Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 120002348

 
120002348
Julius Bissier
28. Dez 58 II, 1958.
Eiöltempera auf Leinen
Schätzpreis: € 8.000 - 12.000
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Objektbeschreibung
28. Dez 58 II. 1958.
Eiöltempera auf Leinen.
Links unten signiert und datiert "28. Dez 58". 18,5 x 21,3 cm (7,2 x 8,3 in). [CH].

• Im Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit wird Bissier mit einer ersten großen Retrospektive in der Kestner Gesellschaft in Hannover geehrt (Wanderausstellung, anschließend in der Kunsthalle Bremen, im Städtischen Museum, Duisburg, u. a.).
• Im selben Jahr folgt eineTeilnahme an der XXIX. Biennale in Venedig
.

Das Werk ist im Archivio Bissier, Ascona, unter der Archiv-Referenz "28. Dez 58 II/7+8 III.Diap" verzeichnet. Wir danken für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Moeller Fine Art Ltd., London.
Sammlung Deutsche Bank (vom Vorgenannten erworben).

Essay
Im Jahr 1961 übersiedelt Bissier von Hagnau am Bodensee, wo er seit 1939 wohnt, ins Tessin. In Ascona lebt er in der Casa Rondine, einem kleinen ehemaligen Weingärtnerhaus, in dem sich heute das Archiv Bissier befindet. Hier fotografiert er, spielt Cello und empfängt viele Freunde, darunter den ab 1960 in Basel lebenden Mark Tobey, den bei Locarno lebenden Hans Arp und Erich Kästner, der sich in den 1960er Jahren häufig im Tessin aufhält. Aber auch mit so namhaften Kunsthistorikern wie Werner Schmalenbach, Will Grohmann und Werner Haftmann pflegt Bissier Freundschaften. In der Folge der von Werner Schmalenbach 1958 zunächst für die Kestner Gesellschaft in Hannover konzipierten retrospektiven Ausstellung setzt der späte, aber internationale Ruhm der Kunst Julius Bissiers ein. Eine Kunst, die stark von der Lektüre europäischer wie auch ostasiatischer Philosophie geprägt ist. Ausgehend von den Werken des Baseler Altertumsforschers Johann Jakob Bachofen, die Bissier bereits 1936/37 studiert, lässt er sich in den letzten Jahren seines Leben durch Fragmente von Heraklit, Texte zum Zen-Buddhismus sowie zum Taoismus, aber auch durch Bücher des chinesischen Schriftstellers Lin Yutang von der chinesischen Kultur inspirieren. Ab Mitte der 1950er Jahre verschwindet in Bissiers Werk jeglicher konkrete Verweis auf eine imaginierte Zeichenhaftigkeit. Bis zu seinem Tod im Jahr 1965 werden seine Bildfindungen immer einfacher, reduzierter und gerade dadurch auch kühner und radikaler. Konnten in den vorherigen Werken meist noch zeichenhafte Gestaltungen beschrieben werden, wie eine Reihe von Gefäßen ("1. Mai 62"), so erlangt hier die Formensprache einen kaum mehr zu steigernden Grad an Freiheit im Ausdruck. Diesen Werken ist - und sei es nur in einem einzigen Pinselschwung - das Fehlen jedweder aggressiven, ostentativen oder aufzeigenden Geste eigen. Die Malerei lebt ganz aus dem Geist einer intensiven Spiritualität, einer friedfertigen Meditation. Und nicht nur dem Künstler ist diese Haltung eigen. Im Schauen, im Sinnen, im Lauschen der Werke weitet sich dieses Wissen in den Betrachtern aus. Im Sinn einer tagebuchartigen Ordnung ist für Julius Bissier typisch, die Zeichnungen mit Ort und Tag zu versehen, um damit auch das "Serielle" seiner Arbeitsweise herauszustellen. [MvL]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Julius Bissier "28. Dez 58 II"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

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Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.