Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 342

 
342
Ernst Ludwig Kirchner
Hauptbahnhof in Dresden, Um 1914/15.
Federzeichnung
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
+
Objektbeschreibung
Hauptbahnhof in Dresden. Um 1914/15.
Federzeichnung.
Verso mit dem Nachlassstempel des Kunstmuseums Basel (Lugt 1570b) und der Registriernummer "F Be/Ab 6". Auf dünnem Velin. 17 x 21,7 cm (6,6 x 8,5 in), blattgroß.
Aus einem Skizzenbuch (vermutlich aus Presler Skb 47, 1915).
• Das städtische Leben wird zum Motiv der Moderne.
• Die Mischung aus sakraler Großarchitektur und hoch technisierter Nutzung fasziniert den jungen Architekten
.

Wir danken Herrn Prof. Dr. Dr. Gerd Presler für die freundliche Unterstützung.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Galerie Dr. Alfred Gunzenhauser, München (1973).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 14.42 h +/- 20 Min.

Essay
Über Jahrzehnte beschreibt die einschlägige Literatur zu Ernst Ludwig Kirchner diese Federzeichnung als Wiedergabe des Bahnhofs am Nollendorf Platz in Berlin. Im Vergleich mit historischen Postkarten hingegen, dokumentiert Kirchner um 1910 den Dresdner Hauptbahnhof, vom Wiener Platz aus gesehen. Der Hauptbahnhof befindet sich südlich der Altstadt Dresdens am Ende der Prager Straße in der Seevorstadt. An seiner Südseite beginnt das Schweizer Viertel; der am linken Blattrand angedeutete Turm markiert das ehemalige "Union-Hotel" an der Reichsstraße. Der Bahnhof erlebt in seiner Geschichte verschiedene Bauphasen und Erweiterungen. Das von Kirchner skizziert Gebäude von gewaltigem Ausmaß geht zurück auf einen Wettbewerb des Jahres 1892 zur architektonischen Gestaltung des neuen Hauptbahnhofes. Die Dresdner Bauräte Ernst Giese und Paul Weidner sowie der Leipziger Architekt Arwed Rossbach teilen sich einen ersten Preis. Der Neubau wirkt wie ein Kirchenschiff der Renaissance, einem Mittelschiff mit sechs Kopfgleisen, ein Novum der Bahnhofsarchitektur, und in den Seitenschiffen durchgehende Hochgleise. Nach etwas mehr als fünf Jahren Bauzeit ging das Gesamtbauwerk am 16. April 1898 in Betrieb. Kirchners Atelier in der Berliner Straße im Arbeiter Stadtteil Friedrichstadt liegt ein paar Minuten vom Dresdner Hauptbahnhof entfernt. Die Mischung aus sakraler Großarchitektur und hoch technisierter Nutzung fasziniert den jungen Architekten: die Fassade des gewaltigen "Ostwerks" mit den signifikanten Uhrentürmen und dem dazwischen platzierten, kolossalen Figurenschmuck – die Saxonia mit Herrscherstab und Schild, flankiert von Wissenschaft und Technik –, das dem Empfangsgebäude mit der mächtigen, 25 Meter hohen Kuppel und den dahinterfolgenden Bahnhofshallen vorgestellt ist, die umspannenden Bögen der Seitenschiffe, in welche die auf Brücken gelegten Gleise mit den von Dampflokomotiven gezogenen Zügen verschwinden. Autos, Passanten beleben den Wiener Platz längs der Architektur, zeigen den Alltag um den für damalige Verhältnisse riesigen Bahnhof. Er steht für den Beginn einer grundlegenden Neuordnung der gesamten Dresdner Eisenbahnanlage. Nicht selten wählt der Spaziergänger Kirchner Blicke auf Bauten und Straßenzüge, in Hinterhöfe, über Eisenbahnschienen, das städtische Leben wird zum Motiv der Moderne. Erfahrungen aus dem Architekturstudium lassen Kirchner souverän mit perspektivischen Mitteln umgehen und trotz aller Skizzenhaftigkeit in Zeichnungen, Radierungen und schließlich Gemälden dennoch die charakteristischen Details genau erfassen. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Ernst Ludwig Kirchner "Hauptbahnhof in Dresden"
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