Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 120003391

 
120003391
Joseph Beuys
1a gebratene Fischgräte (Hering), 1970.
Fischgräte mit Zwirn befestigt in mit Pappe ver...
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
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Objektbeschreibung
1a gebratene Fischgräte (Hering). 1970.
Fischgräte mit Zwirn befestigt in mit Pappe verkleidetem Objektkasten.
Signiert, betitelt "1a gebratene fischgräte [sic] (Hering)", bezeichnet "Artist proof" und mit einer persönlichen Widmung versehen. Auf der Pappe mit den stark verblichenen Stempeln "Organisation der Nichtwähler", "Hauptstrom" und "Fluxus Zone West". Unikat. 44 x 31 x 9,5 cm (17,3 x 12,2 x 3,7 in). [EH].

• Der Fisch ist auf sein letztes essenzielles Gerippe reduziert und ermöglicht Assoziationen zu Produktion und Abfall.
• 1a gebratene Fischgräte: eine subtile Hinterfragung des geläufigen Wertesystems.
• Entstanden in zeitlicher Nähe zu der Aktion "Freitagsobjekt: 1a gebratene Fischgräte" am 7.11.1970 in der Eat Art Gallery, Düsseldorf
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Deutschland (direkt vom Künstler erworben).

AUSSTELLUNG: Joseph Beuys: Wo ist Element 3?, Ketterer Kunst, Berlin, 26.3.-22.5.2021.

LITERATUR: Joseph Beuys, 1a gebratene Fischgräte, Edition Hundertmark, Berlin 1972 u. 2. Aufl. 1982.
Uwe M. Schneede, Joseph Beuys. Die Aktionen, Stuttgart 1994, Nr. 24, S. 300.
"Bei gewissen Arbeiten muß die Auflage limitiert sein, einfach weil es sich technisch garnicht anders machen läßt, denn ich bin nicht daran interessiert, mein Leben lang Fischgräten zu braten"
Joseph Beuys, zit. nach: Schellmann/Klüser, Joseph Beuys: Multiples, München 1980, S. 16.

Essay
Für die am Karfreitag, dem 30. Oktober 1970 aufgeführte Aktion "Karfreitagsobjekt: 1a gebratene Fischgräte“ in der Düsseldorfer Eat Art Gallery von Daniel Spoerri verwendet Beuys die vollständigen Skelette von fünfundzwanzig gebratenen Heringen. Die Aktion selbst dient wesentlich der Herstellung des gleichnamigen Auflagenobjekts. Beuys hängt zunächst die Gräten auf Schnüre an die Bilderleisten der Galeriewand. Die Gräte, die gewöhnlich als Abfall entsorgt wird, steht hier im Zusammenhang mit dem zum Osterritual gehörenden Karfreitag, an dem das Leiden und Sterben von Jesus Christus im Mittelpunkt steht. Den am Freitag als Fastenritual gegessenen Fisch versteht Beuys als ein Zeichen für Christus und „Daß [..] durch die Karfreitagsvorstellung sich auch ein Armuts-Element darstellt.“ (Zit. nach: Ein Gespräch zwischen J. Beuys und D. Spoerri, in: Joseph Beuys, 1a gebratene Fischgräte, Berlin/Köln 1972, S. 29ff.) Die Gräte soll über das Materielle hinausführen. In einem Gespräch mit Daniel Spoerri sagt Beuys über seine Aktion: "[…] nicht nur sich physisch ernähren, sondern sich auch geistig ernähren, also einfach von der Sache eine Idee zu haben [..]" (Beuys 1972, S. 51). Bevor Beuys etwa zwei Stunden auf einen Stock gestützt in der Galerie steht, hat er sein Gesicht mit Holzkohle und Asche eingefärbt. Das bekannte, von ihm zitierte Sprichwort "Asche auf das Haupt streuen" kommt von orientalischen und altägyptischen Klageritualen. Während der Aktion zerreißt Beuys das Pergamentpapier, in das die Heringe verpackt sind, und signiert die Blätter, während Spoerri sie beschriftet und nummeriert. Sie dienen den fünfundzwanzig Objekten als "Certificate", die Titel, Signatur sowie unterschiedliche Stempel aufweisen und sichtbar in das für jede Fischgräte angefertigte Behältnis eingelegt werden. Diese Multiples zeigen eine mittig an einer Schnur aufgehängte Fischgräte in einem Holzkasten, der in seiner Bauart, allerdings mit einer Glasscheibe abgedeckt, an die "Intuitions-Kiste" von 1968 erinnert. Bei der vorliegenden Fassung handelt es sich um den Prototyp in einem Karton, den Beuys mit dem für Drucke außerhalb der Zählung üblichen "Artistproof" bezeichnet und widmet. Beuys und Spoerri einigen sich im Verkauf des Objekts auf einen Unkostenpreis von 200 DM. Beuys sagt im Gespräch mit Spoerri scherzend: "Wenn ich den Stromverbrauch, alles dazu rechne, dann kommen eben Sümmchen raus, die noch ganz anders aussehen." (Beuys 1972, S. 46). [Eugen Blume]
120003391
Joseph Beuys
1a gebratene Fischgräte (Hering), 1970.
Fischgräte mit Zwirn befestigt in mit Pappe ver...
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Joseph Beuys "1a gebratene Fischgräte (Hering)"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.