Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 270

 
270
Josef Scharl
Konferenz / Die Gruppe, 1927.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Objektbeschreibung
Konferenz / Die Gruppe. 1927.
Öl auf Leinwand.
Firmenich/Lukas 94. Rechts unten signiert und datiert. 81 x 65 cm (31,8 x 25,5 in).

• Scharls sezierende Gesellschaftsbilder der 1920er Jahre gehören zu den absoluten Höhepunkten seines Schaffens.
• Wunderbare Charakterstudie der politischen Gesellschaft der Weimarer Republik.
• Mehrfigurige Arbeiten aus dieser Schaffenszeit sind selten und gehören zu den gefragtesten Arbeiten des Künstlers
.

PROVENIENZ: Galerie Nierendorf, Berlin.
Privatsammlung Berlin (bis 2008, Grisebach 29.11.2008).
Privatsammlung (seit 2008, Grisebach 29.11.2008).

AUSSTELLUNG: Kollektivausstellung Josef Scharl, in den Räumen des Deutschen Künstlerverbandes, München 1929, Kat.-Nr. 13.
Josef Scharl. Gedächtnisausstellung, Galerie Nierendorf, Berlin 1964, Abb. S. 16.
Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919-33, Tate Modern, London, 30.7.2018-14.7.2019, mit Abb. S. 68.

LITERATUR: Villa Grisebach, Berlin, Kunst des 19./20. und 21. Jahrhunderts, 29.11.2008, Kat.-Nr. 213, mit Abb.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 19.00 h +/- 20 Min.

Essay
Scharl ist ein Menschenmaler, dessen besondere malerische Qualität sich in seinen starken Charakterporträts entlädt, die immer wieder einfache Arbeiter und Soldaten in ihrer vom Leben oder vom Tod geschundenen Körperlichkeit mit ungeschönter Direktheit zeigen. Vor allem zeigt sich diese aber auch in seinen wunderbaren mehrfigurigen Gesellschaftsgemälden der 1920er Jahre. Im typischen Stil der zwanziger Jahre hat Scharl in "Konferenz / Die Gruppe" die politischen Charaktere der Weimarer Republik in seinem charakteristischen, von Van Gogh inspirierten bewegten Strich auf die Leinwand gesetzt. Rechts hinten dürfte Stresemann, der Reichskanzler und spätere Reichsminister, zu sehen sein, dessen kahlköpfige Physiognomie Scharl in meisterhaft überzeichneter Manier malerisch umgesetzt hat. Wenn auch weniger karikaturistisch angelegt, so ist unsere starke Charakterstudie doch mit den zeitgleichen Schöpfungen eines George Grosz vergleichbar, dessen berühmte Darstellung der "Stützen der Gesellschaft" (1926, Nationalgalerie Berlin) sich in unser kollektives Bildgedächtnis eingegraben hat. Scharls sezierende Gesellschaftsbilder dieser Jahre wie "Konferenz / Die Gruppe" oder "Blinder Bettler im Café" (1927, Kunsthalle Emden), "Drei Korporierte (Larven)" (1925, Lenbachhaus München) gehören zu dem Besten, was Scharls malerisches Werk zu bieten hat. Und so überrascht es nicht weiter, dass die "Große Gesellschaft (Theaterpause)" (1930) und die von uns 2018 veräußerte Gesellschaftsstudie "Der Abend" (1925) auf dem internationalen Auktionsmarkt zu den drei Top-Zuschlägen des Künstlers zählen. In den 1920er Jahren ist Scharl auf dem Höhepunkt seines Schaffens, er schließt sich der Künstlervereinigung "Neue Münchner Sezession" und den "Juryfreien" an und beteiligt sich erfolgreich an deren Ausstellungen. Mit der beginnenden nationalsozialistischen Kulturpolitik kommt es in den 1930er Jahren bereits zu einer entscheidenden Wende: Verkäufe und Ausstellungsbeteiligungen nehmen ab, die finanzielle Lage Scharls spitzt sich zu und ihm wird ein Malverbot auferlegt. Trotzdem ermöglicht ihm Karl Nierendorf 1935 noch eine Einzelausstellung. Eine Einladung des Museums of Modern Art in New York, gemeinsam mit Beckmann, Scholz, Heckel und Hofer an einer internationalen Ausstellung teilzunehmen, bestärkt Scharls Auswanderungspläne und er emigriert schließlich 1939 nach Amerika. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Josef Scharl "Konferenz / Die Gruppe"
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