Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 316

 
316
Johann Wilhelm Schirmer
Zypressen im Park der Villa d’Este bei Tivoli, Um 1841.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
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Objektbeschreibung
Zypressen im Park der Villa d’Este bei Tivoli. Um 1841.
Öl auf Leinwand.
Links unten monogrammiert JWS (ligiert). 62 x 105 cm (24,4 x 41,3 in).

• Berühmtes Motiv der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das malerische Tivoli Anziehungspunkt zahlreicher Künstler ist
• Großformatig ausgeführtes Gemälde, dem zahlreiche Studien der prägnanten Zypressengruppe vorangehen
• Stimmungsvolle, im Nachhall romantischer Italiensehnsucht entstandene Landschaft
.

Wir danken Herrn Marcell Perse, Museum Zitadelle Jülich, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Privatbesitz Süddeutschland (seit mehreren Generationen).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 15.46 h +/- 20 Min.

Essay
Im Jahr 1839 bricht der kurz zuvor an der Düsseldorfer Akademie zum Professor berufene Johann Wilhelm Schirmer zu seiner ersten Italienreise auf. Mit 31 Jahren bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere, ist Schirmer vor allem für seine romantischen, oft aus Kompositelementen zusammengesetzten Waldlandschaften deutscher Regionen berühmt, wofür er als bedeutendster Mitbegründer der Düsseldorfer Schule in die Kunstgeschichte eingehen wird. Zuvor bereist Schirmer bereits Belgien, die Normandie und die Schweiz, von wo er etliche Zeichnungen, Studien und Skizzen mitbringt, die anschließend gemäß der Tradition akademischer Landschaftsmalerei im Atelier in Gemälde überführt werden. Mit leichtem Widerstreben unternimmt Schirmer schließlich ebenfalls die obligatorische Studienreise nach Italien, auf die sich allein zwischen 1800-1830 bereits über 500 deutsche Künstler begeben hatten. Über die Schweiz reist er nach Italien und trifft am 11. August 1839 in Rom ein. Bereits kurze Zeit später begibt er sich mit dem Düsseldorfer Malerfreund Ernst Willer nach Tivoli in der römischen Campagna, ein damals wie heute für Künstler, Dichter und Kulturreisende unumgänglicher Anziehungspunkt, dessen elegische Schönheit bereits in Goethes "Italienischer Reise" Ende des 18. Jahrhunderts gebührenden Platz einnimmt. Die Motive der Wasserfälle im Park der Villa Gregoriana, der antiken Ruinen des Vesta- und Sibyllentempels, der römischen Villa Hadriana und der Villa d‘Este der Renaissance boten den Künstlern zahlreiche malerische Motive. Dennoch reist Schirmer zunächst weiter nach Civitella und Olevano, um dort „höchst wichtige Campagnastudien“ anzufertigen, deren wilde Romantik bereits Ludwig Richter und Joseph Anton Koch in ihren Gemälden erschlossen hatten. Bei seiner Rückkehr hält er sich von Mai bis Juli 1840 jedoch länger in Tivoli auf und gerät in einen wahren Schaffensrausch: „In Tivoli habe ich mehr gearbeitet als jemals in meinem Leben, so dass ich zuletzt mit der Feder in der Hand keinen Strich mehr machen konnte“ (zit. nach Kurt Zimmermann, Johann Wilhelm Schirmer, Diss. Kiel 1919, Saalfeld/Saale 1920, S. 31). Von besonderem Interesse sind für ihn dort die ungewöhnlichen Formen der ausdrucksstarken Zypressen im Park der Villa d‘Este, für die Schirmer ein ganzes Konvolut an Zeichnungen in unterschiedlichsten Techniken, Ölstudien sowie ein Gemälde anfertigt (Museum Kunstpalast, Düsseldorf; zu dem Motiv der Zypressen vgl. Bettina Baumgärtel, „Ein bläulich silbriger Duft der Ferne“. Schirmers Ölskizzen aus Italien, in: Johann Wilhelm Schirmer, Vom Rheinland in die Welt, Ausst.-Kat. 2010, S. 174-177). Deren dramatisch verdrehte, knorrige, uralt scheinende Äste und ihre edle, statuarisch nach oben weisende Form faszinierte bereits unzählige Maler. So bildet die Gruppe auch in dieser Landschaft den Fokus und gliedert die Szene im harmonischen goldenen Schnitt, der Horizont teilt die Szenerie ausgeglichen etwas über der Mitte der Leinwand. Im rötlichen Licht der südlich-sanften Abenddämmerung, die Sonne über dem Meer außerhalb des Bildes vorzustellen, zeigt Schirmer die fast menschenleere ruhende Landschaft, die ihn über sein trotz aller Schönheit fortwährend nagendes Heimweh hinwegtröstet: „Aber das große Mitgefühl der einsamen, stillen Natur nährt und befriedigt zugleich ein Sehnen, welches durch unbehaglichen Zustand der Gegenwart und eine übertriebene, krankhafte Anhänglichkeit am Vergangenen gar leicht beschwerlich werden kann und manchmal sogar genussesunfähig macht“ (Heinrich Appel, J. W. Schirmers Italienische Reise (1839-1840), in: Aachener Kunstblätter, Heft 17/18, 1959, S. 78-83, hier S. 80). In Rom hat Schirmer außerdem Gelegenheit, die klassischen Landschaften von Nicolas Poussin, Claude Lorrain und Caspar Dughet zu betrachten, die nach wie vor als unangefochtene Meister dieses Genres galten und in der akademischen Komposition wegweisend sind. Belegt durch einige Blätter vom März 1840, wendet sich Schirmer wieder stärker der akademischen Tradition zu, aus den der Wirklichkeit entnommenen Einzelstudien und Versatzstücken ein harmonisches Ganzes zu schaffen, wie vermutlich auch in unserer Szene. Erst seit kurzer Zeit wird dem Lehrer von Anselm Feuerbach und Arnold Böcklin die gebührende Aufmerksamkeit zuteil, vor allem im Zuge der Ausstellung „Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit – Landschaft im 19. Jahrhundert zwischen Ideal und Wirklicheit“ und „Johann Wilhelm Schirmer, Vom Rheinland in die Welt“ in Düsseldorf, Neuss, Jülich u. a. O. von 2010. [KT]
 


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