Auktion: 612 / Evening Sale am 04.12.2026 in München → Lot 126001215
Rahmenbild
126001215
Hans Hartung
T1947-27, 1947.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 700.000 - 900.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
126001215
Hans Hartung
T1947-27, 1947.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 700.000 - 900.000
Informationen zu Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung sind ab vier Wochen vor Auktion verfügbar.
Hans Hartung
1904 - 1989
T1947-27. 1947.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 80,5 x 100 cm (31,6 x 39,3 in). [JS].
• WEGWEISEND Perfekte Illusion zeichnerischer Spontaneität, wegweisend für Hartung und das europäische Informel.
• BIENNALE Ausgestellt 1948 auf der für die internationale Nachkriegsavantgarde wegweisenden ersten Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg.
• GUGGENHEIM Ehemals Teil der Sammlung Peggy Guggenheim, Venedig.
• SELTEN Arbeiten der 1940er Jahre sind von größter Seltenheit auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• MUSEAL Vergleichbare Gemälde befindet sich u. a. im Museum of Modern Art (1948) und im Metropolitan Museum (1949), New York.
Das Gemälde ist im Archiv der Fondation Hartung Bergman, Antibes, registriert und wird in das sich in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.
PROVENIENZ: Lefebvre-Foinet, Paris (um 1948, als Eigentümer auf dem Etikett der Biennale verzeichnet).
Peggy Guggenheim, Venedig (bis 1961).
Comune di Venezia (1961 von der Vorgenannten).
Daniel Cordier (1920-2020), Paris.
Galerie Dr. Rusche, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Norddeutschland (vom Vorgenannten).
AUSSTELLUNG: Galerie Denise René, Paris 1948.
XXIV. Biennale Internazionale d'Arte di Venezia,Venedig 1948, Nr. 448 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Galerie Lutz & Meyer, Stuttgart 1949.
Galerie Melki, Basel 1976.
LITERATUR: XXIV. Biennale di Venezia, Venedig 1948, Section Frankreich, wohl Kat.-Nr. 15, o. Abb.
Madeleine Rousseau, James Johnson Sweeney und Ottmar Dominik, Hans Hartung, I. Band einer internationalen Schriftenreihe über neue Kunst, Stuttgart 1950, o. S., m. Abb. SW-Tafel.
James Johnson Sweeney, Einführung, in: Hans Hartung, I. Band einer internationalen Schriftenreihe über neue Kunst, Stuttgart 1950, S. 1ff.
1904 - 1989
T1947-27. 1947.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 80,5 x 100 cm (31,6 x 39,3 in). [JS].
• WEGWEISEND Perfekte Illusion zeichnerischer Spontaneität, wegweisend für Hartung und das europäische Informel.
• BIENNALE Ausgestellt 1948 auf der für die internationale Nachkriegsavantgarde wegweisenden ersten Biennale nach dem Zweiten Weltkrieg.
• GUGGENHEIM Ehemals Teil der Sammlung Peggy Guggenheim, Venedig.
• SELTEN Arbeiten der 1940er Jahre sind von größter Seltenheit auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• MUSEAL Vergleichbare Gemälde befindet sich u. a. im Museum of Modern Art (1948) und im Metropolitan Museum (1949), New York.
Das Gemälde ist im Archiv der Fondation Hartung Bergman, Antibes, registriert und wird in das sich in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis aufgenommen.
PROVENIENZ: Lefebvre-Foinet, Paris (um 1948, als Eigentümer auf dem Etikett der Biennale verzeichnet).
Peggy Guggenheim, Venedig (bis 1961).
Comune di Venezia (1961 von der Vorgenannten).
Daniel Cordier (1920-2020), Paris.
Galerie Dr. Rusche, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Norddeutschland (vom Vorgenannten).
AUSSTELLUNG: Galerie Denise René, Paris 1948.
XXIV. Biennale Internazionale d'Arte di Venezia,Venedig 1948, Nr. 448 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Galerie Lutz & Meyer, Stuttgart 1949.
Galerie Melki, Basel 1976.
LITERATUR: XXIV. Biennale di Venezia, Venedig 1948, Section Frankreich, wohl Kat.-Nr. 15, o. Abb.
Madeleine Rousseau, James Johnson Sweeney und Ottmar Dominik, Hans Hartung, I. Band einer internationalen Schriftenreihe über neue Kunst, Stuttgart 1950, o. S., m. Abb. SW-Tafel.
