Auktion: 513 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 11.12.2020 in München Lot 66

 
66
Ernst Wilhelm Nay
Eurydike, 1947.
Gouache
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Eurydike. 1947.
Gouache.
Claesges 47-040. Rechts unten signiert und datiert. Verso bezeichnet von Elisabeth Nay-Scheibler: "E.W.Nay / Gouache zu 'Eurydike' 1947". Auf Aquarellbütten. 48 x 30 cm (18,8 x 11,8 in), blattgroß.
[KT].
• In der Verflechtung abstrakter und figurativer Elemente schafft Nay eine poetische Interpretation des antiken Mythos der von der Schlange gebissenen Eurydike
• Aus der spannungsreichen "Hekate-Periode" (1945-48), in der Nay in häufig mythologischen Themen die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit reflektiert
• Nach den Jahren der Diffamierung erfolgen 1946/47 wichtige Einzelausstellungen und Bekanntschaften mit bedeutenden Sammlern, sowie mit Elisabeth Kerschbaumer, seiner späteren Frau
.

PROVENIENZ: Lempertz, Köln, Auktion 7.6.1989, Los 1009 (mit Abb.).
Privatsammlung Deutschland.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 15.05 h +/- 20 Min.

Essay
Die künstlerische Verarbeitung der Kriegs- und Nachkriegszeit vollzieht sich 1945-1948 in den "Hekate-Bildern", in denen Motive aus Mythos, Legende und Dichtung anklingen. Nay gibt seinen Werken erst nach ihrer Entstehung Namen, so sind die "Hekate-Bilder" nicht als Illustrationen mythischer Legenden zu verstehen, weisen aber auf ihren tieferen Ursprung hin. Eurydike verweist auf den griechischen Mythos des Poeten und Sängers Orpheus, der seine Geliebte, von einer Schlange gebissen und für ihn verloren im Hades, vergeblich zurückzuholen versucht. Angedeutete figurative Elemente wie der Kopf der Schlange oder die zwei augenähnlichen Kreisformen links unten kombiniert Nay hier mit abstrakten Farbfeldern, Andeutungen geometrischer Muster und Formen, die jedoch malerische und farbliche Autonomie besitzen. Die sich überlagernden, die Bildfläche strukturierenden Flächen und Muster mit den dominierenden Blaunuancen geben dabei einen lyrischen, melodisch komponierten Eindruck wieder. Eine Wanderung durch die Unterwelt müssen auch die Kriegsjahre und die künstlerische Diffamierung dieser Zeit für Nay gewesen sein. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich, wo er gegen Kriegsende in Gefangenschaft geriet, lässt er sich in Hofheim im Taunus nieder. Die "Hekate-Bilder" zeigen dabei auch, wie sehr sich Nay mit der künstlerischen Suche zwischen Figuration und Abstraktion auseinandersetzt: "Die abstrakte Kunst schaltet das menschliche Drama aus und bleibt isoliert gegen die Außenwelt [..]. Erst die Spanne von der Idee, die aus dem Leben kommt, bis zur Form, greift ins Leben. [..] Die einen wollen es leichter haben, indem sie optische Naturähnlichkeit, die anderen, indem sie reine Abstraktion verlangen. Erst aber diese Spanne stellt den wahren Wert des Kunstwerkes heraus." (Ernst Wilhelm Nay, Rede vom 5.6.1946 anlässlich der Eröffnung seiner ersten Nachkriegsausstellung bei Günter Franke, zit. nach Claesges, Werkverzeichnis Ernst Wilhelm Nay, Bd. I, S. 11). [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Ernst Wilhelm Nay "Eurydike"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.