126000942
Fernand Léger
La partie de campagne, 1953.
Gouache auf Papier
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000942
Fernand Léger
La partie de campagne, 1953.
Gouache auf Papier
Schätzpreis: € 400.000 - 600.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Fernand Léger
1881 - 1955

La partie de campagne. 1953.
Gouache auf Papier.
Rechts unten monogrammiert. Verso mit einer handschriftlichen Echtheitsbestätigung von Nadja Léger, sowie von dieser datiert, betitelt und mit der Werknummer "H.X.N 55-L" bezeichnet. 54,5 x 79 cm (21,4 x 31,1 in), blattgroß. [JS].


• RARITÄT Großformatige, vielfigurige Gouachen Légers sind auf dem internationalen Auktionsmarkt von großer Seltenheit.
• HAUPTMOTIV "La partie de campagne" zählt neben "La grande parade" zu den zentralen Bildthemen des Spätwerkes.
• GEMÄLDEFASSUNGEN Berühmte Gemäldeversionen befinden sich im Centre Pompidou, Paris (1953), sowie in der Fondation Maeght (1954).
• MUSEAL Gouachen dieser Werkgruppe u. a. im Centre Pompidou, Paris, im Musée National Fernand Léger, Biot, und im Städel Museum, Frankfurt a. Main.
• VORBILD MANET "La partie de campagne" zitiert Manets berühmtes Skandalbild der Moderne "Le déjeuner sur l'herbe" (1863).
• PROVENIENZ Seit über 40 Jahren Teil einer deutschen Privatsammlung
.

Die Gouache ist im Archiv des Comité Léger, Paris, registriert und wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Galerie Felix Vercel, Paris (1981).
Galerie Salis, Salzburg/Österreich (vom Vorgenannten).
Privatsammlung Deutschland (1982 vom Vorgenannten erworben).
Seither in Famlienbesitz.

AUSSTELLUNG: Fernand Léger, Galerie Felix Vercel, Paris Mai/Juni 1981, Kat.-Nr. 7 (m. Abb., auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Fernand Léger. Zeichnungen, Gouachen, Ölgemälde, Festspielausstellung, Galerie Salis, Salzburg, 23.7.-19.9.1982.
Fernand Léger. Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen, Kunstverein Hamburg, 29.10.-1.1.1984, Kat.-Nr. 112 (auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Kunst des 20. Jahrhunderts aus privaten Sammlungen im Lande Bremen, Kunsthalle Bremen, 30.6.-15.9.1985, Nr. 103 (nicht im Kat., auf der Rahmenrückwand mit dem Transportetikett).
Fernand Léger. The Later Years, Staatsgalerie Stuttgart, 26.3.-19.6.1988, Kat.-Nr. 112 (m. Abb., auf der Rahmenrückwand mit dem Transportetikett).

Pressemitteilung des Museum of Modern Art, New York, anlässlich der Léger-Retrospektive, Februar 1998, zit. nach: moma.org.

Fernand Léger (1888–1955) – Meister des Kubismus und Schöpfer des "heroism of modern life"
Pablo Picasso, Fernand Léger und Georges Braque gelten als die drei großen Meister des Kubismus und der französischen Nachkriegsmoderne. Das absolute Alleinstellungsmerkmal von Légers Kunst aber, welches sein Schaffen ganz klar von den beiden anderen gefeierten Protagonisten der französischen Malerei unterscheidet, ist seine enorme und anhaltende Faszination für das moderne Leben. Während Légers frühe kubistische Arbeiten, wie das Gemälde "Contraste de formes" (1914, Sammlung Beyeler, Basel), als die ersten gänzlich abstrakten Gemälde des Kubismus gelten, in denen scheinbar unendlich aufeinandergestapelte zylindrische Formen in einem technisierten, den Rhythmus des modernen Lebens spiegelnden Szenario den Bildraum ausfüllen, findet Légers Werk um 1920 wieder zur menschlichen Figur zurück. Fortan wird Léger zum Schöpfer eines radikal neuen Stils, der sowohl aufgrund der außerordentlichen Modernität der Szenerien als auch durch seine moderne Bildsprache in scharf umrissenen, fast monochromen Farbflächen überzeugt. Da ist etwa der rauchende, muskulöse Mechaniker im Achselshirt mit Ringen und Tattoo ("Le Mécanicien", 1920, National Gallery of Kanada, Ottawa) oder die drei in ihrer Körperlichkeit massiven, aber dennoch lässig lagernden nackten Frauen mit Café, Obst, Buch und Karten seines berühmten "Le grand déjeuner" (1921/22, Museum of Modern Art, New York). Während Picasso sich in seiner zeitlich parallelen neoklassizistischen Periode mit seinen ebenfalls monumentalen Frauenfiguren weiterhin klassischen Bildthemen wie Badenden, Darstellungen von Mutter und Kind und Szenerien der antiken Mythologie zuwendet, ist Légers Malerei ganz dem Hier und Jetzt gewidmet. Nicht nur motivisch, sondern auch stilistisch scheint Léger bereits von da an zentrale Elemente der späteren Pop-Art vorwegzunehmen. Aber Légers Kunst feiert weder Stars noch Celebrities, sondern den Arbeiter und den ganz normalen Menschen. In der Pressemitteilung anlässlich der großen Léger-Retrospektive im Museum of Modern Art, New York, heißt es: "The only major modern artist to choose modernity itself as his subject, Léger's unique ability to capture the epic quality of everyday experience has earned him recognition as the painter of the 'heroism of modern life'. […] As he increasingly felt the need for an art that would address the general public, he extended the formal language of modernism to such subjects as construction workers and popular recreation. The artist's last great masterpiece, La grande Parade, état définitif […], 1954 shows circus performers moving in and out of free floating arcs of green, red and blue - - derived from a theory of color inspired by the flashing lights of Broadway. “ (Pressemitteilung des Museum of Modern Art, New York, Februar 1998, zit. nach: moma.org).

