Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 475

 
475
Karl Hofer
Stillleben mit Krug und Früchten in Schale, Um 1934.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
+
Objektbeschreibung
Stillleben mit Krug und Früchten in Schale. Um 1934.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 1098. Rechts unten monogrammiert (in Ligatur). Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet "Herr Professor Hofer". 43,5 x 69 cm (17,1 x 27,1 in).

• Nach 30 Jahren erstmals auf dem Auktionsmarkt angeboten.
• Weitere Stillleben Karl Hofers befinden sich u. a. in der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Blumenstillleben, 1944, u. Stillleben mit Früchten, 1951) sowie im Museum Wiesbaden (Stillleben mit Ölkanne, 1929)
.

PROVENIENZ: Galerie Kühl, Dresden (zwischen 1934-1945).
Privatsammlung Wachtberg.
Sammlung Deutsche Bank (1990 erworben).

AUSSTELLUNG: Galerie Kühl, Dresden (zwischen 1934-1945, verso auf dem Keilrahmen mit dem handschriftlich bezeichneten Galerieetikett und der Adresse "Kleine Brüdergasse 21". Die dortigen Räumlichkeiten wurden bei dem Luftangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 vollständig zerstört.

LITERATUR: Bolland & Marotz, Bremen, 29. Auktion, 1982, Los-Nr. 763 (mit Abb., Tafel 93).
Annuaire international des ventes, 21.1983, S. 784.
Karl & Faber, München, 166. Auktion, Kunst Alter und Neuer Meister, 30.11.1984, Los-Nr. 810, S. 128 (mit Farbabb., Tafel 29).
Villa Grisebach Auktionen, Berlin, 16. Auktion, Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, 24.11.1990, Los-Nr. 242 (mit Farbabb.).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 18.30 h +/- 20 Min.

Essay
Zu Beginn der 1930er Jahre befindet sich Karl Hofer noch auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere. Er ist Hochschullehrer an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin, im Vorstand der Berliner Secession und auch im erweiterten Vorstand des Deutschen Künstlerbundes tätig und zudem Mitglied des Senats der Preußischen Akademie der Künste. Fast 30 deutsche und internationale Museen zeigen seine Arbeiten. Im Juni 1933 findet dieser Erfolg jedoch ein jähes Ende. Hofer wird als Hochschullehrer suspendiert, über 300 seiner Werke werden 1937 als "entartete Kunst" aus öffentlichen Sammlungen und Museen entfernt, neun davon in der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. Jegliche malerische oder grafische Tätigkeit wird ihm von der Reichskulturkammer untersagt: Er erhält Arbeits- und Ausstellungsverbot. Karl Hofer malt jedoch weiter und widersetzt sich der Unterdrückung und beruflichen Denunziation. Die in den folgenden Jahren entstandenen Werke wie auch das hier angebotene feine Stillleben können somit ein Stück weit auch als Revolte des Künstlers gegen das faschistische Regime gesehen werden - jedes Bild eine gemalte, kleine Rebellion.
Inspiriert von Paul Cézanne (bspw. "Stillleben mit Quitte, Äpfeln und Birnen", um 1885, Weißes Haus, Washington, D. C.), Paul Gauguin (bspw. "Stillleben mit Äpfeln", um 1890, Eremitage, Sankt Petersburg), Jean Siméon Chardin ("Stillleben mit weißem Krug", 1764, National Gallery of Art, Washington) und sicher auch den Vanitas-Stillleben der niederländischen Kunstgeschichte schafft Hofer hier ein klar komponiertes, farbenfrohes Werk mit den für diese Zeit so typischen vereinfachten Formen, starken Konturen und deutlich voneinander abgesetzten Farbflächen, die Hofers damals intendiertem, strengen und fast abstrahierenden malerischen Ausdruck besonders gut entsprechen. Der Künstler bindet sich hier nicht an das Reale, das Gesehene, sondern löst das Werk mit künstlerischer Freiheit und kreativer Unabhängigkeit von dem zugrunde liegenden Motiv. An einen Sammler schreibt Hofer: "Es gibt eine Kunst die sich mitunter völlig der Natur unterordnet und daraus starke Werke schafft. Die hat nun nicht das Geringste mit dem photographischen [..] Gepinsel zu tun. Man kann auch um höherer Absichten willen über die Natur so souverain verfügen, sie umgestalten, d. h. gestalten, nicht verzerren - und diese letztere Art ist es, die Sie befremdet und die Ihnen nichts sagt. Selbstverständlich vermögen Sie den Unterschied zu sehen und zu begreifen zwischen einem aus der Natur gestalteten Werk und kümmerlich abgemalter Natur." (Karl Hofer in den 1940er Jahren in einem Brief an den Sammler Konrad Hager, Hamburg, zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Hofer, Schloss Cappenberg, Selm 1991, S. 151). [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Hofer "Stillleben mit Krug und Früchten in Schale"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.