Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 570

 
570
Karl Hagemeister
Waldweiher, Um 1884.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 35.000 - 45.000
+
Objektbeschreibung
Waldweiher. Um 1884.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 156. Rechts unten signiert. 109 x 165 cm (42,9 x 64,9 in).

• Besonders schöne, farbintensive Landschaft aus der Zeit, in der Hagemeister zu einer neuen impressionistischen Naturauffassung findet
• Variationsreiche malerische Ausführung, die Hagemeisters Talent unter Beweis stellt
.

PROVENIENZ: Sammlung R. Hallensleben (1917 erworben).
Karrenbauer Auktionen, Konstanz, Auktion 29.3.2003, Los 1738 (mit Abb.).
Potsdamer Kunstsalon in der Villa Mendelssohn, Potsdam.
Privatsammlung Brandenburg (2009 beim Vorgenannten erworben).

„Ich lebe jetzt nur noch in Vorbereitung für Landschaft, studiere und probiere meine neue Palette, die die farbigste ist, die denkbar. […] Ich werde heuer viele kleine Farbskizzen malen und meine Palette anwenden lernen. Die Landschaft hat den Vorteil, dass uns peinliches Ausführen, das beim Stilleben so wichtig ist, nicht hindert, besonders bei großen Bildern, die halb vollendet aussehen. Das einzig Auszuführende ist mir in der Landschaft die Farbe.“
Zit. nach: Hendrikje Warmt, Karl Hagemeister, Berlin 2016, S. 110.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 18.10 h +/- 20 Min.

Essay
Während eines Parisaufenthaltes 1884 macht Hagemeister die Bekanntschaft mit Manet und den Impressionisten, was sein malerisches Werk nachhaltig beeinflusst. Mit einer zunehmend heller und zarter werdenden Farbpalette entwickelt er den Ton aus dem gleichmäßig im Raum verteilten Licht. Das Streben, aus der stilllebenartigen Naturauffassung zu einer intensiv bewegten Naturstimmung zu gelangen, führt ihn nach zwölf Jahren des Reisens in seine havelländische Heimat zurück. Hier bricht sich seine künstlerische Neuausrichtung in den Seenlandschaften am deutlichsten Bahn. Ähnlich wie das Pariser Umland wurden auch die märkischen Seen von den Berliner Stadtbewohnern als Naherholungsgebiet erschlossen und bieten den Malern in ihrer Vielfalt der Ausblicke und Stimmungen zahlreiche Motive, in denen sich die Ruhe und stimmungsvolle Atmosphäre einer dem großstädtischen Treiben enthobenen Natur entdecken lässt. In Ferch, einem kleinen Ort am südlichen Ende des Schwielowsees, erkennt Hagemeister, „dass die Natur kein Stilleben ist, sondern ein schöpferischer, ewig arbeitender Organismus“, den er in den wechselvollen Lichtstimmungen eines sich ständig verändernden, Wind und Wetter unterworfenen Eindrucks in der Farbe nachzuschöpfen versucht. Die Stille, Anmut und Lebendigkeit der Landschaft sind für ihn deren „seelisches Element“, dem er vor Beginn des Malprozesses in freier Natur zunächst im Verharren in der Landschaft nachzuspüren versucht, ehe er diese anschließend auf die Leinwand bringt. In faszinierender malerischer Vielfalt richtet sich der Blick auf das sumpfige Ufergehölz, in dem sich Linien, Tupfen und Farbflächen überlagern und durchdringen. Gegen die von hell- und dunkelgrünen Lichtreflexen belebten Pflanzen und Gräser setzt Hagemeister das stille Blau des Wassers, das zugleich das klare Blau des Himmels spiegelt. So lässt Hagemeister den Betrachter auch die scheinbar unbedeutenden und leicht zu übersehenden Winkel der Natur auf wundervolle Art entdecken. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Hagemeister "Waldweiher"
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