Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 339

 
339
Erich Heckel
Fränzi liegend, 1910.
Holzschnitt
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
+
Objektbeschreibung
Fränzi liegend. 1910.
Holzschnitt.
Dube H 188 II (von II). Signiert, datiert betitelt und bezeichnet "Handdruck". Auf festem gelblichen Papier. 23 x 41,9 cm (9 x 16,4 in). Papier: 36,2 x 55,5 cm (14,2 x 21,8 in).
Späterer Druck nach 1945. [SM].
• Eine Inkunabel des neuen "Brücke"-Stils.
• "Fränzi" ist weit mehr als ein Modell: Sie ist eine Ikone
.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 14.39 h +/- 20 Min.

Essay
Erich Heckels Holzschnitt "Fränzi liegend" zählt ohne Zweifel zu den Inkunabeln des neuen "Brücke"-Stils: Konzentration auf die Linie, flächige Körperlichkeit und starker Schwarz-Weiß-Kontrast, Betonung des druckgrafischen Prozesses. Die bewusste Aufsicht, die Heckel für die Darstellung des liegenden Aktes auf einer Decke wählt, betont die konkurrierenden schwarzen und weißen Flächen, auf die der Künstler den Akt gleichsam drapiert, den Kopf leicht auf die rechte Schulter gelegt, die Beine flüchtig überschlagen, kühn vom Bildrand überschnitten. Heckel gelingt das Zusammenspiel der Kontraste und er erzeugt zusätzlich Spannung für den nackten Körper, der die beiden dominanten Flächen mittels schwarzer Konturen auf weißem Grund verbindet, das Weiß der Unterschenkel unterbricht das Schwarz des Bodens. Das klassischerweise rechteckige Bildfeld ist unregelmäßig geformt und folgt der Form des Holzstocks. 1909 wird die damals achtjährige Lina Franziska Fehrmann (1900–1950), kurz Fränzi, Modell von Kirchner, Heckel und Pechstein. In ihrer präpubertären Ungezwungenheit erscheint sie den Künstlern als Ideal unverbildeter und damit natürlicher Körperlichkeit. Die Popularität des noch kindlichen Mädchens scheint unbegrenzt, sie verkörpert die Reform des Lebens im Sinne eines Zurück zur Natur und zur Darstellung des Natürlichen. „Fränzi“ ist Programm und lässt leitmotivisch anklingen, worum es den Künstlern der "Brücke" geht: eine von althergebrachten akademischen Regeln befreite Kunst, die in ihrer Entstehung unmittelbar mit dem Leben verbunden ist. "Fränzi" ist weit mehr als ein Modell. Sie wird für die Zeit um 1910 zu der die geistige Erneuerung der Kunst verkörpernden Ikone. Ihr frisches, knabenhaftes Auftreten bereitet den Künstlern schwärmerische Anregung, die sich in den Werken niederschlägt, vor allem bei Heckel und Kirchner. Fränzi, und immer wieder Fränzi! "Fränzi sitzend", "Fränzi stehend", "Fränzi hockend", "Fränzi badend" .. oder wie hier in bequemer Haltung liegend. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Erich Heckel "Fränzi liegend"
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