Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 19.06.2021 in München Lot 121000631

 
121000631
Eduard von Grützner
In der Klosterschäfflerei, 1883.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
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Objektbeschreibung
In der Klosterschäfflerei. 1883.
Öl auf Leinwand.
Balogh 479. Rechts unten signiert und datiert. Verso auf der Leinwand handschriftlich bezeichnet. 121 x 94 cm (47,6 x 37 in).

• Großformatige Genreszene von höchster feinmalerischer Qualität.
• Bereits zu Grützners Lebzeiten als eines der wichtigsten und gelungensten Werke erachtet.
• Für die in bürgerlichen Kreisen am Ende des 19. Jahrhunderts so beliebte Gattung der Genremalerei gilt Grützner als einer der bedeutendsten Vertreter
.

PROVENIENZ: Sammlung Hans Weidenbusch, Wiesbaden (bis 1898).
Sammlung Theodor Johannsen, Wedel (wohl Ende der 1920er Jahre erworben, seither in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Internationale Kunstausstellung im Königl. Glaspalast, München, 1883, Nr. 734, S. 34, 38 (mit Abb.).

LITERATUR: Adolf Rosenberg, Die Münchener Malerschule in ihrer Entwicklung seit 1871, Leipzig 1887, S. 31.
E. A. Fleischmann's Hofkunsthandlung München, Kunsthandlung J. P. Schneider Junior, Frankfurt a. M., XII. Große Kunst-Auktion, Katalog der Kunst-Sammlung des Herrn Privatgelehrten Hans Weidenbusch zu Wiesbaden, Versteigerung 7.3.1898, Kat.-Nr. 15 (mit Abb.).
Friedrich von Pecht, Eduard Grützner, in: Die Kunst für Alle, Jg. 5, Heft 12, 1890, S. 179 (mit Abb.).
Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Dresden 1891-1901 (Nachdruck 1969), Bd. I.1, S. 447, Nr. 41.
Louise von Kobell, Münchener Porträts nach dem Leben gezeichnet, München 1897, S. 133.
Heinrich Rottenburg, Eduard Grützner, in: Die Kunst unserer Zeit, 9. Jg., Bd. I, 1898, S. 52.
Fritz von Ostini, Grützner, in: Künstler-Monographien, Bd. LVIII, Bielefeld/Leipzig 1902, S. 58 (mit Abb.).
Richard Braungart, Eduard Grützner, München 1916, Abb. Tafel 43.
Eduard Grützner, Eine Selbstbiografie mit 136 Abbildungen, München 1922, S. 81 (mit Abb.).

Essay
Spitzbübisch berichtet Eduard Grützner dem Schriftsteller Michael Georg Conrad, wie er selbst dem Beruf des Geistlichen entkommt, um Maler zu werden: "Mit elf Jahren lief ich noch mit bloßen Füßen auf den Feldern der Karlowitzer Markung herum und hütete die Kühe meines Vaters. Dann sollte ich studieren und Geistlicher werden. Der Pfarrer des Ortes, ein lieber menschenfreundlicher Mann - Sie haben sein Bild in meiner Schlafstube gesehen, es ist eine meiner frühesten Zeichnungen - tat alles Erdenkliche, um seinen kleinen künftigen Kollegen zu unterstützen und zu einem richtigen Kirchenlicht erziehen zu helfen. Es war so gut gemeint! Aber ich spürte zu etwas ganz anderem Beruf in mir als zu einem Gesalbten des Herrn. Meine lateinischen und griechischen Arbeitsbücher predigten in den gottlosesten Zeichnungen, mit denen ich die Ränder vollkritzelte, etwas ganz anderes als die alleinseligmachende Lehre. Nach vielem Harren und Bangen konnte ich endlich 1864 als achtzehnjähriger Mensch umsatteln, mit erborgtem Gelde nach München pilgern und hier an Vorschule und Akademie studieren.“ (zit. nach: Michael Georg Conrad, Münchner Künstler-Besuche: Eduard Grützner, 1886). Von seinem Lehrer Carl Theodor von Piloty übernimmt Grützner zwar den feinmalerischen Detailrealismus und die theatralische, wirklichkeitsgetreue Ausstaffierung seiner Szenerien - von einer bedeutungsschweren, staatstragenden Historienmalerei sind seine Sujets jedoch weit entfernt: „In der Schule Pilotys mußte unser Grützner so gut wie der erste beste malende Jüngling sich mit den bekannten klassischen Motiven herumschlagen und dann sein großes historisches Bild, irgend einen bejammernswerten Unglücksfall, in herzzerreißender Tragik zusammenpinseln. So will's die Tradition und ohne sie keine zuverlässige künstlerische Zucht! Aber heimlich legte sich Grützner, dessen selbstschöpferische, übersprudelnde Natur sich von Anfang an der Sonnenseite des Lebens mit Vorliebe zuwandte, Pinsel und Farben zurecht, um ein Bild nach seinem eigenen Geschmack zu malen, und es entstand das erste jener behäbigen, von feuchtfröhlichem Humor und unbezwinglicher Trinkerlust glühenden Pfäfflein, welche in unerschöpflicher Folge den Ruhm des schalkhaften Künstlers aller Welt verkündigten“ (ebd.). Schnell avancieren die klerikalen Trinkszenen zu einem Verkaufsschlager und schmücken zahlreiche großbürgerliche Sammlungen. Das große technische Können Grützners fällt hier besonders ins Auge: Kunstvoll widmet er sich stofflichen Details wie der Oberfläche des verrauchten Holzes, den bemalten Steinkrügen mit Zinndeckeln, den Holzspänen oder der geflickten Lederschürze des Herantretenden. Genauestens beschreibt er die unterschiedlichen Holzwerkzeuge der Schäffler, über die unter dem Deckengewölbe der heilige Urban I. wacht, sowohl der Patron der Winzer als auch der Küfer und Schäffler, - als auch gegen Trunkenheit und Gicht. Grützners Bilder sind so immer auch ein augenzwinkernder Kommentar zu einer Moralität, die durchaus als großzügige Auslegungssache begriffen werden soll. [KT]
 


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