Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 120002592

 
120002592
Otto Heinrich Engel
Weiblicher Studienkopf vor floralem Hintergrund, 1898.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 4.000 - 6.000
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Objektbeschreibung
Weiblicher Studienkopf vor floralem Hintergrund. 1898.
Öl auf Holz.
HV 50: Studienkopf (mit bloßer Schulter). Links unten signiert. Verso handschriftlich betitelt "Weibl. Studie" und mit dem Namen des Künstlers versehen sowie mit weiteren handschriftlichen Nummerierungen und Bezeichnungen. 41 x 31 cm (16,1 x 12,2 in).

Wir danken Frau Dr. Jutta Müller sowie Herrn Christoph Wodicka, Solingen, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Kunstsalon Mathilde Rabl, Berlin (dort verkauft 1902).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Essay
Otto Heinrich Engel, neben Max Liebermann und Walter Leistikow 1898 Gründungsmitglied der Berliner Secession, studiert zunächst an der Berliner Akademie, wechselt dann an die fortschrittlicher ausgerichtete Kunsthochschule Karlsruhe, bis er sein Studium schließlich mit dem Besuch der Akademie in München 1892 abschließt. Mit seinen Landschaftsgemälden, entstanden in Ekensund an der Flensburger Förde, stellen sich ab Mitte der 1890er Jahre erste Erfolge ein. Dabei zeigt Engel vor allem Interesse an den Farb- und Lichtstimmungen in impressionistischer Landschaftsauffassung, die er in lockerem Duktus einfängt. Gerade die ersten Jahre als freischaffender Künstler sind gekennzeichnet von einer Suche nach einem künstlerischen Standpunkt, teilweise auch im Widerstreit mit Zugeständnissen an den Geschmack einer möglichen Käuferschaft. Bereits während seines Studiums ist ihm daran gelegen, sich möglichst umfassende Kenntnisse und Ausdrucksmöglichkeiten anzueignen, indem er abseits des traditionellen Curriculums auch die Tierklasse Paul Meyerheims und die Ornament- und Architekturklasse besucht. Nach seiner Hochzeit 1896 und der Übersiedlung nach Berlin versucht Otto Engel, sich in der dortigen Künstlerszene zu etablieren. Geprägt sind diese Jahre vor der Jahrhundertwende dort durch die Auseinandersetzungen zwischen den traditionellen Positionen der Akademie und dem Versuch zahlreicher Künstler, der Moderne ihren Weg zu bahnen. Für Engel sind dabei nach wie vor das genaue zeichnerische Studium und technisches Können die Grundlage jeglicher Annäherung an seine Motive, auf deren Basis anschließend ein freierer Ausdruck möglich ist. Insofern verwundert es nicht, dass um 1898 neben den in breiten, lockeren Strichen angefertigten Werken einige kleinformatige Studienköpfe – eigentlich eine akademische Disziplin – entstehen, die sein gesamtes feinmalerisches Können verdeutlichen. Oftmals präsentieren sie dasselbe Modell mit den weichen, dunkelbraunen Haaren und dem hellen, rosigen Teint, wie beispielsweise in „Mädchen mit Theerose“, das vielleicht sogar als Pendant zu dem unsrigen vorstellbar ist. Engel dienen die Studien zur feinen Beobachtung der Kopfhaltung, der Schönlinigkeit der Gesichtsformen, nuancierter Modellierung des Inkarnats in der Lichtführung sowie einem harmonischen farblichen Arrangement. Fantasievoll belebt wird unser Bild, der Mode der Zeit gemäß, durch die japanische Blumentapete, die vor allem in Paris im Hintergrund zahlreicher impressionistischer Porträts auftaucht. Diese im Gründungsjahr der Secession entstandenen Studienköpfe zeigen, welche Relevanz handwerkliches Können im Werk von Otto Engel einnimmt, der im Berlin der Jahrhundertwende als Vermittler zwischen Tradition und Moderne gelten darf. [KT]
 


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