Auktion: 523 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 11.12.2021 in München Lot 361

 

361
Franz von Stuck
Meerweibchen, Um 1891.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Meerweibchen. Um 1891.
Öl auf Malpappe.
Vgl. Voss 38. Rechts unten signiert. 20,3 x 68,5 cm (7,9 x 26,9 in).
Im Original-Rahmen der Gebrüder Oberndorfer, München.
• Seltenes und außergewöhnliches, langgestrecktes Format, mit dem Stuck den liegenden Körpern begegnet
• Für das spannungsreiche Verhältnis von Frau und Mann, so zentral im Schaffen Stucks, findet Stuck hier eine kompositorisch ausdrucksstarke Lösung
• Teil der Motivik von Wassernixen und Faunen, die Stuck sowie zahlreiche weitere wichtige Künstler des Symbolismus intensiv beschäftigt
• Im studienhaften, freien Charakter der Malweise wird die Handschrift und Arbeitsweise des Künstlers besonders nachvollziehbar
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (seit ca. 20 Jahren).

Aufrufzeit: 11.12.2021 - ca. 16.21 h +/- 20 Min.

Die Figur der Wassernixe, Meerjungfrau, Najade oder Nereide erfährt am Ende des 19. Jahrhunderts eine motivische Renaissance. Vor allem symbolistische Künstler wie Arnold Böcklin („Triton und Nereide“, 1874, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München), Max Klinger („Die Sirene/Triton und Nereide“, 1895, Sammlung Villa Romana, Florenz) oder Gustav Klimt („Wasserschlangen I“, 1904/07, Österreichische Galerie im Belvedere, Wien) sind fasziniert von den geheimnisvollen Mischwesen. Die Figur der Meerjungfrau changiert dabei zwischen abgründiger Verführung und Erotik, spielerischer Sinnlichkeit und melancholischer Sehnsucht. Als dem Element des Wassers zugehöriges Wesen wird sie zum Symbol einer überwältigenden Gefühlswelt, die für den Mann auch zur Bedrohung werden kann. Allegorisch taucht sie bei Franz von Stuck bereits während seiner frühen Tätigkeit als Grafiker auf. In einer Szene wird eine sich sträubende Nixe im Netz von kleinen Faunen aus dem Wasser gezogen, später bei Hanfstaengl als Allegorie der Jagd und Fischerei veröffentlicht (in: Allegorien und Embleme, 1882, Abtheilung I, Taf. 85). Der männliche Faun und die weibliche Nixe treten im weiteren Verlauf seines Schaffens als gegengeschlechtliche Pole auf, zwischen denen ebenfalls das omnipräsente Thema des Liebesspiels, der Jagd und der Verführung stattfindet. In dem Relief „Faun und Nixe“ von 1891, das schließlich 1901/02 als farbiger Abguss in den Künstleraltar unterhalb der „Sünde“ eingelassen wird, arbeitet er das Motiv von Faun und Nixe, sich bäuchlings gegenüberliegend, ein erneutes Mal aus. Die auf dem Bauch liegende Frau, von einem Schlangenwesen umrankt und als „Die Sünde“ (1899, Wallraff Richartz Museum, Köln) betitelt, verschmilzt Frau, Schlange, Verführung und Wollust. Unser zweigeteiltes Gemälde widmet sich ebenso der dualistischen und spannungsreichen Geschlechterordnung von Frau und Mann. Das weibliche Mischwesen wird von dem männlichen Landbewohner durch dessen Gesang oder seine Scherze aus dem Wasser gelockt, denen sie mit erstauntem oder auch empörtem Gesicht lauscht. In skizzenhafter Manier legt Stuck seine kompositorische Idee nieder und erprobt die Hell-Dunkel-Verteilung sowie die koloristische Harmonie des Bildes. Intensiv schimmert das reine Lapislazuli-Blau des Meeres; der Fischschwanz der Nixe erhält durch gelbe und rote Tupfen seinen schillernden feuchten Glanz, ähnlich dem Schlangenkörper in einigen Versionen von Stucks berühmter „Sünde“. Die ausgestreckten Körper bedingen das ungewöhnliche Format, in dem sich der Bildinhalt auf die in der Mitte stattfindende unmittelbare Begegnung der beiden gegenüberliegenden Körper konzentriert. Unsere Studie ist dabei wohl in dem Kontext des frühen Gemäldes anzusiedeln, das Stuck 1891 ausführt und in dem sich bereits die wesentliche Thematik seines Schaffens, das Verhältnis von Frau und Mann, bemerkbar macht. [KT]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Franz von Stuck "Meerweibchen"
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