James Johnson Sweeney, Einführung, in: Hans Hartung, I. Band einer internationalen Schriftenreihe über neue Kunst, Stuttgart 1950, S. 1ff.
Kandinsky, Hartung und Soulages – Pioniere der abstrakten Malerei
"Hans Hartung, European Pioneer Of Abstract Painting, Dies at 85" titelte die New York Times 1989 anlässlich von Hartungs Tod. Hans Hartung ist einer der wenigen deutschen Künstler seiner Generation, die sich nach nur vereinzelten figürlichen Versuchen von Anfang an konsequent der Abstraktion verschrieben haben. Ein Vortrag von Wassily Kandinsky, den der in Leipzig geborene Künstler 1925 während seiner Studentenzeit hört, wird dabei zum Schlüsselerlebnis. Bereits zu Beginn der 1930er Jahre entschließt sich Hartung, ausschließlich abstrakt zu arbeiten, und entwickelt seinen Stil nach seiner Übersiedlung in die Kunstmetropole Paris ab 1935 im engen Austausch mit den zeitgenössischen Protagonisten der Pariser Avantgarde weiter, bevor er schließlich ab Ende der 1940er Jahre neben Pierre Soulages zu einem der Pioniere des europäischen Informel werden sollte. Ähnlich wie bei Kandinsky, mit welchem Hartung in den 1930er Jahren in persönlichem Austausch steht, gehen auch bei Hartung Malerei und Musik eine enge Verbindung ein. Hartung war in seinen jungen Jahren ein begeisterter Pianist und Tänzer und pflegt ein geradezu obsessives Verhältnis zur Musik. Geradezu besessen ist Hartung von Musik, wobei seine Interessen dabei von Johann Sebastian Bach über Klassik und Jazz bis hin zu elektronischer Musik reichen. In einem Brief aus dem Jahr 1948 berichtet Pierre Soulages, mit dem Hartung ab Ende der 1940er Jahre befreundet ist: "Sein Radio läuft ständig – wenn er mich besucht, kann er nicht widerstehen, seine Lieblingsplatten abzuspielen. […] Selbst Momente der Ruhe und vor allem der Arbeit waren für ihn ohne Musik fast unerträglich." Anders als bei Kandinsky sind Malerei und Musik bei Hartung jedoch nicht durch einen theoretisch-programmatischen Ansatz miteinander verbunden, sondern gehen vielmehr – da Hartung beim Zeichnen und Malen fast immer Musik hörte – auf der Leinwand eine verblüffend direkte und unmittelbare Verbindung ein: Aus Dynamik und Rhythmus entwickelt Hartung unverwechselbare Farb- und Formklänge voller Energie. Unsere frühe Komposition "T 1947-27", nur zwei Jahre nach Kriegsende entstanden und bereits 1948 auf der für die Nachkriegsavantgarde so bedeutenden XXIV. Biennale di Venezia ausgestellt, überzeugt darüber hinaus durch ihre progressive, flächig-gestische Bildsprache, das kompositionsbeherrschende Element der schwarzen Lineatur und der Überlagerung, verschiedene malerische Stilmittel, die für Hartungs Œuvre fortan in entscheidender Weise prägend werden sollten.
"T 1947-27" – Perfekte Illusion zeichnerischer Spontaneität und Dynamik
Spielerisch leicht, mit geradezu tänzerischer Geste erscheint die vorliegende Komposition auf die Leinwand gesetzt. Die Linien und Formen auf türkisem Grund haben einen hoch dynamischen Ausdruck und sind zugleich von träumerisch-entrücktem Charakter. Hartung hat die feinen, wirbelnden Liniengefüge und die souverän gesetzten Farbflächen von leuchtendem Pastellgelb über Orange bis hin zu erdigem Braun in eine faszinierende Harmonie und Balance gebracht. Die inszenierte Schwerelosigkeit erinnert entfernt an die berühmten Mobiles von Alexander Calder, den Hartung Ende der 1930er Jahre als Teil der Pariser Avantgarde kennenlernt. Hartung gelingt es in unserer frühen und wegweisenden Komposition "T1947-27", die ehemals Teil der legendären Sammlung von Peggy Guggenheim in Venedig war, scheinbar Gegensätzliches zu vereinen, Dichte und Transparenz malerisch zusammenzuführen. Die verschiedenen schwebenden Formen, die in der faszinierenden Unmittelbarkeit ihres Ausdruckes einer gemalten Zeichnung gleichen, überlagern sich vielfach und geben doch zugleich den Blick in die Endlosigkeit entrückter Sphären frei. "T1947-27" ist ein besonders schönes Beispiel für Hartungs Meisterschaft, die einzigartige Unmittelbarkeit und Dynamik der Zeichnung in Malerei zu überführen. Weiß man jedoch um Hartungs Arbeitsweise der 1940er bis 1960er Jahre, dann ist man umso faszinierter von dieser meisterlich perfektionierten Illusion von Spontaneität und Dynamik: Denn bis 1960 liegt Hartungs Kompositionen eine exakte zeichnerische Vorbereitung zugrunde, die teils mithilfe der Quadratur ins große Format übertragen wird.
