Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 237

 
237
Gerhard Richter
Grün-Blau-Rot, 1993.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 250.000 - 300.000
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Objektbeschreibung
Grün-Blau-Rot. 1993.
Öl auf Leinwand.
Butin 81. Elger 789-45. Verso signiert, datiert und bezeichnet "789-45" sowie auf dem Keilrahmen mit der gestempelten Bezeichnung "Edition for Parkett No. 35". 29,5 x 39,5 cm (11,6 x 15,5 in).
Herausgegeben von der Kunstzeitschrift Parkett, Zürich (Edition des Heftes Nr. 35, März 1993).
• Unikat.
• Zauberhafte Illusion von schöner Malerei.
• Mit dem Einsatz des Rakels definiert Richter das Thema Abstraktion in der Malerei neu.
• Das Prinzip Zufall erhebt Richter zum gestalterischen Prinzip.
• Die Reihe Grün-Blau-Rot zählt zu den Gefragtesten des Künstlers
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

AUSSTELLUNG: Silent & Violent: Selected Artists' Editions, MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, USA. 19.03.-31.08.1995.
Collaborations with Parkett: 1984 to Now, MoMA, New York, USA, 05.04.-05.06.2001.
Beautiful Productions: Parkett Editions since 1984, Irish Museum of Modern Art (IMMA), Dublin, Irland, 21.06.-28.10.2002.
Parkett - 20 Years of Artists' Collaborations, Kunsthaus Zürich, Zürich, Schweiz, 26.11.2004-13.02.2005.
200 Artworks - 25 Years, Artists' Editions for Parkett, 21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa, Japan, 04.09.-26.09.2009.

LITERATUR: Parkett Kunstmagazin, Nr. 35, 1993, Kollaboration mit Gerhard Richter (mit Farbabb. S. 98).
Galerie Ludorff: 40 Jahre 40 Meisterwerke, Düsseldorf 2015, S. 97.
Dietmar Elger, Gerhard Richter. Catalogue Raisonné 1988-1994, Vol. 4 (Nr. 652-1 bis 805-6), Ostfildern 2015, Kat.-Nr. 789-45, S. 524/525 (mit Farbabb. S. 524, Installationsansicht).
Folkwang Museum (Hrsg.), Gerhard Richter: Die Editionen, Essen, 2017, S. 58.
Hubertus Butin, Gerhard Richter. Unikate in Serie / Unique Pieces in Series, Köln, 2017, S. 136-137.

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 18.04 h +/- 20 Min.

Essay
Seit 1965 fertigt Gerhard Richter Drucke, Fotografien, Ölgemälde, Künstlerbücher, Multiples, Poster und Wandteppiche in Auflage. Editionen sind neben Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Rauminstallationen ein zentraler Teil in Gerhard Richters Werk. Die zahlreichen Druckgrafiken, Foto-Editionen und nicht zuletzt Ölbild-Editionen erscheinen bei Richter nicht als eine Art 'künstlerischer Sonderform' wie bei vielen anderen Künstlern seit Mitte der 1960er Jahre, sondern sind wegen den verschiedenen Medien, die Richter zur Anwendung bringt, Bestand seines enzyklopädischen Systems bildnerischer Methoden. Nach den ersten Ölbild-Editionen wie "Vermalung (Grau)", (1971), "Vermalung (Braun)" von1972, "Rot-Blau-Gelb" (1973), "Grau" (1974) und weiteren, entsteht 1993 diese Edition mit dem ebenso prägnanten Titel "Grün-Blau-Rot". Der Titel benennt die drei verwendeten Farben und die Reihenfolge, in der sie auf die einzelnen kleinen Leinwände von Richter für die Schweizer Kunstzeitschrift "Parkett" aufgetragen sind. Sind die ersten Vermalungen noch mit dem Pinsel ausgeführt, bedient sich Richter seit Ende der 1970er Jahre auch der Rakeltechnik. Der Rakel ist eine unterschiedlich lange, schmale Leiste aus Kunststoff, mit der die Farbmaterie über die Leinwand gezogen wird. Er hinterlässt je nach Auftrag der Farbmasse meist dünne, glatt verzogene Farbschichten, die den individuellen Pinselduktus ersetzen respektive gleichermaßen ausschließen. Abstrakte Bilder seit 1987 sind fast ausschließlich in dieser Technik gemalt. Mit dem Einsatz des Rakels entwickelt Richter eine eigenständige Technik; mit dem Ergebnis eröffnet er sich ungeahnte Möglichkeiten bildimmanenter, rein formaler Struktur, mit der Richter das Thema Abstraktion in der Malerei neu definiert. "Grün-Blau-Rot" ist abstrakte Malerei mit drei in einem starken Kontrast stehenden Farben. Die grundierte Leinwand überdeckt der Künstler mit dem Rakel flächendeckend in einem kräftigen Grün, überzieht das Ergebnis zunächst mit einem sehr dunklen Blau, es folgt das leuchtende Rot. Natürlich gewichtet Richter die Farbfelder, gibt hier dem Rot gegenüber dem Blau den Vorzug und schafft so eine inspirierte Illusion von Raum und damit auch eine Wertigkeit der Komposition, die nicht nur in ihrer farbperspektivischen Abfolge von Edition zu Edition wechselt, sondern auch dem Prinzip des Zufalls unterliegt und Richter damit das Unvorhersehbare zum gestalterischen Prinzip erhebt. "Ich habe eben nicht ein ganz bestimmtes Bild vor Augen, sondern möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte. Also, diese Arbeitsmethode mit Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung läßt zwar einen bestimmten Bildtypus entstehen, aber nie ein vorherbestimmtes Bild. [..] Ich möchte ja gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann." (Gerhard Richter, Text, Schrift und Interviews, hrsg. von Hans-Ulrich Obrist, Frankfurt a. M. 1993, S.77). Richters autonomer Umgang mit abstrakter Malerei erweist ihn nicht nur als der Maler seiner Generation, sondern auch als Künstler, der es versteht, dem 'Zufall' eine zauberhafte Illusion von schöner Malerei zu entlocken. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gerhard Richter "Grün-Blau-Rot"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.