126000993
Frank Auerbach
Head of E.O.W, 1972.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126000993
Frank Auerbach
Head of E.O.W, 1972.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

Frank Auerbach
1931

Head of E.O.W. 1972.
Öl auf Holz.
Links oben in der nassen Farbe bezeichnet "Stella". 34 x 22 cm (13,3 x 8,6 in).

• RELIEFARTIGE WUCHT Frank Auerbach türmt die pastose Farbe auf und erzeugt eine visionäre Dynamik.
• E.O.W. = Estella Olive West, langjährige Lebensgefährtin und prägende Inspirationsquelle des Künstlers.
• DURCHBRUCH Entstanden in der wegweisenden Schaffensphase der 1970er-Jahre, die 1978 in Auerbachs erster großer Londoner Retrospektive gipfelt.
• BEDEUTENDE PROVENIENZ Über 30 Jahre in der Privatsammlung von Auerbachs engem Freund und Künstlerkollegen R. B. Kitaj.
• HÖCHSTBEGEHRT Auerbachs pastose Porträts bilden die gesuchteste Werkgruppe seines Schaffens und erzielen regelmäßig Spitzenzuschläge auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: artprice.com).
• IM SPOTLIGHT 2027/28 wird die renommierte National Portrait Gallery in London Auerbachs Porträtwerk mit einer großen Einzelschau feiern
.

PROVENIENZ: Marlborough Fine Art, London (XL9581, verso mit dem Galerieetikett sowie verso auf der Rahmenrückwand mit dem Galerieetikett und dem Ausstellungsetikett).
Sammlung R.B. Kitaj (1978, verso auf der Rahmenrückwand mit einem Etikett).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Frank Auerbach. Recent Work, Marlborough Fine Art, London, April/Mai 1974, Kat.-Nr. 13 m. ganzs. SW-Abb. S. 14 (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
European Painting in the Seventies. New York by Sixteen Artists, Los Angeles County Museum of Art, 30.9.-23.11.1975; Saint-Louis Art Museum, 16.3.-9.5.1976; Elvehjem Art Center, Madison, Wisconsin, 8.6.-1.8.1976 (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Frank Auerbach, Hayward Gallery, London, 4.5.-2.7.1978; Fruit Market Gallery, Edinburgh, 15.7.-12.8.1978, Kat.-Nr. 101, m. Abb. S. 68 u. 92 (verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Frank Auerbach, Kunstverein in Hamburg, 18.10.-23.11.1986; Museum Folkwang, Essen, 16.1.-1.3.1987, S. 27 (m. Abb.).

LITERATUR: William Feaver, Frank Auerbach, New York 2022, WVZ-Nr. 307 (m. Abb.).
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Christie's, London, 7668. Auktion, The Collection of R.B. Kitaj, 7.2.2008, Los 339.

"The closer one is to something, the more likely it is to be beautiful. [..] I find myself simply more engaged when I know the people. They get older and change; there is something touching about that, about recording something that's getting on."
Frank Auerbach, 2013, zit. nach: Frank Auerbach im Gespräch mit Hannah Rothschild, "Frank Auerbach: An interview with one of our greatest living painters", The Telegraph, 2013 (https://www.telegraph.co.uk/culture/art/art-features/10336972/Frank-Auerbach-An
-interview-with-one-of-our-greatest-living-painters.html; aufgerufen 20.10.2026).

Das Œuvre Frank Auerbachs ist von einer unerschütterlichen, zutiefst persönlichen künstlerischen Vision geprägt. Durch ein methodisches Verfahren, bei dem pastose Ölfarbe in zahllosen Sitzungen des Auftragens, Abkratzens und erneuten Überarbeitens auf den Bildträger geschichtet wird, behaupten sich seine Arbeiten als eindrückliche Zeugnisse eines der bedeutendsten Protagonisten der europäischen Nachkriegsmalerei. In seinen komplexen, existenziell aufgeladenen Kompositionen behandelt Auerbach die Farbe als plastische Bildhauermasse, um reliefartige Bildoberflächen von monumentaler physischer Dichte zu modellieren. Nicht selten überarbeitet er dasselbe Bildfeld über Jahre hinweg hunderte Male. Dieser Praxis liegt ein rigoroses, von asketischer Selbstdisziplin bestimmtes Ethos zugrunde. Auerbach lebte zurückgezogen und ordnete sein Dasein dem malerischen Erkenntnisprozess unter. Dessen Antrieb wurzelt tief in seiner Biografie: "The whole thing is about the struggle [...]", konstatiert Auerbach 2013 in einem Interview. "I think it has to do with death. My childhood and biographical reasons – I think I must have felt that unless one justifies one's life and has something to show for it, then the whole thing is wasted." (Frank Auerbach im Gespräch mit Hannah Rothschild, zit. nach: "Frank Auerbach: An interview with one of our greatest living painters", The Telegraph, 2013).

