Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 464

 
464
Hermann Max Pechstein
Wald in den Pyrenäen, 1931.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
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Objektbeschreibung
Wald in den Pyrenäen. 1931.
Öl auf Leinwand.
Soika 1931/3. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, betitelt und mehrfach bezeichnet. 80 x 100 cm (31,4 x 39,3 in).

• Pechsteins Wald ist unberührt, voller Leben und Leuchtkraft und hat einen fast lyrischen Charakter.
• Das Gemälde zeigt die Rückkehr zur Ursprünglichkeit, die Pechstein bereits in den Südsee-Bildern forderte.
• Teil einer Werkgruppe (1931-1938), die in Anlehnung an Pechsteins Aufenthalt in Südfrankreich und im Besonderen in den Pyrenäen und dem Ort Hendaye entstehen.
• Das Gemälde war als Leihgabe in den Städtischen Museen, Zwickau, zu sehen
.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Deutschland (seit 1985).

AUSSTELLUNG: Max Pechstein, Magistrat der Stadt Berlin, Abteilung für Volksbildung, Staatsoper/Admiralpalast, Feb. bis März 1946; Bezirksamt Wedding, 20.3.-24.4.1946, Nr. 7.
Max Pechstein auf Reisen - Utopie und Wirklichkeit, Kunsthaus Stade, 16.9.2012-20.1.2013 I Kunstsammlung Zwickau, 9.2.-12.5.2013 I Museum im Kulturspeicher, Würzburg, 1.6.-1.9.2013, Ausst.-Kat., mit Farbabb. S. 104.
Dauerausstellung Max Pechstein, Kunstsammlungen Zwickau - Max Pechstein Museum, Städtische Museen Zwickau, Dauerleihgabe, Juni 2011 bis Herbst 2020.

"Im Frühjahr 1931 erfüllte ich mir einen Wunsch und machte mich auf zur Arbeit nach Südfrankreich. Vorerst arbeitete ich in den ,Pyrenées Basques', um dann über Marseille nach den ,Pyrenées-Orientales', in einem kleinen Fischerort ,Collioure', eine bleibende herrliche Arbeitsstätte zu finden."
Zit. nach: Max Pechstein, Erinnerungen, Stuttgart 1993, S. 122.

Essay
"Im Frühjahr warteten die blumigen Wiesen, im Sommer die Felder, im Herbst die Obstbäume, im Winter der Schnee […] Mit aller tierischen Kreatur, mit allen Pflanzen war ich von jeher vertraut […]" (Zit. nach: Max Pechstein, Erinnerungen, Stuttgart 1993, S. 11)
Bereits in jungen Jahren übte die Natur eine besondere Faszination auf den deutschen Expressionisten Hermann Max Pechstein (1881-1955) aus. Sie symbolisierte für ihn eine Ursprünglichkeit, Wildheit und Freiheit, die damit in starkem Kontrast zur Großstadterfahrung stand. Die Landschaft und der Einklang von Mensch und Natur werden zu Hauptmotiven im Oeuvre des Künstlers, bereits die Südsee-Bilder, die im Anschluss an seine Reise zu den Palau-Inseln 1913 entstehen, bezeugen dies. Die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg fördern die Sehnsucht nach der Natur zusätzlich und so kehrt der Künstler in den Bildern zu Beginn der 1920er und später in den 1930er Jahren immer wieder in die Landschaft zurück. Das vorliegende Gemälde "Wald in den Pyrenäen" (1931, Öl auf Leinwand) zeigt diesen großen Stellenwert der Natur für den Künstler, indem sie zum alleinigen Akteur wird. Das Ölgemälde besticht durch seine intensive Farbigkeit und der völligen Abwesenheit menschlichen Lebens. Pechsteins Landschaft ist unberührt, wild, fruchtbar, ja fast von lyrischem Zauber und steht damit in starkem Kontrast zur anhaltenden und fortschreitenden Technisierung und Urbanisierung des 20. Jahrhunderts.
Es ist charakteristisch für Pechsteins Kunst, dass sie von einer Ambivalenz zwischen Tradition und Moderne geprägt ist. Das Motiv des Waldes ist hierfür exemplarisch, handelt es sich doch um ein traditionelles Motiv in der Kunstgeschichte. Bereits Romantiker wie Caspar David Friedrich (1774-1840) oder später der Surrealist Max Ernst (1891-1976) malen den Wald, um Assoziationen des Erhabenen, Unbewussten, Unheimlichen und von Menschenhand unberührten zu wecken. Pechsteins Wald knüpft an diese Bildtradition an, doch im Vergleich dazu wirkt der Wald bei ihm weniger bedrohlich: Im Gegenteil, vom Wald geht eine heitere Stimmung aus, die zum Verweilen einlädt.
Als Pechstein das Gemälde malt, befindet er sich in Südfrankreich, wo er sich von Ende Mai bis Ende Juli 1931 aufhält. Zunächst verbringt der Künstler einige Zeit in den Pyrenäen und in Hendaye, bevor er in die südfranzösische Hafenstadt Collioure weiterzieht. Die circa 430 Kilometer lange Gebirgskette der Pyrenäen inspiriert Pechstein zu seinem Ölgemälde: Hier findet er eine beeindruckende und vielseitige Fauna und Flora vor, die teilweise noch Rudimente aus der letzten großen Eiszeit sind. Bereits zwei Jahre später zerbrach diese landschaftliche Idylle für den Künstler: Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden seine Kunstwerke als "entartet" defamiert und in entsprechenden Ausstellungen, wie der großen Ausstellung "Entartete Kunst" in München, 1937, gezeigt. Doch für einen kurzen Moment hatte Pechstein einen Ort des Glücks gefunden: "Diesen Sommer lang hatte ich das glückliche Gefühl, wie in Palau, in vollem Einklang von Sonne, Luft, Menschen zu leben. […] Abermals hatte ich eine reiche Ernte. Einen Sommer lang ohne jede Sorge, in reiner Menschlichkeit verlebt, verhalf mir zur guten Arbeit." (zit. nach: Max Pechstein, Erinnerungen, Stuttgart 1993, S. 112). [SL]
 


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