsthaus Zürich, 20.6.-10.8.1980, Kat.-Nr. 52 (m. Farbabb. S. 127, anderes Exemplar).
Ernst Ludwig Kirchner: Von Jena nach Davos. Eine Ausstellung zum 90. Gründungsjubiläum des Jenaer Kunstvereins, Stadtmuseum Göhre in Jena, 10.10.1993-16.1.1994, Kat.-Nr. 60 (m. Farbabb. S. 173, anderes Exemplar).
Es gibt nur ein Programm: Freiheit! Kirchner, Nolde, Heckel, Schmidt-Rottluff, Amiet und Hodler: Zum 100. Todestag von Botho Graef, Städtische Museen Jena, 3.9.-19.11.2017, Kat.-Nr. 45 (m. Farbabb. S. 58, anderes Exemplar).
Kirchners Kosmos: Der Tanz, KirchnerHAUS Aschaffenburg, 21.9.-30.12.2018, Kat.-Nr. 3 (m. Farbabb. S. 17 u. 71, anderes Exemplar).
LITERATUR: Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchner. Kritisches Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. II (1909-1911), Bern 2013, WVZ-Nr. 378 (m. Farbabb. S. 393, anderes Exemplar).
Annemarie u. Wolf-Dieter Dube, E. L. Kirchner. Das graphische Werk, Bd. I, München 1967, WVZ-Nr. L 130.
Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Bd. 1 (bis 1916), Berlin-Charlottenburg 1926, WVZ-Nr. 89.
- -
Eberhard W. Kornfeld, Ernst Ludwig Kirchner. Nachzeichnung seines Lebens, Katalog der Sammlung von Werken von Ernst Ludwig Kirchner im Kirchner-Haus Davos, Bern 1979, Nr. 188 (m. Farbabb. S. 29, anderes Exemplar).
Bernd Hünlich, Ernst Ludwig Kirchner, "Russisches Tanzpaar" und seine Entstehung, in: Dresdener Kunstblätter, 1983, Vol. 83, Nr. 1, (m. SW-Abb., anderes Exemplar).
Christie's, Manson & Woods, London, Important Modern and Contemporary Prints: The Properties of Peter Gidal and from Various Sources, 3732. Auktion, 2.12.1987, Los 498 (m. Farbabb.).
"Vielleicht kommt es daher, dass mich besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt. Aus ihr kommt mir das gesteigerte Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werkes ist."
Ernst Ludwig Kirchner, 1930, zit. nach: Bemerkungen über Leben und Arbeit, in: Das Werk. Schweizer Monatsschrift für Architektur, freie Kunst, angewandte Kunst, Bd. 17, Heft 1, Zürich, Januar 1930, S. 3.
1880 - 1938
Russisches Tänzerpaar. 1909.
Farblithografie in vier Farben (Schwarz, Blau, Rosarot und Gelb).
Signiert und bezeichnet "Handdruck". Eines von zehn bekannten Exemplaren. Auf Velin. 33,5 x 39,4 cm (13,1 x 15,5 in). Papier: 34,4 x 45,113,5 x 17,7
Verso mit dem zweifachen Stempel "Unverkäuflich E. L. Kirchner".
Laut des Werkverzeichnisses von Günther Gercken (Bd. II, 1909-1911) kommen die einzelnen Grundfarben in verschiedenen Nuancen vor.
• Meilenstein des Expressionismus: Eines der bedeutendsten graphischen Werke aus der Dresdner "Brücke"-Zeit.
• Bewegung, Dynamik, Vitalität: Kirchner übersetzt den Tanz als "gesteigertes Leben" in farbiger, expressiver Intensität.
• Virtuose Handdrucktechnik vom selben Stein in vier Arbeitsgängen, wodurch jedes Blatt seinen individuellen Unikat-Charakter erhält.
• Dargestellt sind die Primaballerina Olga Preobrajenskaja und Ballettmeister Georges Kiakscht des St. Petersburger Hoftheaters, die Kirchner 1909 bei einer Probe in Dresden erlebt.
