Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 331

 
331
Emil Nolde
Friesisches Bauernhaus und Windmühle, Um 1920.
Aquarell
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 81.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Friesisches Bauernhaus und Windmühle. Um 1920.
Aquarell.
Links unten signiert. Auf Japan. 36,5 x 50 cm (14,3 x 19,6 in), blattgroß.
[SM].
• Die Marsch in mystischer Abenddämmerung.
• Großformatiges Aquarell.
• Seit 60 Jahren in Familienbesitz
.

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, ehemaliger Direktor der Stiftung Ada und Emil Nolde, Klockries, vom 8. Juni 2021. Die Arbeit ist in seinem Archiv unter der Nummer "Nolde A - 211/2021" registriert.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Nielsen, Flensburg (bis 1960, Stuttgarter Kunstkabinett, 20./21.5.1960).
Privatsammlung (1960 vom Vorgenannten erworben, seither in Familienbesitz).

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett, 35. Auktion, 20./21.5.1960, Los 454.
"So sind auch seine Landschaftsbilder - nun ganz im Sinne der romantischen Landschaftskunst eines Caspar David Friedrich - nicht bloße Stimmungsbilder, auch keine Spiegelungen zufälliger atmosphärischer Erscheinungen im Ablauf des Jahres oder Tages, sondern wahre 'Seelenlandschaften', freier und unmittelbarer Ausdruck des künstlerischen und menschlichen Erlebens."
Martin Urban, in: E. Nolde. Landschaften. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 7.

Essay
Dunkle Abendwolken am Himmel, sanfter noch gespiegelt im Wasserlauf des Watts, sie erzeugen die intensive Vorstellung einer Abendbeleuchtung. In diesem Einwirken der unmittelbar bildhaft-sinnlichen Verläufe der Farben und der daraus entwickelten Vorstellung dieser typischen Marschlandschaft liegt die eigentliche Kraft und Faszination dieses Motivs. Die Grenze zwischen noch bloßer Farbe und schon gegenständlicher Darstellung ist hier offen und fließend, wird nur durch die kraftvoll vorgetragene schwarze Linie existent: So lässt Nolde das übersteigerte Violettrot der Ferne an das satte Grün der Weiden stoßen, gibt dem roten Backsteinhaus architektonische Konturen und begrenzt den Priel, der wie ein echogebender Spiegel das Szenario fließend wiederholt, auch das über den schweren Regenwolken restliche Tageslicht im dunkelblauen Abendhimmel. Die Farben des Aquarells verlaufen und ziehen ein in das Papier, oft viel intensiver und oft auch ganz anders als in der Natur. Aber sie stehen für die Empfindung eines Natureindrucks, den Nolde mit materiell, aufgetragenen Aquarellfarben sucht, mit Farben auf das vom Künstler Gesehene hinweisen möchte. „Vor der Natur waren meistens die vollen, satten Farbenklänge meine Freude. Doch auch zuweilen bewegten mich die zarten und zartesten Vorgänge. […] Dann auch wieder eigentümlich sind die Tage mit dem unendlichen Grau, dem schleswigschen Grau: die Wolken grau, der Himmel grau, die Menschen grau und ihrer aller Gemüt“, so Emil Nolde über ‚seine‘ Landschaft, die ihn zutiefst bewegt (zit. nach: Emil Nolde, Mein Leben, Köln 1993, S. 333). Noldes dynamische Sicht auf die nahe Umgebung seines Wohnhauses in Utenwarf lässt ihn fortwährend über die fließenden Grenzen des Motivs hinauswirken und eine eindrückliche, malerisch sinnliche Malerei entstehen. [MvL]
331
Emil Nolde
Friesisches Bauernhaus und Windmühle, Um 1920.
Aquarell
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 81.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)