126001117
A. R. Penck (d.i. Ralf Winkler)
Männer II, 1981.
Dispersionsfarbe auf Leinwand
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001117
A. R. Penck (d.i. Ralf Winkler)
Männer II, 1981.
Dispersionsfarbe auf Leinwand
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
 

A. R. Penck (d.i. Ralf Winkler)
1939 - 2017

Männer II. 1981.
Dispersionsfarbe auf Leinwand.
280 x 400 cm (110,2 x 157,4 in). [AW].

• MONUMENTALES FORMAT mit A. R. Pencks einzigartiger Bildsprache.
• ZEITGESCHICHTLICHE MOTIVIK Krieg und Ost-West-Thematik treffen auf prähistorische Zeichensprache.
• WENDEPUNKT Entstanden in der Zeit von Pencks Ausbürgerung aus der DDR und Umsiedlung in die BRD.
• DOCUMENTA Teilnahmen 1972, 1977, 1982 und 1992 in Kassel.
• MUSEAL Arbeiten Pencks befinden sich u. a. im Stedelijk Museum, Amsterdam, in der Pinakothek der Moderne, München, und im Museum of Modern Art, New York.
• AUKTIONSMARKT International erstmals angeboten (Quelle: artprice.com)
.

PROVENIENZ: Mary Boone Gallery, New York (verso auf dem Keilrahmen mit dem Galerieetikett).
Galerie Michael Werner, Köln.
Privatsammlung Baden-Württemberg (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: A. R. Penck, Galerie Michael Werner, Köln, 1984, Kat.-Nr. 2 (m. Farbabb.).

A. R. Penck zählt zu den eigenständigsten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegskunst. In der DDR wiederholt schikaniert, entwickelt er ab den 1960er Jahren eine Bildsprache, die sich einer eindeutigen Lesart entzieht. Abstrahierte Figuren, Zeichen und Symbole verbinden sich zu einem offenen visuellen System. Pencks Bilder lassen sich lesen – jedoch nie nur auf eine Weise.

Das Pseudonym, unter dem Ralf Winkler bekannt wird, verweist auf den Geologen und Eiszeitforscher Albrecht Penck (1858–1945). Vor dem Hintergrund der deutschen Teilung gewinnt diese Wahl zusätzliche Resonanz: Die politische "Eiszeit" zwischen Ost und West bildet einen zentralen Erfahrungshorizont des Künstlers. Anders als im Osten erfährt Penck früh Anerkennung im Westen. Die documenta 5 im Jahr 1972 steht im scharfen Kontrast zum Ausstellungsverbot im Osten. 1980 folgt die Übersiedlung in die Bundesrepublik.

Im Jahr 1981, im Übergang zwischen diesen Lebenswelten, entsteht die sechsteilige Werkserie "Männer". Auf weitgehend leerem, weißem Bildgrund erscheinen in "Männer II" Figuren und Zeichen wie Elemente einer zugleich archaischen und modernen Schrift. Im Zentrum steht ein Mann mit erhobener Axt, daneben zwei bewaffnete Soldaten. Ein Adler, ein Panzer und ein Strichmännchen erweitern das Bildinventar. Hinzu treten ein urtümliches Gesicht aus wenigen Zeichen und ein mauerähnliches Konstrukt am oberen Bildrand. Gerade diese Offenheit erzeugt eine spannungsvolle Bildordnung, in der Aktion, Reaktion, Macht und Bedrohung zugleich anklingen. A. R. Penck spricht in einer Publikation der Galerie Michael Werner, die anlässlich der Werkserie erscheint, über Krieg und das männliche Urbedürfnis nach Kampf (vgl. A. R. Penck, in: Galerie Michael Werner, Männer, Köln 1984, o. S.). Vor diesem Hintergrund und mit der Entstehungszeit lässt sich diese Arbeit durchaus auch hinsichtlich des Kalten Krieges als Zeichen einer dauerhaft militarisierten Gegenwart lesen. Doch Penck formuliert keine eindeutige politische Allegorie. Vielmehr verdichtet er die Erfahrung einer in Blöcke geteilten Welt zu elementaren Zeichen, die im leeren Bildfeld zu schweben scheinen. Genauso schwebt Pencks Kritik am männlichen Kriegsdrang und den daraus rührenden Umständen auf einer weiteren Bedeutungsebene mit.

Pencks reduziertes aber prägnantes Vokabular sowie die Nähe zu Höhlenmalereien in "Männer II" wirkt unmittelbar zugänglich und lädt zur Deutung ein. In dieser produktiven Spannung liegt die besondere Präsenz der Arbeit. Die Kraft einer Bildsprache, die persönliche Erfahrung, aktuelles sowie auch immer da gewesenes Weltgeschehen wird hier in eine eindringliche, elementare Form übersetzt. [AW]





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