Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 121000124

 
121000124
Karl Hagemeister
Sanddornstrauch an der Meeresküste, 1914.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 25.000 - 35.000
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Objektbeschreibung
Sanddornstrauch an der Meeresküste. 1914.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 534. Rechts unten signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich nummeriert sowie mit alten Etiketten. 173 x 93 cm (68,1 x 36,6 in).

• Kraftvoll steigert Hagemeister die Intensität der Farbe durch Verwendung des Komplementärkontrastes der leuchtend orangeroten Beeren vor grünem Blattwerk
• Entstanden während des Aufenthaltes des Künstlers in Lohme auf Rügen
• Variationsreiche, technisch faszinierende Ausführung in der Verwendung von Pinsel und Malmesser
.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Sammlung Margarethe Schweitzer, Brandenburg/Havel.
Kunsthandel Seidel und Sohn, Berlin.
Privatsammlung Berlin.

LITERATUR: Hendrikje Warmt, Karl Hagemeister. In Reflexion der Stille, Berlin 2016, S. 47 (mit Abb.).

Essay
Ab 1907 beginnt im Schaffen Karl Hagemeisters eine Phase, in der als bewegtes Element das Meer in seinen Motivkreis rückt. Während seiner Aufenthalte auf Rügen malt er die Küstenstreifen und die heranbrechende Brandung im wechselnden Spiel des Lichtes und der Wolken. Zunächst wird Swinemünde, anschließend hauptsächlich Lohme an der Nordküste Rügens von Sommer bis Herbst bis 1915 sein bevorzugtes Reiseziel, wo er ein wieder neues Naturgefühl auf sich wirken lässt, um es in seine Bilder zu übersetzen: "Ich war gezwungen, die Naturdinge dort oben neu und gründlich zu studieren. Ich zeichnete die wachsenden kämpfenden Bäume, die schnell-langsam sich bewegenden Wassermassen. [..] Die Lieblichkeit der dortigen Flora im Gegensatz zur brutalen Wucht der Wellen." (zit. nach: Hendrikje Warmt, Karl Hagemeister, Berlin 2016, S. 34). Hagemeisters künstlerisches Prinzip in seinen Motiven ist die Lebendigkeit, die sich in der Bewegung und der Veränderlichkeit ausdrückt. Auch im Malprozess und in der Durchwirkung der Oberfläche geht er bewegt vor und nutzt Pinsel, Spachtel, Finger und Handballen, und schreibt so auch seine eigene Bewegung in das Motiv ein. Die belebte, schöpferische Natur als Motiv soll auch in der malerischen Umsetzung den Charakter des Wachsenden bewahren, indem ihr Entstehen durch die Hand des Malers sichtbar bleibt. Über die feinen Äste des Sanddorns, die sich elegant in den Himmel verzweigen, legt Hagemeister in pastosem, mit dem Malmesser aufgetragenen Farbmaterial das leuchtende Orange-Rot der Beeren, das vor dem tiefen Grün der Kiefernzweige umso mehr zur Geltung kommt.
Das Jahr 1914 beschert dem 66-jährigen Hagemeister schließlich die lange verwehrte Anerkennung mit der Ernennung zum königlich preußischen Professor der Berliner Akademie der Künste. Zuvor hatten angesehene Galerien wie Heinemann in München 1912, Eduard Schulte in Berlin und Ernst Arnold in Dresden 1913 einen Überblick seiner Werke aus sämtlichen Schaffensperioden präsentiert, woraufhin der 17-jährige Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der seine Werke bei Schulte gesehen hatte, sein Schüler wird, den er in Werder und in Lohme auf Rügen unterrichtet. "Vierzig Jahre hat sich kein Mensch um mich gekümmert, nun mit einem Male bin ich anscheinend ein berühmter Mann geworden" (Warmt, S. 49), schreibt Hagemeister aus diesem Anlass. Die einfühlsame Begegnung von Kunst und Natur ist das Besondere und die Essenz von Hagemeisters individuellem künstlerischen Ausdruck und schafft es immer noch, das Auge sowie die Seele zu berühren. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Hagemeister "Sanddornstrauch an der Meeresküste"
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