"T 1947-27" – Frühes Schlüsselwerk des europäischen Informel
Aber Hartung ging es um die Bewahrung des Ausdrucks von Handschriftlichkeit und der in der Zeichnung konservierten unmittelbaren schöpferischen Energie. Seinem künstlerischen Ziel sehr nah kommt Hartung bereits in seinen wunderbaren und heute seltenen Kompositionen der 1940er Jahre, welche die gestische Energie der Linie feiern, ein Charakteristikum, das die Malerei des europäischen Informel in den folgenden beiden Jahrzehnten in entscheidender Weise auszeichnen wird. Die Malerei des Informel basiert auf der freien Geste als unmittelbarem Ausdruck des Unbewussten, das in der Tradition der surrealistischen "écriture automatique" auf der Leinwand niedergeschrieben wird. "T1947-27" ist ein herausragendes frühes Beispiel dafür und gilt deshalb – wie auch die etwa zeitgleich entstandenen Kompositionen, die sich heute zum Großteil in bedeutenden internationalen Sammlungen, wie u. a. dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum, New York, befinden – als ein für die Malerei des europäischen Informel wegweisendes Schlüsselwerk.
Bereits 1956 wird Hartungs herausragendes malerisches Schaffen mit dem Guggenheim International Award der Solomon R. Guggenheim Foundation ausgezeichnet. Zwölf Jahre nachdem die vorliegende Komposition in Venedig ausgestellt war, wird Hartung 1960 mit dem Großen internationalen Preis für Malerei der Biennale di Venezia geehrt. Hartungs erste Einzelausstellung in Amerika folgt 1975 im Metropolitan Museum of Art, New York. Heute sind seine Werke Teil wichtiger Museumssammlungen weltweit. [JS]
"Hans Hartung, European Pioneer Of Abstract Painting, Dies at 85" titelte die New York Times 1989 anlässlich von Hartungs Tod. Hans Hartung ist einer der wenigen deutschen Künstler seiner Generation, die sich nach nur vereinzelten figürlichen Versuchen von Anfang an konsequent der Abstraktion verschrieben haben. Ein Vortrag von Wassily Kandinsky, den der in Leipzig geborene Künstler 1925 während seiner Studentenzeit hört, wird dabei zum Schlüsselerlebnis. Bereits zu Beginn der 1930er Jahre entschließt sich Hartung, ausschließlich abstrakt zu arbeiten, und entwickelt seinen Stil nach seiner Übersiedlung in die Kunstmetropole Paris ab 1935 im engen Austausch mit den zeitgenössischen Protagonisten der Pariser Avantgarde weiter, bevor er schließlich ab Ende der 1940er Jahre neben Pierre Soulages zu einem der Pioniere des europäischen Informel werden sollte. Ähnlich wie bei Kandinsky, mit welchem Hartung in den 1930er Jahren in persönlichem Austausch steht, gehen auch bei Hartung Malerei und Musik eine enge Verbindung ein. Hartung war in seinen jungen Jahren ein begeisterter Pianist und Tänzer und pflegt ein geradezu obsessives Verhältnis zur Musik. Geradezu besessen ist Hartung von Musik, wobei seine Interessen dabei von Johann Sebastian Bach über Klassik und Jazz bis hin zu elektronischer Musik reichen. In einem Brief aus dem Jahr 1948 berichtet Pierre Soulages, mit dem Hartung ab Ende der 1940er Jahre befreundet ist: "Sein Radio läuft ständig – wenn er mich besucht, kann er nicht widerstehen, seine Lieblingsplatten abzuspielen. […] Selbst Momente der Ruhe und vor allem der Arbeit waren für ihn ohne Musik fast unerträglich." Anders als bei Kandinsky sind Malerei und Musik bei Hartung jedoch nicht durch einen theoretisch-programmatischen Ansatz miteinander verbunden, sondern gehen vielmehr – da Hartung beim Zeichnen und Malen fast immer Musik hörte – auf der Leinwand eine verblüffend direkte und unmittelbare Verbindung ein: Aus Dynamik und Rhythmus entwickelt Hartung unverwechselbare Farb- und Formklänge voller Energie. Unsere frühe Komposition "T 1947-27", nur zwei Jahre nach Kriegsende entstanden und bereits 1948 auf der für die Nachkriegsavantgarde so bedeutenden XXIV. Biennale di Venezia ausgestellt, überzeugt darüber hinaus durch ihre progressive, flächig-gestische Bildsprache, das kompositionsbeherrschende Element der schwarzen Lineatur und der Überlagerung, verschiedene malerische Stilmittel, die für Hartungs Œuvre fortan in entscheidender Weise prägend werden sollten.
