Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 121000189

 
121000189
Adolf Heinrich Lier
Kornernte, 1863.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
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Objektbeschreibung
Kornernte. 1863.
Öl auf Leinwand.
Mennacher 228. Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen mit fragmentierten alten Etiketten sowie handschriftlich nummeriert und bezeichnet. 59 x 100 cm (23,2 x 39,3 in).

PROVENIENZ: Julius Caesar von Kotsch-Etterbeck (bis 1907, Bangel Frankfurt, 19.3.1907).
Sammlung Küspert, ohne Ort (seit 1907, vom Vorgenannten erworben, Bangel Frankfurt, 19.3.1907).
Wohl Galerie Schönemann & Lampl, München (verso mit dem fragmentarischen Etikett).
E. A. Fleischmann‘s Hofkunsthandlung, München (1926).
Colonel/Oberst Paul Max Kühnrich, San Francisco (1928, wohl vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Gedächtnis-Ausstellung zum hundertsten Geburtstag von Adolf Lier 1826-1882, Mai 1926, Ausstellung in E. A. Fleischmann‘s Hofkunsthandlung München, Kat.-Nr. 28.

LITERATUR: Rudolf Bangel, Frankfurt a. M., Verzeichnis der Gemälde alter und neuerer Meister aus dem Besitz des Herrn Julius Caesar von Kotsch-Etterbeck, Auktion 19.3.1907, Los 127.

Essay
Sommerliche Wärme und das goldene Leuchten der weiten Kornfelder werden hier in der Landschaft von Adolf Heinrich Lier zum bestimmenden Motiv. In der von zunehmendem Realismus geprägten Landschaftsmalerei der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich auch zunehmend das Motiv der Kornleserinnen etabliert, von Jean-Francois Millet 1857 in seinen berühmten „Ährensammlerinnen“ mit dem Heroismus der einfachen, arbeitenden Bevölkerung versehen und zur Ikone einer neuen Schule stilisiert. Auch Lier, der zunächst in München bei Richard Zimmermann, anschließend bei Eduard Schleich studiert, reist 1861 nach Paris, um die neusten Entwicklungen der dortigen Landschaftsmalerei kennenzulernen. Vor Ort wenig begeistert, wirken die Eindrücke einer solchen einfachen, ungekünstelten Herangehensweise wie der Schule von Barbizon jedoch nach der Rückkehr nach Deutschland umso stärker, wenngleich bei Lier der malerische den sozialen Aspekt eindeutig überwiegt. Zusehends konzentriert sich Lier auf die schlichte Einfachheit der Landschaft, die sich weder in akademischen Kompositionsprinzipien noch in zu sehr ausgearbeiteten Details verliert. Grundlegend wird vielmehr eine farbharmonische Tonalität, die hier von hellem, warmen und sommerlichen Gelb bestimmt wird. Goldene, vom Staub des gemähten Korns erfüllte Luft scheint die sanfte hügelige Landschaft zu erfüllen, im Vordergrund akzentuiert Lier in weichen Strichen die glänzenden, gemähten Halme. Charakteristisch für Werke der Münchner Schule ist auch das langgezogene Handtuchformat, das eine Weiterführung des Bildausschnittes über die Ränder hinaus vorstellbar macht und panorama-artige Weite suggeriert, die sich auch bis tief in den ausgedehnten Bildraum zieht. Mit seinen noch von einem gewissem romantisierenden Realismus geprägten Landschaften, im Übergang zu einem an Licht und Atmosphäre interessierten Vorimpressionismus wird Lier zu einer prägenden Figur der Münchner Landschaftsmalerei. [KT]
 


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