Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 331

 
331
Karl Schmidt-Rottluff
Akt auf Teppich, 1911.
Farblithografie
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Objektbeschreibung
Akt auf Teppich. 1911.
Farblithografie.
Schapire L 79. Signiert, datiert und betitelt. Aus einer Auflage in unbekannter Höhe. Aufgrund des manuellen Farbauftrags ein Unikat. Auf chamoisfarbenem Velin. 33,6 x 39,8 cm (13,2 x 15,6 in). Papier: 42,3 x 49,7 cm (16,7 x 19,6 in).
[CH].
• Handabzug des Künstlers.
• Sehr selten: Bisher wurde nur ein weiteres Exemplar auf dem Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artprice).
• Ungewöhnlicher Blick des Künstlers auf das Modell.
• Aus der wichtigen "Brücke"-Zeit
.

Wir danken Frau Christiane Remm, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland.
Privatsammlung Süddeutschland (vom Vorgenannten erworben).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 14.31 h +/- 20 Min.

Essay
1911 zieht es die "Brücke"-Künstler um Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel nach Berlin und auch Karl Schmidt-Rottluff begibt sich Ende Oktober in die pulsierende Hauptstadt. Möglicherweise führt Schmidt-Rottluffs Umzug in die Großstadt und der daraus resultierende Umgang mit der Berliner Bohème zu einem neuen Bewusstsein im Schaffen des 26-Jährigen, das sich in seinen Arbeiten der darauffolgenden Monate in Form von experimentierfreudigeren, ja gewagteren Bildlösungen niederschlägt. Abseits seines Alltagslebens in Berlin verbringt der Künstler in diesem Winter 1911 auch einige Wochen in seinem kleinen Atelier in Hamburg. In der Hansestadt finden Schmidt-Rottluffs Werke große Resonanz und so gelingt es ihm, einige erste Sammler für seine Arbeiten zu begeistern. 1907 lernt er dann die in Hamburg lebende Kunsthistorikerin Rosa Schapire kennen, die seine Kunst nicht nur überaus zu schätzen weiß, sondern in den darauffolgenden Jahren als Sammlerin und Förderin auftritt und 1923 sogar das Werkverzeichnis seiner druckgrafischen Arbeiten veröffentlicht. Um 1911/12 entstehen im Hamburger Atelier unter anderem einige Akt-Darstellungen, die - wie auch die hier angebotene Arbeit - einer Werkgruppe zuzuordnen sind, in der Schmidt-Rottluff in Zeichnungen und druckgrafischen Arbeiten das Spannungsverhältnis zwischen Ruhehaltung und exzentrischer Bewegung ergründet. Unter anderem entstehen der farbige Holzschnitt "Modell" (1911, in Schwarz und Rot, Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung, Berlin) und die Kohlezeichnung "Auf dem Rücken liegender Akt" (1912, Brücke-Museum, Berlin). In der hier angebotenen Lithografie zeigt sich diese Experimentierfreudigkeit mit künstlerischen Techniken ganz besonders gut. Die Verwendung neuer Motive, der experimentelle Charakter der hier zur Schau gestellten technischen Fertigkeiten, die expressionistischen, kräftigen Umrisslinien und die deutliche Tendenz zur Vereinfachung der Form machen dieses seltene druckgrafische Unikat zu einem eindrucksvollen Beispiel der gesuchten "Brücke"-Kunst. [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Schmidt-Rottluff "Akt auf Teppich"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
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Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.