Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 120002402

 
120002402
Franz von Stuck
Satyr mit Nymphen und Kind, Ca. 1889.
Aquarell, Tusche, Gouache, Bleistift und schwar...
Schätzpreis: € 12.000 - 15.000
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Objektbeschreibung
Satyr mit Nymphen und Kind. Ca. 1889.
Aquarell, Tusche, Gouache, Bleistift und schwarze Kreide auf leichtem Karton.
Rechts unten signiert. Verso auf der Hinterlegpappe mit verschiedenen alten Etiketten, u.a. Dörner Institut München, sowie handschriftlichen Nummerierungen. 33,5 x 22,5 cm (13,1 x 8,8 in). Karton: 45 x 33 cm (17,7 x 13 in).

• Äußerst selten auf dem Auktionsmarkt vertretenes Aquarell aus der frühen Schaffensphase Stucks, die den Übergang vom Grafiker zum Maler markiert
• Variationsreich ausgeführtes, technisch faszinierendes Blatt
• Frühe Auseinandersetzung mit dem amourös-erotischen Motiv der Faune und Nymphen
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PROVENIENZ: Moderne Galerie Heinrich Thannhauser, München, Nr. 2474 (mit dem Etikett).
Galerie de 3 Gratiën, Amsterdam (mit dem Etikett).
Christie's, Amsterdam, Auktion am 8.7.1998, Los 162.
Privatsammlung Niederlande (bei vorgenannter Auktion erworben).

Essay
Bereits Anfang der 1880er Jahre hatte sich Stuck als Zeichner und Illustrator in München einen Namen gemacht. Es entstehen Beiträge für die „Fliegenden Blätter“ sowie Allegorien, Embleme und Vignetten für Alben des Münchner Verlags Gerlach & Schenk. In neobarockem, groteskenhaften Stil bevölkern hier bereits kleine Amoretten, Faune und Nymphen die amouröse Bildwelt. Mit dem Erfolg seiner Gemälde bei der Ausstellung im Münchner Glaspalast 1889 wendet er sich schließlich verstärkt der Malerei zu und schafft Blätter wie das unsrige, in denen sich malerische und zeichnerische Qualitäten durchdringen. Die Figur des Satyrs oder Fauns, eigentlich des griechischen Hirtengottes Pan, ist dabei vielleicht eine der bekanntesten im Oeuvre Stucks. Ähnlich wie die biblischen und mythologischen Frauengestalten seines Schaffens, die im Allgemeinen in der Kunst des Symbolismus weitgehend überwiegen, dient dieser als männliche Ausprägung solcher mit psychologischen Untertönen etablierten Archetypen. Das Mischwesen, halb Mensch halb Ziegenbock, avanciert wegen der ihm bereits in der Antike zugeschriebenen unerschöpflichen Potenz und seiner erotischen Triebhaftigkeit zum Symbol sexueller, naturbedingter Freiheit. Die stürmischen, oftmals unbeholfenen Eroberungsversuche der Damenwelt, in der Form antiker Nymphen präsent, werden zu einem der zentralen Themen in Stucks Gemälden und lassen ahnen, wie sehr sich der Künstler mit dem antiken Waldwesen identifiziert. So trägt der hier dargestellte breitschultrig- virile Faun eindeutig die Gesichtszüge und die Haartracht des jungen Stuck, dem ein gewisser Stolz für seinen kraftvollen, von Hantelübungen im Atelier gestärkten Körper wohl anzumerken ist: „Stuck macht uns stets den Eindruck eines Naturburschen vom Lande, dem in der Stadt die Naivität abhanden gekommen ist, ohne dabei die derbe Bauernkraft zu verlieren“ (Zeitschrift für bildende Kunst, 1897). Seine Mitarbeit an der Zeitschrift Pan ab 1895 und nicht zuletzt sein Posieren als Faun für sein Gemälde „Dissonanz“ um 1905 lassen die Idee gewisser ähnlicher Züge, wenn nicht sogar eines Alter Egos, naheliegend erscheinen. In unbedrohlicher Weise bestimmt das erotische Liebesspiel das frühe Schaffen Stucks, das in seinem Werk anschließend eine ungemein vielfältige Ausdruckskraft durchläuft: von Neckereien zwischen Faunen und Nymphen, Verfolgungsjagden und Verführung bis hin zu gewaltvoller Unterwerfung und dem Kampf ums Weib. Allen zugrunde liegt jedoch der erotische Trieb, dessen Erforschung man sich im ausgehenden 19. Jahrhundert zwischen Naturwissenschaften und Psychologie nähert. Auch die Schriften Charles Darwins tragen ab 1859 zu einer Entmoralisierung von Körperlichkeit und Sexualität bei, die als natürlicher Instinkt neben dem Lustgewinn schlicht und ergreifend den Fortbestand der eigenen Art zu sichern hat. Vermutet man in Stucks Aquarell zunächst eine genauere Inaugenscheinnahme gewisser in diesem Zusammenhang in den Sinn kommender Organe des breitbeinig dastehenden, mit der Hand in diese Regionen reichenden Fauns, ist zu erkennen, dass die lächelnde Begeisterung der Nymphen sich auf etwas anderes richtet. Die voluminöse, wohlgerundete Frauengestalt im Vordergrund hält in ihren Armen einen Säugling, der vielleicht sogar ein kleines Faunenkind sein mag. In jedem Fall scheint ein gewisser Zusammenhang zwischen der Körpermitte des Fauns und dem Kleinkind nicht von der Hand zu weisen, wodurch sich die Themen Sexualität, Fruchtbarkeit und Prokreation in der mit humorvollem Unterton im mythologisch-antiken Zypressenhain angesiedelten Szene elegant verbinden. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Franz von Stuck "Satyr mit Nymphen und Kind"
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