Auktion: 513 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 11.12.2020 in München Lot 6

 
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Bernard Schultze
Und trotzdem heiter, 1982.
Buntstiftzeichnung mit Bleistift auf Papier auf...
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
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Objektbeschreibung
Und trotzdem heiter. 1982.
Buntstiftzeichnung mit Bleistift auf Papier auf Leinwand.
Rechts unten signiert, datiert und betitelt. Auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert und betitelt. 145 x 230 cm (57 x 90,5 in). [SM].

• Als Ausgangspunkt seiner Bildschöpfungen dient Schultze das surrealistische Postulat der "écriture automatique", die das fantastische und rätselhafte Reich des Unbewussten zum Vorschein bringen soll.
• Bernard Schultzes Bilder assoziieren häufig geologische Situationen.
• Durch die Verwendung unterschiedlicher Farbsubstanzen, erreicht Schultze jene für ihn typische differenzierte Oberflächenbeschaffenheit
.

PROVENIENZ: Sammlung Haniel, Duisburg (seit 1996, direkt vom Künstler erworben).

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 14.05 h +/- 20 Min.

Essay
Die Vernichtung seiner Werke durch einen Bombenangriff gegen Ende des Zweiten Weltkriegs markiert eine radikale Veränderung: Nach surreal anmutenden Figurationen malt Bernard Schultze ab 1951die ersten als informell oder auch tachistisch zu bezeichnenden Bilder. Die entscheidende Inspiration dafür erhält er von Wols und Riopelle, deren Malerei er in Paris sieht. Als erste Manifestation der neuen Kunstrichtung in Deutschland hat die "Quadriga"-Ausstellung mit seinen Malerkollegen Otto Greis, Karl Otto Götz und Heinz Kreutz 1952 in der Frankfurter Zimmergalerie von Klaus Franck eine besondere Bedeutung. Doch geht Schultze schon bald, wie auch seine Mitstreiter, eigene Wege und entwickelt dabei seinen unverwechselbaren Stil. Als Ausgangspunkt seiner Bildschöpfungen dient Schultze das surrealistische Postulat der "écriture automatique", die das fantastische und rätselhafte Reich des Unbewussten zum Vorschein bringen soll. Schultze spricht von landschaftlichen Bildfragmenten und Erinnerungsfetzen, die er im Unterschied zu der eruptiven Malerei vieler anderer Informeller eher einem Tachismus im wahren Sinne des Wortes unterzieht. Einzelne "taches" (Flecken) verdichten sich zu einem Farbgeflecht vegetabiler und amorpher Gebilde und überwuchern antihierarchisch die Fläche des Bildes. Ab 1954 nimmt Schultze bei seinen Gemälden erste plastische Einklebungen und Einschmelzungen in den Bildgrund vor. Ziel dieser räumlichen Expansion ist es, den Bildraum zum Betrachter hin zu erweitern. Dafür verwendet er diverse Materialien wie Lappen, Papierfetzen, Fotos, Stroh und Klötzchen, die in mehreren Schichten übereinandergelegt werden. Das zentrale Thema von Entstehen und Vergehen, Aufblühen und Vergänglichkeit ist in Schultzes Bildwerken immer wieder eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Formen reißen auf und ziehen sich wieder zusammen, bilden eine unauflösliche Symbiose. Durch die Verwendung unterschiedlicher Farbsubstanzen, die sich vermischen, überlagern und beim Trocknen Risse, Krakelüren und Verkrustungen hervorbringen, erreicht Schultze eine differenzierte Oberflächenbeschaffenheit. Obwohl es keinerlei erkennbare Motive gibt, die an Landschaftliches erinnern, wird doch durch die Reliefierung und die farbige Ausgestaltung der Eindruck von Natur erweckt. Die teils matte, teils wie feucht glänzende Oberfläche der Tafel weist naturanaloge Formationen auf. Das Kolorit der unterschiedlichen Zonen, die in Strudeln erstarrte Farbe und die zerklüftete Struktur lassen an Erde und Wasser denken. Es entsteht das Bild einer geologischen Situation. Schultze bildet also nicht Landschaften ab, sondern erzielt Analogien zu bekannten Erscheinungen in der Natur allein durch seine bildnerischen Mittel. Höhen und Tiefen werden nicht wie in der herkömmlichen Landschaftsmalerei vorgetäuscht, sondern sind in der Materialität der Farbe und der Plastizität der Oberfläche real vorhanden. Mit der Herstellung solch autonomer Gebilde hat sich Schultze ab Mitte der 1950er Jahre bevorzugt beschäftigt. Von hier aus haben die Materialbilder ihren Ausgang genommen, deren fantastische Wucherungen in den Raum hineinwachsen, um sich später in den "Migofs" als farbige, vollplastische Gebilde ganz von der Fläche zu lösen. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Bernard Schultze "Und trotzdem heiter"
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