• Weitere Exemplare der kleinen Auflage von lediglich zehn bekannten Lithografien befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter in der Staatsgalerie Stuttgart, und in der National Gallery of Art, Washington, D.C.
Wir danken Herrn Prof. Dr. Günther Gercken für die freundliche Auskunft.
PROVENIENZ: Wohl Nachlass des Künstlers.
Christian Laely, Davos (1946 aus vorgenanntem Nachlass entnommen und der fiktiven "Sammlung Gervais" zugeordnet, verso mit der handschriftlichen Nummerierung "K FL 12").
Privatsammlung Berlin (1987 erworben, Christie's, London).
Vom jetzigen Eigentümer vom Vorgenannten erworben.
AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner 1880-1938, Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, 29.11.1979-20.1.1980; Haus der Kunst, München, 9.2.-13.4.1980; Museum Ludwig in der Kunsthalle Köln, 29.4.-8.6.1980; Kunsthaus Zürich, 20.6.-10.8.1980, Kat.-Nr. 52 (m. Farbabb. S. 127, anderes Exemplar).
Ernst Ludwig Kirchner: Von Jena nach Davos. Eine Ausstellung zum 90. Gründungsjubiläum des Jenaer Kunstvereins, Stadtmuseum Göhre in Jena, 10.10.1993-16.1.1994, Kat.-Nr. 60 (m. Farbabb. S. 173, anderes Exemplar).
Es gibt nur ein Programm: Freiheit! Kirchner, Nolde, Heckel, Schmidt-Rottluff, Amiet und Hodler: Zum 100. Todestag von Botho Graef, Städtische Museen Jena, 3.9.-19.11.2017, Kat.-Nr. 45 (m. Farbabb. S. 58, anderes Exemplar).
Kirchners Kosmos: Der Tanz, KirchnerHAUS Aschaffenburg, 21.9.-30.12.2018, Kat.-Nr. 3 (m. Farbabb. S. 17 u. 71, anderes Exemplar).
LITERATUR: Günther Gercken, Ernst Ludwig Kirchner. Kritisches Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. II (1909-1911), Bern 2013, WVZ-Nr. 378 (m. Farbabb. S. 393, anderes Exemplar).
Annemarie u. Wolf-Dieter Dube, E. L. Kirchner. Das graphische Werk, Bd. I, München 1967, WVZ-Nr. L 130.
Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Bd. 1 (bis 1916), Berlin-Charlottenburg 1926, WVZ-Nr. 89.
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Eberhard W. Kornfeld, Ernst Ludwig Kirchner. Nachzeichnung seines Lebens, Katalog der Sammlung von Werken von Ernst Ludwig Kirchner im Kirchner-Haus Davos, Bern 1979, Nr. 188 (m. Farbabb. S. 29, anderes Exemplar).
Bernd Hünlich, Ernst Ludwig Kirchner, "Russisches Tanzpaar" und seine Entstehung, in: Dresdener Kunstblätter, 1983, Vol. 83, Nr. 1, (m. SW-Abb., anderes Exemplar).
Christie's, Manson & Woods, London, Important Modern and Contemporary Prints: The Properties of Peter Gidal and from Various Sources, 3732. Auktion, 2.12.1987, Los 498 (m. Farbabb.).
"Vielleicht kommt es daher, dass mich besonders die Beobachtung der Bewegung zum Schaffen anregt. Aus ihr kommt mir das gesteigerte Lebensgefühl, das der Ursprung des künstlerischen Werkes ist."
Ernst Ludwig Kirchner, 1930, zit. nach: Bemerkungen über Leben und Arbeit, in: Das Werk. Schweizer Monatsschrift für Architektur, freie Kunst, angewandte Kunst, Bd. 17, Heft 1, Zürich, Januar 1930, S. 3.
