Auktion: 517 / Klassische Moderne am 19.06.2021 in München Lot 120002629

 
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120002629
Wassily Kandinsky
Orientalisches, 1911.
Farbholzschnitt
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Orientalisches. 1911.
Farbholzschnitt.
Roethel 106. Rechts unten signiert. Exemplar aus einer unbekannten Auflage. Auf Bütten. 12,6 x 19,2 cm (4,9 x 7,5 in). Papier: 29,2 x 29,2
Druck außerhalb der im Buch "Klänge" (München 1913) veröffentlichten Exemplare.
• Die Grafik zeigt die für Kandinsky charakteristische bunte Farbigkeit und spielerische Motivwelt
• Im Holzschnitt findet der Künstler eine weitere wichtige Ausdrucksform
• 1909 entsteht das malerische Pendant: Das Ölgemälde "Orientalisches" befindet sich in der Sammlung des Lenbachhauses, München
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Frankreich.

Essay
In seiner Kunst suchte Kandinsky ab 1903 nach einer neuen Ausdrucksform: Der Holzschnitt bot ihm eine Möglichkeit die Farben-und Formensprache aus dem Malerischen ins Grafische zu übersetzen. Das vorliegende Werk „Orientalisches“ zeigt dies exemplarisch. Wir finden die für Kandinsky typischebunte Farbigkeit und traumhafte, spielerischeMotivik wieder. Tatsächlich hatte er bereits zwei Jahre zuvor, nämlich 1909, ein malerisches Pendant dazu geschaffen, das den gleichen Titel trägt und sich heute im Lenbachhaus in München befindet. Die mehrmonatige Tunesienreise im Jahr 1905 hat ihn wohl zu diesem Gemälde inspiriert: Die Farbenpracht, die aufgereihten Figuren, vier Berge und zwei weißen Minarette – die auch im Holzschnitt erkennbar sind – zeugen von den Eindrücken, die der Künstler auf der Reise gesammelt hat. Im Vergleich zum Gemälde sind in der Grafik schließlich die einzelnen Figuren und Formen zu einer Einheit verwoben und erzeugen somit ein farbenprächtiges Muster.
Der Holzschnitt ist Teil der „Klänge“ ein Buch, das im Herbst 1912 mit einer Auflage von 345 Exemplaren im Münchener Piper Verlag erschienen ist. Darüber hinaus sind weitere Grafiken außerhalb der Auflage entstanden, die sich durch ein etwas größeres Blattmaß kennzeichnet. Zu diesen Sonderdrucken gehört unser Blatt. Mit diesem schmalen Bändchen – bestehend aus Holzschnitten und Prosagedichten – schuf Kandinsky ein heute legendäres Bindeglied zwischen Epochen und Stilen. Er selbst betrachtete die in jahrelanger Arbeit entstandene Verknüpfung von Bild und Text als Befreiung, als Akt der Überwindung künstlerischer Beschränkungen: „In der Vergangenheit wurde ein Künstler stets schief angeschaut, wenn er sich schriftlich auszudrücken suchte – als Maler hatte man sogar mit dem Pinsel zu essen und so zu tun, als gäbe es keine Gabel." (Wassily Kandinsky) [SL].
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Wassily Kandinsky "Orientalisches"
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