Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 551

 
551
Franz von Lenbach
Lily von Poschinger, Um 1896.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 9.000 - 12.000
+
Objektbeschreibung
Lily von Poschinger. Um 1896.
Öl auf Leinwand.
Rechts mittig signiert. 58 x 53 cm (22,8 x 20,8 in).

• Besonders frühes Portrait der Dargestellten
• Eines der bevorzugten Modelle Lenbachs
• Zauberhaft leichte Malweise und zarte harmonische Farbigkeit
.

AUSSTELLUNG: Franz von Lenbach und die Schönen seiner Zeit, Museum Pflegschloss/Lenbachmuseum Schrobenhausen, 16.10.2016-22.1.2017 (im Kat. Abb. S. 53).

„Von ihm gemalt zu werden bedeutet für die Frauen seiner Zeit einen Schönheitspreis, ja, es bildete sich ein weiblicher Lenbachtyp."
Zit. nach der Malerin und Schriftstellerin Hermine Hanel (1874-1944), in: Ausst.-Kat. Lenbach und die Schönen seiner Zeit, Schrobenhausen 2016/17, S. 76.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 17.51 h +/- 20 Min.

Essay
Maria Karolin, genannt Lily von Poschinger (1875-1965), geb. Seitz, ist die Tochter des königlich bayerischen Kommerzienrates Heinrich Seitz und dessen Frau Marianne. Seit 1896 ist sie mit Benedikt Ferdinand Berhardin von Poschinger verheiratet, aus der Familie der Besitzer der gleichnamigen und ältesten deutschen Glasmanufaktur im Bayerischen Wald. Lenbach fertigt von ihr über einen längeren Zeitraum mehrere Porträts, von denen das unsrige angesichts des jugendlichen Erscheinungsbildes der Dargestellten vermutlich am Anfang stehen dürfte. Mit leicht nach hinten geneigtem Kopf, herausfordernd-verführerisch und zugleich verträumt, lässt Lenbach ihre jugendliche Schönheit für sich sprechen. Die vornehme Blässe der Haut und das feine, rotblonde Haar mit goldenem Schimmer sowie die warmen braunen Augen konkurrieren nicht mit dem Glanz von Diamanten oder Perlen, wie in einem späteren Porträt Lilys. Dennoch wird eine gewisse aristokratisch-elitäre Distanz in dem am Betrachter vorbeigehenden Blick, dem Heben des Kopfes wie auch durch das ihre Schultern einhüllende Kleid im Vordergrund deutlich. Lily von Poschinger entspricht sicherlich einem Typus altmeisterlicher Idealschönheit, wie Lenbach sie in barocken Werken von Tizian, Rembrandt und Rubens bewunderte. In der Vorbereitung seiner Bildnisse führte er dabei keine akribischen Studien aus, sondern versuchte in der Schnelligkeit den essenziellen Eindruck einer Person einzufangen, was er im ausgeführten Porträt auch in der Leichtigkeit der Pinselführung zu bewahren sucht. In dem gerundeten Ausschnitt zentriert sich der Blick ganz auf das helle Gesicht und erinnert entfernt an zeitgenössische Visitenkarten mit ovalen Fotografie-Porträts, mit denen sich Lenbach ebenfalls beschäftigt und gegenüber denen sich die Malerei Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere in der Gattung des Porträts, neu zu positionieren hat. Ab 1890 wird Lenbachs Atelier in der neu errichteten Villa im Stil der Renaissance zum Zentrum der Gesellschaft, wo sich vor allem kunstinteressierte Frauen, Maler, Dichter Musiker und Intellektuelle aufhalten. Vor allem den Damen der Gesellschaft, die ihn fördern und in ihre Kreise einführen, hat Lenbach viel zu verdanken – er würdigt sie seinerseits in zahlreichen wundervollen Porträts, wobei Lily von Poschinger für ihn von besonderem malerischen Interesse gewesen zu sein scheint. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Franz von Lenbach "Lily von Poschinger"
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