Auktion: 522 / Klassische Moderne Teil II am 10.12.2021 in München Lot 121002119

 
121002119
Gabriele Münter
Från Djurgårdsbron, Stockholm (Bei der Tiergartenbrücke), 1915.
Öl über Bleistift auf Malpappe
Schätzpreis: € 90.000 - 120.000
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Objektbeschreibung
Från Djurgårdsbron, Stockholm (Bei der Tiergartenbrücke). 1915.
Öl über Bleistift auf Malpappe.
Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert und betitelt. Dort auch mit dem Nachlassstempel sowie einem Aufkleber mit der teils gestempelten, teils handschriftlichen Nachlassnummer "L 380" und handschriftlich mit Kreide bezeichnet "L 380" (schwer leserlich). 29,8 x 35 cm (11,7 x 13,7 in), blattgroß. [EH].

• Aus der skandinavischen Phase.
• Gezeigt auf den großen Retrospektiven Gabriele Münters im Lenbachhaus 1992/93 und 2017/18
.

PROVENIENZ: Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München.
Privatsammlung Berlin.
Privatsammlung Schweiz (seit 2013).

AUSSTELLUNG: Gabriele Münter 1877-1962. Retrospektive, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 1992; Schirn Kunsthalle, Frankfurt a. Main, 1992/93; Liljevalchs Konsthall, Stockholm, 1993; Staatliche Kunsthalle, Berlin, 1993, Kat.-Nr.140 mit Farbabb.
Gabriele Münter. Malen ohne Umschweife, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 31.10.2017-13.1.2018; Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, 3.5.-19.8.2018, und Museum Ludwig, Köln, 15.9.-13.1.2019, Kat.-Nr. 81 mit Farbabb.

Münter ist am Besten, wenn sie in ein paar Farben ein Erlebnis einfängt und es einfach und naiv zusammenbringt und die Einzelheiten fallen läßt. Dann fängt sie das ein, was uns anderen entgeht und was zu still ist, um gesagt zu werden.
Gregor Paulsson, Gabriele Münter, in: Stockholms Dagblad, 20. Oktober 1916


Essay
Diese Ansicht der Djurgårdsbron (Tiergartenbrücke) malt Gabriele Münter 1915 in Stockholm, wo sie seit Juli des Jahres lebt. Denn mit Ausbruch des I.Weltkrieges ein Jahr zuvor war das beschauliche Leben im Murnau für Gabriele Münter komplett auf den Kopf gestellt worden. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky reist sie zunächst über Mariahalde am Bodensee nach Zürich. Ihr bisheriger Lebensgefährte und künstlerischer Widerpart Kandinsky kann als russischer Staatsbürger nicht wieder nach Deutschland zurückkehren. Er zieht weiter nach Moskau und wird dort trotz aller gemachter Versprechen letztlich Nina Andreyevskaya heiraten. Nur noch einmal im Dezamber 1915 sieht das Künstlerpaar sich ein letztes Mal in Stockholm. Nachdem Münter im Frühsommer 1915 alle Angelegenheiten in München für eine längere Abwesenheit geordnet hat, reist sie über Berlin, wo Verwandte wohnen, nach Stockholm. Hier im neutralen Schweden hofft sie Kandinsky treffen zu können, zumal sie durch die von Herwart Walden organisierten Ausstellungen keine Unbekannte in Skandinavien mehr ist.
Gabriele Münter mietet sich am Sturepla 2 ein. Von hier ist es nicht weit zu Djurgårdsbron. Aus ihrem Kalender und den Skizzenbüchern wissen wir, dass die Künstlerin während der ersten Wochen in Stockholm viel spazieren geht und skizziert. Das ist ihre Art die für sie neue Stadt zu begreifen und anzukommen. Auf einem ihrer Rundgänge besucht sie den Djurgården, ein Parkgebiet, in dem die Stockholmer gerne ihre Freizeit verbringen; ein orientalisch anmutendes Ausstellungsgelände schließt direkt bei der Djurgårdsbron an. Djurgård ist mit der 1897 erneuerten, ungewöhnlich breiten Eisenbrücke mit der Stadt verbunden. In Münters Gemälde blickt man in der Bildmitte auf die in rot gehaltene Brücke. Links ist das Wasser mit einigen vertäuten Segelschiffen zu sehen, ein kleines Dreiergrüppchen kommt gerade von der Brücke herunter. Rechts im Bild steht vorne ein Matrose vor den weiß strahlenden Eingangsbauten zum Ausstellungsgebäude.

Gabriele Münters Werke aus der Stockholmer Zeit kommen nicht häufig auf den Markt. Sind sie doch überaus interessant, denn die innere Unruhe nach dem Zurücklassen des beschaulichen Murnau scheint bildhaft zu werden. Münter hat schon in einigen Arbeiten zuvor zu einem neueren, bewegeren Farbauftrag gefunden. In Bildern wie dem Holzhauer (Ketterer Kunst A 428 Los 213) kündigt sich diese Entwicklung schon an. Mit der Djurgadenbron wagt Münter zudem einen weiteren Schritt: eine ungewöhnliche Stückelung der Komposition. Ohne Verschleifung der Übergänge steht die große Figur rechts neben der wesentlich kleiner gehaltenen Figurengruppe: ja die Klassische Lösung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund ist von rechts nach links abgewickelt. In dieser Zeit malt sie auch mehrere abstrakte Kompositionen, die keiner klassichen Motivik zuzuordnen sind.

So hat der unfreiwillige Umzug eine schöpferische Dynamik gelöst. 1915 im Oktober kann sie schon erstmals ausstellen, im März 1916 folgt eine Einzelausstellung bei Gummesons. 1917 zeigt sie gemeinsam in einer Guppenausstellung der Föreningen Svenska Konstnärinnor (Vereinigung Schwedischer Künslterinnen) in Liljevalchs Konsthall 37 Werke. Und hier schließt sich der Kreis, denn Liljevalchs Konsthall, heute eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst, liegt in Stockholm auf Djurgården
121002119
Gabriele Münter
Från Djurgårdsbron, Stockholm (Bei der Tiergartenbrücke), 1915.
Öl über Bleistift auf Malpappe
Schätzpreis: € 90.000 - 120.000
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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gabriele Münter "Från Djurgårdsbron, Stockholm (Bei der Tiergartenbrücke)"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

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Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 32 %, Teilbeträge über € 500.000 27 % Aufgeld
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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4% inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.