Exil und künstlerische Genese
1931 als Sohn einer jüdischen Familie in Berlin geboren, wird er 1939 von seinen Eltern angesichts der nationalsozialistischen Verfolgung mit einem Kindertransport nach England geschickt; beide werden wenig später in Auschwitz ermordet. Nach Kindheitsjahren im Internat Bunce Court in Kent studiert Auerbach an der St Martin's School of Art und am Royal College of Art in London. Zwar widmet ihm die Beaux Arts Gallery bereits 1956 eine erste Einzelausstellung, doch vollzieht sich sein internationaler Durchbruch erst Mitte der 1960er Jahre durch Präsentationen bei Marlborough Fine Art in London und New York. Zu seinen frühesten Förderern zählt Francis Bacon, der die Galerieleitung nachdrücklich davon überzeugt, den damals unter prekärsten Bedingungen arbeitenden Künstler unter Vertrag zu nehmen.

"Head of E.O.W.": Intimität und malerische Verdichtung
Im Zentrum von Auerbachs Schaffen steht das schonungslos expressive Porträt eines engen Kreises vertrauter Personen, die über Jahrzehnte hinweg regelmäßig für ihn Modell sitzen. Das 1972 entstandene "Head of E.O.W." gehört zu einer bedeutenden Werkgruppe intensivster Nahsichten von Estella Olive West (E.O.W.), mit der Auerbach zwischen 1948 und 1973 eine wechselvolle Beziehung verbindet. Das Bildnis verströmt eine elektrisierende Intimität, erwachsen aus einem Vierteljahrhundert gelebter Nähe. Für Auerbach bildet die persönliche Beziehung zum Gegenüber den Ausgangspunkt jeder Bildfindung. Ein Gemälde beansprucht nach seiner Auffassung erst dann existenzielle Realität, wenn sich im Malakt die Bindung zwischen Maler und Modell vertieft. Diese emotionale Dimension setzt er mit der Haptik der Bildoberfläche gleich: "[...] the haptic, the tangible, what you feel when you touch somebody next to you in the dark." (Auerbach, zit nach: Catherine Lampert, Frank Auerbach. Speaking and Painting, London 2015, S. 23) Auerbach strebt nicht nach bloßer Ähnlichkeit, sondern trachtet danach, den Wesenskern des Gegenübers zu destillieren. Estellas Kopf füllt das Bildfeld in beinahe lebensgroßem Format nahezu vollständig aus; während das Licht ihre akzentuierten Züge streift, verharren die Vertiefungen in tiefen Schattenzonen. Über ihrem Haupt deuten fragmentarische Buchstaben "Stella" an, ihren vertrauten Rufnamen. Die einst geschmeidigen Farbaufträge haben sich zu reliefartigen Graten und dichten Farbwülsten verfestigt, das Resultat eines unablässigen Prozesses von Zerstörung und Neuanfang auf derselben Holztafel. Auerbach betrachtet dieses Verfahren als einzig adäquate Möglichkeit, die Summe aller akkumulierten Erfahrungen mit dem Gegenüber in einer einzigen Bildgestalt zu bündeln: "If I had 200 blank canvases maybe I would get one right." (Frank Auerbach im Gespräch mit Hannah Rothschild, The Telegraph, 2013). Rückblickend beschreibt Estella West diese intensiven Sitzungen mit Auerbach: "I realised there was some telepathy, some actual communication between us when he was painting me. […] Everything was all dripping with paint." (Estella O. West, zit. nach: Robert Hughes, Frank Auerbach, London 2000, S. 134) Weit mehr als ein bloßes Porträt, manifestiert sich "Head of E.O.W." als tiefgreifender psychologischer Erkenntnisakt. Seine vielschichtige, reliefartig bearbeitete Oberfläche macht jene zeitliche Dauer, Beharrlichkeit und Intimität greifbar, mit denen Auerbach Stella nicht bloß in ihrer äußeren Erscheinung festhält, sondern so, wie sich ihm ihr Wesen über Jahrzehnte hinweg erschlossen hat. [KA]





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