"T 1947-27" – Perfekte Illusion zeichnerischer Spontaneität und Dynamik
Spielerisch leicht, mit geradezu tänzerischer Geste erscheint die vorliegende Komposition auf die Leinwand gesetzt. Die Linien und Formen auf türkisem Grund haben einen hoch dynamischen Ausdruck und sind zugleich von träumerisch-entrücktem Charakter. Hartung hat die feinen, wirbelnden Liniengefüge und die souverän gesetzten Farbflächen von leuchtendem Pastellgelb über Orange bis hin zu erdigem Braun in eine faszinierende Harmonie und Balance gebracht. Die inszenierte Schwerelosigkeit erinnert entfernt an die berühmten Mobiles von Alexander Calder, den Hartung Ende der 1930er Jahre als Teil der Pariser Avantgarde kennenlernt. Hartung gelingt es in unserer frühen und wegweisenden Komposition "T1947-27", die ehemals Teil der legendären Sammlung von Peggy Guggenheim in Venedig war, scheinbar Gegensätzliches zu vereinen, Dichte und Transparenz malerisch zusammenzuführen. Die verschiedenen schwebenden Formen, die in der faszinierenden Unmittelbarkeit ihres Ausdruckes einer gemalten Zeichnung gleichen, überlagern sich vielfach und geben doch zugleich den Blick in die Endlosigkeit entrückter Sphären frei. "T1947-27" ist ein besonders schönes Beispiel für Hartungs Meisterschaft, die einzigartige Unmittelbarkeit und Dynamik der Zeichnung in Malerei zu überführen. Weiß man jedoch um Hartungs Arbeitsweise der 1940er bis 1960er Jahre, dann ist man umso faszinierter von dieser meisterlich perfektionierten Illusion von Spontaneität und Dynamik: Denn bis 1960 liegt Hartungs Kompositionen eine exakte zeichnerische Vorbereitung zugrunde, die teils mithilfe der Quadratur ins große Format übertragen wird.
"T 1947-27" – Frühes Schlüsselwerk des europäischen Informel
Aber Hartung ging es um die Bewahrung des Ausdrucks von Handschriftlichkeit und der in der Zeichnung konservierten unmittelbaren schöpferischen Energie. Seinem künstlerischen Ziel sehr nah kommt Hartung bereits in seinen wunderbaren und heute seltenen Kompositionen der 1940er Jahre, welche die gestische Energie der Linie feiern, ein Charakteristikum, das die Malerei des europäischen Informel in den folgenden beiden Jahrzehnten in entscheidender Weise auszeichnen wird. Die Malerei des Informel basiert auf der freien Geste als unmittelbarem Ausdruck des Unbewussten, das in der Tradition der surrealistischen "écriture automatique" auf der Leinwand niedergeschrieben wird. "T1947-27" ist ein herausragendes frühes Beispiel dafür und gilt deshalb – wie auch die etwa zeitgleich entstandenen Kompositionen, die sich heute zum Großteil in bedeutenden internationalen Sammlungen, wie u. a. dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum, New York, befinden – als ein für die Malerei des europäischen Informel wegweisendes Schlüsselwerk.
Bereits 1956 wird Hartungs herausragendes malerisches Schaffen mit dem Guggenheim International Award der Solomon R. Guggenheim Foundation ausgezeichnet. Zwölf Jahre nachdem die vorliegende Komposition in Venedig ausgestellt war, wird Hartung 1960 mit dem Großen internationalen Preis für Malerei der Biennale di Venezia geehrt. Hartungs erste Einzelausstellung in Amerika folgt 1975 im Metropolitan Museum of Art, New York. Heute sind seine Werke Teil wichtiger Museumssammlungen weltweit. [JS]
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