Ein zentrales Thema, das Ernst Ludwig Kirchner zeitlebens als unerschöpfliche Quelle der Inspiration dient, ist seine Faszination für Tanz und Bewegung. Bereits während seiner Dresdner Jahre, in der formativen Phase der Künstlergruppe "Brücke", besucht Kirchner regelmäßig Vorstellungen von Zirkusartisten, Tänzerinnen und Varietékünstlern. Die Eindrücke dieser Seherlebnisse kristallisieren sich in einer Fülle von Gemälden, Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten heraus, in denen er den flüchtigen Rhythmus und die Dynamik des bewegten Körpers einfängt. Die Szene der vorliegenden Farblithografie erfasst Kirchner zunächst in Form einer Zeichnung auf einer Postkarte an seinen Künstlerkollegen Erich Heckel: "Russische Tänzerin im Central ganz nett. Besten Gruß Dein Ernst." (Kirchner 1909, zit. nach: Roman Norbert Ketterer, u. Annemarie Dube Heynig, Ernst Ludwig Kirchner, Postkarten und Briefe an Erich Heckel, Köln 1984, Nr. 6). Mit "Central" bezieht sich Kirchner auf das 1899 eröffnete Dresdner Central-Theater an der Waisenhausstraße, das für sein abwechslungsreiches Varietéprogramm bekannt war. Kirchner besucht diese Aufführungen wiederholt, fasziniert von den Gesten, Kostümen und der vibrierenden Energie der Artisten, die er in eindringliche Kompositionen voller Ausdruckskraft übersetzt. Wie Gerd Presler treffend bemerkt: "Tanz verdichtet Zeit zu Dauer. Kirchner löst den Tanz aus allen statischen Rastern und zeigt ihn als das, was er wirklich ist: Gestaltete Zeit. Ein Geschehen in der vierten Dimension." (Gerd Presler, zit. nach: Kirchners Kosmos. Der Tanz, Ausst.-Kat. KirchnerHAUS Aschaffenburg, 2018, S. 17).
In dieser Farblithografie hält Kirchner eine Probenszene zwischen der russischen Primaballerina Olga Preobrajensky und dem Ballettmeister Georges Kiatschk des Petersburger Hoftheaters fest, die zu jener Zeit im Central-Theater gastieren. Die kraftvollen Konturen verdichten den Bewegungsablauf des Paares, während die kontrastierenden, leuchtenden Farben dem Blatt eine unmittelbare Frische und Spannung verleihen. Für diese künstlerische Übersetzung des Motivs schätzt Kirchner die Lithografie besonders. Als brillanter Zeichner nutzt er die Technik, um die Unmittelbarkeit des freien Strichs zu bewahren und die dynamische Spannung des Augenblicks in das endgültige Werk zu übertragen. Kirchner druckt jedes Blatt eigenhändig und ohne die Unterstützung eines professionellen Druckers. So entsteht eine äußerst kleine Auflage von lediglich zehn bekannten Exemplaren; jedes einzelne besitzt durch individuelle Farbnuancen und manuellem Farbauftrag Unikatcharakter und dokumentiert Kirchners experimentierfreudigen Umgang mit der Druckgrafik. [KA]
In dieser Farblithografie hält Kirchner eine Probenszene zwischen der russischen Primaballerina Olga Preobrajensky und dem Ballettmeister Georges Kiatschk des Petersburger Hoftheaters fest, die zu jener Zeit im Central-Theater gastieren. Die kraftvollen Konturen verdichten den Bewegungsablauf des Paares, während die kontrastierenden, leuchtenden Farben dem Blatt eine unmittelbare Frische und Spannung verleihen. Für diese künstlerische Übersetzung des Motivs schätzt Kirchner die Lithografie besonders. Als brillanter Zeichner nutzt er die Technik, um die Unmittelbarkeit des freien Strichs zu bewahren und die dynamische Spannung des Augenblicks in das endgültige Werk zu übertragen. Kirchner druckt jedes Blatt eigenhändig und ohne die Unterstützung eines professionellen Druckers. So entsteht eine äußerst kleine Auflage von lediglich zehn bekannten Exemplaren; jedes einzelne besitzt durch individuelle Farbnuancen und manuellem Farbauftrag Unikatcharakter und dokumentiert Kirchners experimentierfreudigen Umgang mit der Druckgrafik. [KA]
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