"La partie de campagne", "Les constructeurs" und "La grande parade" – Die großen Bildthemen des Spätwerkes
In den 1940er Jahren findet Léger ausgehend von seiner in Marseille entstandenen Werkgruppe der Taucher, "Les Plongeurs", zu seinen komplexen, vielfigurigen Kompositionen, welche sein Spätwerk in besonderer Weise auszeichnen und die Léger seit Ende der 1940er Jahre innerhalb verschiedener Bildthemen über mehrere Versionen und verschiedene künstlerische Techniken hinweg souverän variiert und weiterentwickelt. Ausgehend von "Les constructeurs", seinen berühmten, in einer geradezu blinden Choreografie des Alltäglichen miteinander auf dem Gerüst verwobenen Bauarbeitern, findet Léger mit "La partie de campagne", seiner modernen Interpretation einer Landpartie, und dem Motivkomplex "La grande parade", der die Figuren aus der Welt des Zirkus, Akrobaten, Clowns und Artisten, geradezu spielerisch auf dem Bildgrund zusammenführt, zwei Jahre vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 1955 zu den beiden zentralen Bildthemen seines reifen Schaffens. "La partie de campagne" verweist motivisch auf Edouard Manets weltberühmtes Skandalgemälde "Le déjeuner sur l'herbe" (1863, Musée d'Orsay, Paris), welches für den Pariser Salon im Jahr 1863 aufgrund seines mutigen Bruches mit allen bisherigen akademischen Traditionen abgelehnt worden war, und führt das Motiv der Landpartie souverän in die Moderne, indem es den Sonntagsausflug der arbeitenden Nachkriegsgesellschaft zum bildwürdigen Sujet erklärt – bei dem das den verheißungsvollen Aufschwung dieser Ära repräsentierende Automobil selbstverständlich nicht fehlen darf. Ein zentraler künstlerischer Impuls sind Légers Jahre in Amerika: Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges flieht der Künstler, der sich bereits vor dem Krieg öffentlich gegen den Faschismus positioniert hatte, in die amerikanische Metropole New York. Deren visuelle Dynamik sollte auch nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahr 1945 für seine Malerei in entscheidender Weise prägend sein.
In beiden Werkgruppen "La partie de campagne" und "La grande parade" verbindet Léger alltägliche Sujets mit einer Bildsprache, die Anregungen aus den Lichtreflexen des New Yorker Nachtlebens aufnimmt und bereits zentrale Elemente der amerikanischen Pop-Art vorwegnimmt: kräftige Konturen, leuchtende Farbflächen und klar voneinander abgesetzte Formen. Komplex, ornamental, plakativ und absolut neu ist Légers Stil, der seinen herausragenden Beitrag zur europäischen Moderne bis heute unverwechselbar macht. Léger, der Maler des "heroism of modern life", hat mit den großen Bildthemen seines Spätwerkes nicht nur motivisch, sondern auch stilistisch kunsthistorisch Bedeutendes geschaffen. Nur sehr selten werden heute noch großformatige Gouachen aus diesen wichtigen Werkgruppen auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten. Umso mehr freut es uns, dass die vorliegende Gouache, nachdem sie fast ein halbes Jahrhundert lang Teil einer wichtigen deutschen Privatsammlung war, nun erstmals wieder im Rahmen unseres Evening Sales öffentlich zu sehen ist. [JS]





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