Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 120001944

 
120001944
Gabriele Münter
Studie mit Telegraphenstange, 1923.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 150.000 - 200.000
+
Objektbeschreibung
Studie mit Telegraphenstange. 1923.
Öl auf Malpappe über Bleistift.
Links unten signiert. Verso abermals signiert, mehrfach datiert "25. X.23", "25.X 23. II" und "Herbst 1923/5" sowie zweifach betitelt.
Verso mit dem Nachlassstempel sowie einem Aufkleber mit der teils gestempelten, teils handschriftlichen Nummer "L 78" und einem Etikett, dort die gestempelte Nummerierung "1218". 33 x 45 cm (12,9 x 17,7 in).

• Gabriele Münter erobert sich nach den Trennungsjahren von Kandinsky mit dieser Landschaft 1923 ihr so geliebtes blaues Land zurück.
• Stimmungsvoller, herbstlicher Blick auf den Staffelsee voll leuchtender Farbkraft
• Mit den pastosen Farbsetzungen erinnert der Malstil an Gabriele Münters expressiven Duktus zur Zeit des "Blauen Reiter"
.

PROVENIENZ: Nachlass der Künstlerin
Privatsammlung Süddeutschland (direkt vom Vorgenannten erworben)
Privatsammlung Süddeutschland (Schenkung vom Vorgenannten).

AUSSTELLUNG: Gabriele Münter malt Murnau, Schlossmuseum Murnau, 26.7.-3.11.1996, und August Macke Haus, Bonn, 10.11.1996-16.2.1997, S. 105.
Gabriele Münter, Städtische Galerie, Bietigheim-Bissingen, 3.7.-19.9.1999, Nr. 45, Farbabb. S. 127.

Essay
Ein lichter Tag im Oktober muss es gewesen sein, als Gabriele Münter sich aufmacht und den idealen Punkt sucht für den Blick auf den Staffelsee mit der sanften, hügeligen Rahmung im Süden, das Hörnle, dem erster Berg der Ammergauer Alpen, im Hintergrund. Und diesen idealen Ort für diese wie eine beglückende Befreiung wirkende Landschaft findet sie oberhalb des kleinen Nachbarortes Seehausen, ein Ort direkt am Staffelsee, nicht nur der Künstlerin bekannt für die traditionelle Hinterglasmalerei. Die Künstlerin steht oberhalb einer herrschaftlichen Villa am Hang in Mitten von gemähten Wiesen. Die Laubbäume sind herbstlich goldgelb gefärbt, das Nadelholz am See und über die sanften Anhöhen verteilt liegt im Schatten der Wolken, die sich auch im Wasser des Staffelsees spiegeln. Die Sonne verabschiedet sich hinter dem Hörnle, erhellt noch die Wolkenfetzen am azurblauen Himmel. Und der Telegrafenmast? Gabriele Münter spart ihn nicht aus, setzt ihn, eine Errungenschaft der Moderne, wenn auch an den Rand des Motivs doch sehr prominent ins Bild. Er gehört zum Landschaftsbild und dennoch wirkt er wie ein Zitat etwa nach dem Gemälde „Die Telegrafenmasten in Malakoff“ von Henri Rousseau. Münter ist Vertraut mit dem Werk des großen Franzosen, ein ‚Heiliger’ für die Künstler um den Blauen Reiter. Oder erinnert sich Gabriele Münter an Kandinskys Gemälde „Eisenbahn bei Murnau“ mit den ebenso prominent gesetzten Telegrafenmasten aus dem Jahr 1909, zu Beginn jener glücklichen Jahre in dem gemeinsamen ‚Russenhaus’?
Seit 1915 ist die Künstlerin nicht mehr vor Ort, als sie nach der Trennung von Wassily Kandinsky 1914, im Frühjahr nach Stockholm aufbricht, um dort noch einmal mit ihm für 3 Monate zusammenzukommen, anschließend weiter nach Kopenhagen reist und letztlich erst im Frühjahr 1920 nach fünf Jahre in Skandinavien nach Deutschland zurückkehrt, nach München und nach Murnau. Gabriele Münter lebt in großer Isolation in Murnau, kann die Tatsache nicht überwinden, dass Kandinsky in Moskau heiratet und mit seiner Frau Nina 1920 nach Berlin und Weimar ausreisen kann, um seinen Ruf als Meister an das von Walter Gropius gegründete Bauhaus nachzukommen. In Murnau entstehen in deser Zeit vielleicht auch deshalb kaum nennenswerte Gemälde; Gabriele Münter zeichnet viel. Erst 1923 zeigen sich wieder aufkeimende Ansätze in ihrer Malerei, es entsteht eine Reihe von Ansichten Murnaus und vom Staffelsee. Gabriele Münter ‚erobert’ sich, wie mit dieser Landschaft, ihr so geliebtes Blaue Land zurück. Ihre Palette ist nach wie vor kräftig, hat nicht eingebüsst an gewagten Kontrasten in den Blau- und Rottönen; die Pinselführung hingegen ist in gewisser Weise unruhig und erinnert mit den pastosen Setzungen an die frühe Zeit ihres expressiven Stils zur Zeit des Blauen Reiter. [MvL]
 


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